UB-Logo Online MagazinUntergrund-Blättle

Die widersprüchliche Politik der GRÜNEN | Untergrund-Blättle

7284

Wege aus der heutigen kulturellen Krisenentwicklung Die widersprüchliche Politik der GRÜNEN

Politik

Die GRÜNEN haben sich durch ihre Entscheidung während der Schröder/Fischer Regierung eine neoliberale deutsche Politik zu akzeptieren, in einen fundamentalen inneren Widerspruch verwickelt.

Wahlplakat von der Partei Bündnis 90
Mehr Artikel
Mehr Artikel
Bild ansehen

Wahlplakat von der Partei Bündnis 90 Foto: © Simon MannweilerWikimedia Commons (CC BY-SA 4.0 cropped)

4. Oktober 2022
2
0
7 min.
Drucken
Korrektur
Wie bereits der Kapitalismus des 19. Jahrhunderts gezeigt hat, lässt sich ein liberaler Kapitalismus nicht mit grünen Zielen vereinbaren, da er grundsätzlich weder auf die Umwelt noch auf den Menschen ausreichend Rücksicht nimmt. Stattdessen richtet sich der liberale Kapitalismus nach einer möglichst effektiven Ausbeutung der zur Verfügung stehenden Ressourcen aus, um diese auch auf eine widernatürliche und unmenschliche Weise zu „Kapital“ zu machen. Diese übernatürliche und asoziale Wirtschaftsagenda ist das Kind einer Herrenmenschen-Willkür und damit eine Ausgeburt der traditionellen Standeskultur.

Sie zeigt sich unter anderem in den Folgen der übernatürlichen Konzeptionen des Kreditvertrags, des Eigentums als einem übernatürlichen Besitztitel und in anderen wirtschaftlichen Regulierungen, die mit einer relativ agierenden Natur und einer natürlichen Ökonomie nicht vereinbar sind. Erst heute wird richtig deutlich, dass die Unvereinbarkeit einer neoliberalen Wirtschaft mit einer relativ sich organisierenden Natur auch zu einer schweren Kulturkrise führen kann, die sich nicht durch positivistische politische Ideologien bewältigen lässt.

Der heute bereits schizophrene Züge aufweisende fundamentale Widerspruch innerhalb der Politik der GRÜNEN wird durch eine weitere unglückliche politische Agenda erzeugt: Viele feministische Frauen der 68er-Generation haben eine allergische Reaktion auf den Mann und auf das Patriarchat entwickelt und bis heute relativ unreflektiert beibehalten. Die panische oder allergische Reaktion stellt eine absolutistische Gegenreaktion auf einen unerträglichen Sachverhalt dar. Während die relativen natürlichen Gegensätze von hell und dunkel, von süss und sauer und von + und – auf eine dynamische Weise jeweils ein ganzes Spektrum durch eine lebendige, sich ergänzende Wechsel-Polarität verwirklichen, bewirkt eine künstliche absolutistische Polarisierung wie z.B. die ideologische Polarisierung von „Gut und Böse“ eine Unvereinbarkeit der Pole, so dass sie sich feindlich gegenüber stehen. Der Feminismus hat daher weder die widernatürliche Konstitution der Standeskultur noch die des absolutistischen Familien-Patriarchats verbessert.

Vielmehr haben die Feministinnen der 68er-Generation durch ihre allergische Reaktion auf das Patriarchat ein absolutistisches Matriarchat geschaffen, das eine neue Form des Krieges zwischen den Geschlechtern erzeugt hat. Dieses neu sich entwickelnde absolutistische Familien-Matriarchat hat seinen Durchbruch durch einen Wechsel der patriarchalen in eine matriarchale Familienrechtsprechung zur Jahrtausendwende erreicht. Die dadurch entstehende Kooperation zwischen der neoliberalen Agenda und der feministischen Agenda findet bis heute ihre Schnittmenge in einem absolutistischen Machtstreben und in dem Streben nach einer ideologischen Deutungshoheit in der Kultur. Daher entwickelt die Partei der GRÜNEN heute ganz besondere ideologische, emotionale und politische Blüten, die gefährlich sind.

