UB-Logo Online MagazinUntergrund-Blättle

Kommentar zum Köln-Blog | Untergrund-Blättle

3288

Politik

„Flüchtlinge aus islamischen Staaten ‚passen nicht zu Deutschland’“ Kommentar zum Köln-Blog

Politik

Am Blog zu Köln „Die sind so“ ist mir Folgendes aufgefallen: In der Mitte des Blogs führst Du Beispiele auf, wie „Millionen in Deutschland lebende Moslems“ ganz normal im deutschen Arbeitsalltag stecken und sich sogar – wie marokkanische Anwohner in Düsseldorf – für die Durchsetzung von Recht und Ordnung gegen ihre kleinkriminellen ‚Landsleute‘ aussprechen.

Flashmob gegen Männergewalt auf der Treppe vom Bahnhofsvorplatz Köln hoch zum Kölner Dom in Reaktion auf die sexuellen Übergriffe in der Silvesternacht 20152016.
Mehr Artikel
Mehr Artikel
Bild ansehen

Bild: Flashmob gegen Männergewalt auf der Treppe vom Bahnhofsvorplatz Köln hoch zum Kölner Dom in Reaktion auf die sexuellen Übergriffe in der Silvesternacht 2015/2016. / Elke Wetzig (CC BY-SA 4.0 cropped)

20. Mai 2016
0
0
3 min.
Korrektur
Drucken
Die erwähnten Beispiele lassen allerdings die Lesart zu, dass Ausländerhass & Fremdenfeindlichkeit simple Vorurteile wären, die durch gedankliche Faulheit zustande gekommen wären. Bei genaue(re)m Hingucken könnte man doch sehen, dass die meisten hier lebenden Moslems sich ordentlich aufführen, dass auf dem Oktoberfest auch Einheimische grapschen und dass die meisten hier lebenden Ausländer auf Recht & Ordnung stehen. Und deshalb gäbe es doch – wenn man eben nur genauer hinguckte – keinen wirklichen Grund für die Feindschaft…

Wenn’s doch nur so einfach wäre… Nein, da hat der Blog insgesamt schon recht: Der Ausländerfeind „weiss“, dass „die hier nicht hingehören“, weil „die nicht zu uns passen“, und es stimmt, dass dieser Standpunkt schon vor Köln „fix und fertig“ ist. Und das bringt mich zu einer weiteren Anmerkung. Ich finde, der Blog hört genau da auf, wo er weitermachen müsste: Wie geht denn eigentlich dieser „Standpunkt“, den der Blog mit „Flüchtlinge aus islamischen Staaten ‚passen nicht zu Deutschland’“ zusammenfasst, worin besteht er denn eigentlich? Mal ein Versuch:

Der Einheimische ist von Kindesbeinen an daran gewöhnt worden, sich in seinem Leben mit allen Anforderungen zu arrangieren; und was es heisst, sich in ständiger Konkurrenz um Arbeit, Wohnung, Einkommen… durchzuschlagen, weiss er aus seinem täglichen Leben nur zu gut. Ob er was davon hat oder nicht, ob er ein gutes Leben führt oder sich ständig herumplagt – , diese Lebensumstände betrachtet er als an manchen oder auch vielen Stellen zwar ungemütliche, aber hierzulande eben übliche und deshalb auch selbstverständliche Art des Zusammenlebens. Und alle, die hierzulande durchaus im Gegensatz zueinander stehen (Hauseigentümer/Mieter, Unternehmer/Lohnabhängige, Hersteller/Verbraucher etc.) und an der Konkurrenz ums Geldvermehren und Geldverdienen teilnehmen, sind für ihn ein „Wir“, eine Gemeinschaft, zu der jeder an seinem Platz seinen Beitrag leistet und zu leisten hat. Wenn sich alle an das halten, was, und sich so verhalten, wie es „hier so üblich ist“, dann ist das die Art und Weise, wie man hier zurechtkommt und geht in Ordnung.

Das Sammelsurium von Anforderungen, Sitten, Gewohnheiten usw. redet er sich als „Lebensart“ schön, die er und seine Zeitgenossen gemeinsam zustande kriegen und die er zusammenfassend „Heimat“ nennt. Angereichert um schöne Bilder von Landschaften, Festen, kulinarischen und sonstigen Spezialitäten (nicht zufällig alles Dinge, die nichts mit Arbeit, Konkurrenz etc. zu tun haben!) wird daraus dann ein komplettes Sittengemälde. Und das bringen „wir“ zustande, eben alle, die hier leben. Das macht die „nationale Identität“ aus, die uns auszeichnet. Und das ist nicht beschreibend gemeint, sondern verpflichtend: So hat man sich hierzulande dann auch aufzuführen bzw. zu sein!

