UB-Logo Online MagazinUntergrund-Blättle

Linke und die Nation | Untergrund-Blättle

4351

Der völkische Charakter der Selbstbestimmung Linke und die Nation

Politik

Aus Anlass der Unabhängigkeitsbestrebungen und Volksabstimmungen Kataloniens und des irakischen Kurdistan zeigen sich der nationalistische Charakter vieler „emanzipativer“ oder demokratischer Ideen.

Es ist nur natürlich, dass die Eliten, die die Unabhängigkeit ihrer Ministaaten anstreben, ihren Anhängern Milch und Honig versprechen.
Mehr Artikel
Mehr Artikel
Bild ansehen

Bild: Es ist nur natürlich, dass die Eliten, die die Unabhängigkeit ihrer Ministaaten anstreben, ihren Anhängern Milch und Honig versprechen. Hier der katalanische Regionalpräsident Carles Puigdemont (zweiter von rechts). / Convergència Democràtica de Catalunya (CC BY 2.0 cropped)

9. Oktober 2017
1
0
3 min.
Drucken
Korrektur
Der wichtigste ist der der „Selbstbestimmung“. Unter dem Titel des „Selbstbestimmungsrechtes der Völker“ wurde die Landkarte Europas nach dem ersten Weltkrieg neu gestaltet. Während den Regierenden der neuen Staaten beschieden wurde, dass sie jetzt „selbst“ bestimmen könnten, was auf ihrem Territorium geschieht, war auf der anderen Seite genau genau vorgegeben, innerhalb welcher aussenpolitischen und ökonomischen Bahnen sich diese neue Einheit zu bewegen habe.

Ähnlich wurde nach dem Ende des 2. grossen Waffenganges die Landkarte des ganzen Globus im Zuge der Entkolonialisierung neu gezeichnet, und neue Staaten geschaffen, mit „eigenen“ Regierungen, also echten und richtigen Herrschaften. Deren Unabhängigkeit reichte genau so weit wie der Preis der Rohstoffe, die sie auf dem Weltmarkt verkaufen konnten, oder die Kredite, die sie zur Einrichtung ihrer neuen Staatswesen erhielten.

Das ist völlig folgerichtig und keine Ungerechtigkeit und kein Missstand, wie viele Freunde von Unabhängigkeitsbewegungen beklagen. „Selbst“ gibt nämlich gar keinen Inhalt vor, sondern nur ein Verfahren, wie geherrscht und gehorcht werden soll. Die Inhalte der solchermassen geschaffenen Gebilde, ihre Staatsräson, muss von woanders kommen: Aus dem Willen der neuen Eliten, im Konzert der Nationen auf allen Ebenen mitzuspielen und sich dabei auch möglichst zu bereichern, und aus der imperialistischen Konkurrenz der Nationen, die solchen Anliegen Möglichkeiten bietet und Grenzen setzt.

Es ist nur natürlich, dass die Eliten, die die Unabhängigkeit ihrer Ministaaten anstreben, ihren Anhängern Milch und Honig versprechen, während sie möglichst trachten werden, in Zukunft in ihre eigenen Taschen zu wirtschaften. Weder die katalanische Bourgeoisie noch der Barzani-Clan in Kurdistan haben ja vor, Kommunismus einzuführen. In beiden Fällen ist weiter Privateigentum und dessen kommerzielle Verwertung vorgesehen. Sie versprechen nur, die Einkünfte „im eigenen Land“ zu halten und nicht an irgendwelche fernen Hauptstädte zu versenden. In wessen Händen sie dann bleiben, ist dann Frage des zukünftigen inneren Machtkampfes.

So weit, so schlecht.

Die Frage ist jetzt, warum so viele Linke diese Ambitionen unterstützen, anstatt sie zu bekämpfen.. Die katalanischen Anarchisten unterstützen den „Proces“ in Richtung Abspaltung, genau unter dem Titel „Selbstbestimmung“. Auch andere Linke in Europa geraten in gröbere Verlegenheit, wenn sie zu den Vorgängen in Katalonien und Kurdistan Stellung beziehen wollen. Gegner der Unabhängigkeit Kataloniens werden gerne als Faschisten bezeichnet und mit dem Franco-Totschläger erledigt.

Kritik an Privateigentum und staatlicher Herrschaft ist offenbar „out“, „Nation“ und „Volk“ sind „in“.

Da sind aber die Rechten alleweil glaubwürdiger, die haben nie anderes gefordert. Kein Wunder also, wenn ihnen die Herzen der Staatsbürger zufliegen.

Wer also Volk oder Nation nicht gehörig kritisieren will, der soll vom Faschismus schweigen.

Amelie Lanier

Mehr zum Thema...
Demonstration gegen die Polizeigewalt am Tag des Unabhängigkeitsreferendums in Barcelona, Oktober 2017.
Heiligt der Zweck die Mittel?Anmerkungen zum katalanischen Unabhängigkeitsprozess

30.10.2017

- Seit die Bilder von prügelnden spanischen Nationalpolizisten gegen Wahlwillige am Tag des Unabhängigkeitsreferendums um die Welt gingen, ist die katalanische Unabhängigkeitsbewegung in der publizistischen Weltöffentlichkeit angelangt.

mehr...
Protesttag in Barcelona für katalanische Autonomie, 2010.
DesintegrationserscheinungenSpanien: Referendum in Katalonien

20.09.2017

- Die katalanische Regionalregierung hat für den 1.

mehr...
Der spanische Staat und der Separatismus

01.12.2017 - Kataloniens Versuch, die Unabhängigkeit von Spanien zu erlangen, prägt die Berichterstattung über Spanien. Weder sind die katalonischen Bestrebungen ...

Espana -quo vadis?

03.03.2014 - Im November 2014 soll es in Katalonien / Spanien ein Referendum über die Unabhängigkeit Kataloniens geben. Im Gespräch mit den Ex-Spaniern Jorge, Raul, ...

Dossier: Katalonien
Màrius Montón
Propaganda
Volkstrauertag

Aktueller Termin in Dortmund

Sommer am U: Wenn einer lügt dann wir

Wenn einer lügt dann wir machen Pop-Punk (Musik) (ungefähr) mit E-Gitarre, Bass, Schlag-zeug (und (sorrie) AUTOTUNE o.o). Lange dachte Mensch sie seien bloss One-Hit-Wonders (Nirvana Cover), aber 2021 kamdann zum Glück endlich das ...

Sonntag, 26. Juni 2022 - 17:00 Uhr

Rekorder, Gneisenaustraße 55, 44147 Dortmund

Event in Karlsruhe

FIRST TIME ON STAGE Vol. 18 in Kooperation mit Popnetz Karlsruhe

Sonntag, 26. Juni 2022
- 21:00 -

JUBEZ

Kronenplatz 1

76133 Karlsruhe

Mehr auf UB online...

Lina Eichler wird abgeführt, 19.
Vorheriger Artikel

Uns bleiben noch 3 Jahre

Tennis-Finale unterbrochen

Waffenlieferung der USA an die ukrainische Armee, Februar 2022.
Nächster Artikel

Europol und Interpol schlagen Alarm

Europäer befürchten illegalen Waffenfluss aus Ukraine

Untergrund-Blättle