Durch die gegenseitige Ergänzung der neoliberalen Agenda, die 1985 mit dem „Washington Consensus“ begann und der feministischen Agenda der 68er-Bewegung hat der Standeskrieg von Reich gegen Arm und der Geschlechterkrieg seit der Jahrtausendwende in seiner Intensität fortschrittlich zugenommen. Dadurch ist nicht nur die neoliberale Gangart, sondern auch das Verhalten der feministisch sich organisierenden Frau immer unnachgiebiger geworden und tendiert auf eine regelrechte Weise dazu, bodenlos auszuarten. Viele der betroffenen Frauen haben dadurch ihre natürliche Emotionalität mehr oder weniger eingefroren und durch einen oberflächlichen ideologischen Positivismus ersetzt, der dazu tendiert, sich mit einem bodenlosen emotionalen Fatalismus (Häme) zu polarisieren.

Diese Entwicklung geht damit einher, dass die feministische Frau, die dem Neoliberalismus viel zu verdanken hat, in einer geradezu hartnäckigen Weise blind für die Folgen einer neoliberal agierenden Standeskultur geworden ist. Der Neoliberalismus des „Washington Consensus“ findet seine Wurzeln in der amerikanischen Wirtschaftsentwicklung im späten 19. Jahrhundert mit der Entstehung von amerikanischen Wirtschaftsmonopolen, deren Vertreter (Henry P. Morgan, John Rockefeller, etc.) von den Amerikanern aufgrund ihrer skrupellosen Machtpolitik „Robber Barons“ genannt wurden.

Nach der Zerschlagung des Ölkonzerns Standard Oil durch die Anwendung des amerikanischen Antitrust-Gesetzes, haben sich mehrere Robber Barons an einen Tisch gesetzt und eine neue wirtschaftliche Agenda beschlossen, die 1913 zur Gründung einer privaten Notenbank (Federal Reserve), 1915 zur Gründung der AIC (American International Cooperation), einem Investmentfonds der Mächtigen für globale Geschäftsangelegenheiten und 1921 zur Gründung des CFR (Council of Foreign Relationsships) geführt haben, der bis heute die mächtigste amerikanische Denkfabrik für die amerikanische Wirtschafts- und Aussenpolitik geblieben ist.

Die Natur der Erde organisiert sich auf eine relative Weise durch das Individuum und nicht wie die Standeskultur durch ein verabsolutiertes staatliches Gemeinwesen oder durch ein verabsolutiertes privates Wirtschaftswesen, die einen inneren Hang zur Monopolbildung bzw. zur Diktatur generieren. Ein derartiges verabsolutiertes Gemeinwesen unterscheidet sich ganz wesentlich von dem relativen Gemeinschaftswesen der Tiere, da die Natur keine Machtmonopole und keine absolutistische Machtkonzentration in der Gemeinschaft kennt.

Die heutige übernatürliche Kulturorganisation birgt daher ein überaus explosives Potenzial, da die Industrielle Revolution den Menschen mit einer übernatürlichen Technik ausgestattet hat. Der Einsatz dieser Technik für die absolutistischen Machtinteressen der Herrenmenschen und der Robber Barons im gesamten 20. Jahrhundert gereicht dem heutigen Menschen zunehmend zum Schaden, da sie eine immer bodenloser entartende sadistische und masochistische menschliche Machtsucht verursacht. Dadurch verwandelt sich die heutige Standeskultur wie von selbst in eine alles Leben immer totalitärer kontrollierende Diktatur.

Die widersprüchliche Politik der Grünen hat daher ganz erhebliche, überaus gefährliche Folgeerscheinungen, die der Mensch auf eine tiefer gehende Weise analysieren und begreifen muss. Erst dann kann sich der Mensch aus der heutigen kulturellen Krisenentwicklung befreien, in die er sich selbst gebracht hat.