„Wir“, so die Fortsetzung, gehören dazu – im Unterschied zu jedem, der schon äusserlich erkennbar anders ist. „Heimat“ – das ist ihr harter Inhalt! – steht nur denen zu, die hierher gehören, schliesst also grundsätzlich alle aus, die „nicht (so wie) wir sind“. Und das ‚weiss‘ der einheimische Heimatfreund, auch wenn er noch nie in seinem Leben mit einem Dunkelhäutigen zu tun hatte. Denn: Der kommt von woanders her, kommt aus einer anderen Gemeinschaft und ist deren Regeln und Gewohnheiten verpflichtet, er will also was anderes – weshalb das Verdikt über alle Fremden lautet: Die sind anders, gehören nicht hierher und schon gar nicht zu uns. Und von „fremd“ zu „gefährlich“ ist’s dann wirklich nicht mehr weit; und dieser Standpunkt sucht und findet in „Köln!“ und anderswo sein Anschauungsmaterial für das, was er vorher schon wusste.

replik

Mehr zum Thema...
Die Vorfälle in Köln benutzen die Vertreter dieses Standpunkts als Angriff auf die Merkel’sche Flüchtlingspolitik, die sie schon immer als einen Akt der „Überfremdung der deutschen Heimat“ abgelehnt haben.
Flüchtlinge aus islamischen Staaten „passen nicht zu Deutschland“Übergriffe und Randale in Köln: „Die sind so!“

07.03.2016

- Wenn Horden von Fussballfans regelmässig Regionalzüge zerlegen, dann kommt die Frage „woher“ die Randalierer kommen, bzw. „wer“ an den Ausschreitungen teilgenommen hat, im strafrechtlichen Sinne auf.

mehr...
Flashmob gegen Männergewalt auf der Treppe vom Bahnhofsvorplatz Köln hoch zum Kölner Dom in Reaktion auf die sexuellen Übergriffen in der Silvesternacht 20152016.
Ein antirassistischer NachschlagKöln: Doch keine „Terrornacht der Nafris“

29.09.2017

- In der Silvesternacht 2015/16 entdeckte Deutschland plötzlich den Sexismus und das Patriarchat.

mehr...
Streifenwagen vor dem Kölner Hauptbahnhof in der Woche nach den Vorfällen in der Silversternacht 2015.
Zur Debatte um „die schreckliche Silvesternacht von Köln“„Die gehören nicht hierher“

29.01.2016

- Polizei und Presse melden: Sexuelle Übergriffe, begangen von mehr als 1000 Männern vermutlich nordafrikanischer oder arabischer Herkunft, die Frauen begrapschten und körperlich bedrohten, zum ‚Fucken‘ aufforderten und ihnen Handys und/oder Geld abnahmen.

mehr...
Sexuelle Übergriffe auf dem Oktoberfest

18.10.2012 - Wer kennt das Oktoberfest nicht? Bier, Bratwürstchen, Menschenmassen und grosse Festzelte. Doch dazu zählen auch sexuelle Übergriffe. Die Veranstalter ...

Die refugees' revolution bus tour in karlsruhe und köln

11.03.2013 - 60 sendefertige minuten über das selbstbewusstsein der tour und die sich ähnelnden übergriffe der polizeien

Dossier: Klimawandel
Klimawandel
Propaganda
Helene Fischer: Von Kinderhand für mich gemacht

Aktueller Termin in Dortmund

Spendenannahme

Wir vom Rekorder und Grenzenlosen Wärme möchten eine dauerhafte Spendenannahme ermöglichen!Es ist uns wichtig, einerseits Menschen zu unterstützen, die sich aktuell auf der Flucht befinden, sowie lokale Initiativen zu supporten und ...

Sonntag, 5. Dezember 2021 - 15:00

Rekorder, Gneisenaustraße 55, 44147 Dortmund

Event in Berlin

Karaoke Night with KJ Der Käpt’n

Sonntag, 5. Dezember 2021
- 20:00 -

Schokoladen

Ackerstraße 169

10115 Berlin

Mehr auf UB online...

Untergrund-Blättle