Vor ca. 5000 Jahren hatte der Mensch erstmals die Idee Pflanzen, Tiere und Menschen zu Sklaven ohne Rechte zu machen. Dadurch hat der Mensch einen widernatürlichen sado-masochistischen Beziehungsgeist innerhalb seiner Kultur generiert, dessen Folgeerscheinungen äusserst dramatisch waren und sind. Vor allem die daraus resultierende Verzerrung und Vergiftung aller zwischenmenschlichen Beziehungen wird für den heutigen Menschen zu einer zunehmenden Existenzgefahr, da der Krieg von Reich gegen Arm dazu tendiert bodenlos auszuarten und keinerlei biologische oder soziale Vernunft mehr transportiert. Dadurch überfordert der Mensch heute sowohl seine eigene Natur als auch die Natur der Erde auf eine geradezu unverbesserliche Weise. Der Mensch muss daher den sado-masochistischen Beziehungsgeist und seine Auswirkungen verstehen lernen, damit er sein gegenwärtiges überaus widernatürliches Handeln beenden und eine biologische Kulturlösung für sich anstreben und umsetzen kann.

Um dieses Ziel zu erreichen, muss der Mensch eine weitere wesentliche gegenwärtige Fixierung auflösen: Alle menschlichen Vorstellungen über eine maschinisierte Kultur der Zukunft stellen eine ideologische Falle dar, da der Mensch dabei bis heute das Gesetz der natürlichen Ökonomie ausser Acht lässt. Die natürliche Ökonomie baut jeweils auf eine wundersame Weise alles in einem Lebewesen ab, das nicht gebraucht bzw. verwendet wird. Die unweigerliche Wirkung dieses Gesetzes wird an einem gebrochenen Bein deutlich, das nach der Abnahme des Gipses einen deutlichen Muskelschwund aufweist. Ein maschinelles Kulturparadies ist daher an und für sich eine tragische Denkfalle. Je mehr sich der Mensch durch Maschinen organisiert, desto mehr verliert er die Fähigkeit zu einer kreativen und selbständigen Selbstorganisation. Dadurch entsteht ein tragischer Teufelskreis, der zu einer immer stärker werdenden Abhängigkeit des Menschen von der Maschine führt. Wie bei jeder Abhängigkeit geht dies mit einem zunehmenden Verlust an Freiheit einher.

Die Freiheit ist jedoch ein elementarer Bestandteil der universalen Natur, die sich sowohl durch eine relative Ordnung als auch durch ein relatives Chaos (Freiheit) auf eine dynamische Weise polarisiert. Indem der Mensch durch den Einsatz zu vieler Maschinen dieses elementare universale Gleichgewicht innerhalb seines Kulturlebens zersetzt, wird er notwendig zu einem sich selbst gefährdenden bzw. zerstörenden Wesen.

Der Mensch muss sich daher ganz bewusst vor Vorstellungen hüten, die einer sadistischen oder masochistischen menschlichen Machtsucht geschuldet sind und die panische und allergische Reaktionen des Menschen zur Folge haben. Seit 5000 Jahren sorgen die Herrenmenschen der Standeskultur in einer regelrechten Weise dafür, dass der Kulturmensch eine übernatürliche Angst, unerträgliche seelische Zustände und ein Gefühl der Vergeblichkeit erfährt, so dass sich auch heute noch viele Kulturmenschen davor in eine unnatürliche Gleichgültigkeit zu retten versuchen. Dadurch entsteht den betroffenen Menschen notwendig eine schwerwiegende depressive Disposition, die auf eine tragische Weise dazu führt, dass sich die Betroffenen durch eine passive und unreflektierte Kulturanpassung jeden Tag selbst starke ideologische Kulturketten anlegen.

Daher muss der Einzelne heute sein Gemüt, seinen Willen und sein Denken mehr denn je bewusst schützen, damit er die Hoffnung auf eine Erfüllung seiner eingeborenen Natur nähren und aufrecht erhalten kann. Durch eine solche Arbeit an sich selbst kann der Einzelne eine enorme Entschlusskraft erreichen, die es ihm ermöglicht, sich von einer 5000 Jahre alten ideologischen Kulturfessel zu befreien. Erst dann ist der Einzelne in der Lage, aktiv dabei mitzuwirken, eine der menschlichen Natur angemessene Kulturorganisation zu verwirklichen.

Wolfgang Hauke

Mehr zum Thema...
„Die Montirungswerkstatt in der Maschinenbauanstalt von Maffei in Hirschau bei München“ (um 1849).
Der Mensch im KapitalismusDer sado-masochistische Fallstrick innerhalb der gegenwärtigen Kulturentwicklung

07.10.2022

- Die zunehmend sadistisch und masochistisch werdende Kulturrealität macht deutlich, dass der Mensch seine traditionellen Verhaltensgewohnheiten überprüfen muss, wenn er eine Zukunft haben will.

mehr...
Gegen die harte materialistische LebensanschauungAnarchie, eine Alternative zum kommunistischen Kapitalismus und zum kapitalistischen Kommunismus?

08.11.2022

- Die klassische Ideologie der Anarchie definiert sich durch das Narrativ „Ordnung ohne Herrschaft“. Als solches ist sie, angesichts der gegenwärtigen kulturellen Entwicklungen eine interessante alternative Organisationstheorie.

mehr...
Zur derzeitigen KulturkriseDie Angst des Menschen vor der eigenen Courage

16.11.2022

- Viele Menschen haben heute Angst vor der Zukunft, da sich der Eindruck in den letzten 10 Jahren immer mehr erhärtet hat, dass die Autoritäten der Kultur mit der Kulturführung überfordert sind.

mehr...
Die Diktatur des Monetariats - Der Begriff des Neoliberalismus

20.02.2021 - In der zweiten Folge der „Diktatur des Monetariats“ geht es um den Begriff des Neoliberalismus: - Woher kommt er? - Wer verwendet ihn warum auf welche Weise? - Was verbinden Menschen im Allgemeinen damit? Vor allem aber geht es um die Frage, was Neoliberalismus im Kern eigentlich beinhaltet und … was nicht.

Die Diktatur des Monetariats - Der Begriff des Neoliberalismus

20.02.2021 - In der zweiten Folge der „Diktatur des Monetariats“ geht es um den Begriff des Neoliberalismus: - Woher kommt er? - Wer verwendet ihn warum auf welche Weise? - Was verbinden Menschen im Allgemeinen damit? Vor allem aber geht es um die Frage, was Neoliberalismus im Kern eigentlich beinhaltet und … was nicht.

Dossier: Mythos '68
Felipe Crespo
Propaganda
Einige Schlüsselelemente des chilenischen Neoliberalismus

Aktueller Termin in Freiburg im Breisgau

Überleben trotz Geld. Austauschcafé finanzielle Perspektiven/Möglichkeiten für politisch Aktive

Lohnarbeit. Kollektives Augen-verdrehen. Grund abends früher zu gehen, morgens früher aufzustehen und für viele politisch aktive Menschen eine ungeliebte Notwendigkeit um politische Arbeit möglich zu machen. Oder ein Grund, ab einem ...

Dienstag, 29. November 2022 - 18:00 Uhr

KTS - Kulturtreff in Selbstverwaltung, Basler Straße 103, 79100 Freiburg im Breisgau

Event in Zürich

Gashi

Dienstag, 29. November 2022
- 21:00 -

X-TRA

Limmatstrasse 118

8031 Zürich

Mehr auf UB online...

Strassenblockade in München am 21. November 2022.
Vorheriger Artikel

Der friedliche Protest lässt sich nicht wegsperren!

Weitere Menschen auf Münchens Strassen

Cover zum Buch.
Nächster Artikel

Björn Fischer: Rock-O-Rama. Als die Deutschen kamen

Hinter den Kulissen eines Plattenlabels

Untergrund-Blättle