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Verkehrswende-Aktivist*innen fordern: Autofahren und Verbrennen fossiler Energieträger verbieten – sofort! | Untergrund-Blättle

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Autofahren und Verbrennen fossiler Energieträger verbieten – sofort! Verkehrswende-Aktivist*innen fordern

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Knapp 30 Verkehrswende-Aktivist*innen standen am 1.4.2020 in Giessen in corona-sicherem Abstand und demonstrierten, jede*r für sich, für einen schnellen Ausstieg aus dem motorisierten Individualverkehr und den Aufbau eines leistungsfähigen ÖPNV.

3. April 2020

03. 04. 2020

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Eine ordentliche Versammlung war verboten worden – aus Angst vor Corona. „Das ist ein Skandal: Unsere Demo war in jedem Detail so geplant, dass alle vorgeschriebenen Abstände mehr als eingehalten und sonstige Verhaltensweisen auf Risikominderung orientiert waren. Dagegen dürfen die Autos überall weiter fahren, obwohl inzwischen in wissenschaftlichen Studien gewarnt wird, dass Luftverschmutzung und Corona-Tote vermutlich zusammenhängen“, empörte sich eine Teilnehmerin.

Etliche Demonstrant*innen hatten selbstgemalte Schilder, auf denen der Zusammenhang von Feinstaub und Corona-Toten benannt wurde. Doch an das Heiligtum Auto würde die Politik nicht heranwollen – ebenso dürften die feinstaubintensiven Kohlekraftwerke auch zu Coronazeiten weiterlaufen. „Wir fordern ein sofortige Verbot des Autofahrens und des Betriebs der dreckigen Kraftwerke – und wir werden weiter versuchen, dafür zu demonstrieren“, hiess es aus der Demo. Das Demoverbot sei schliesslich auch ein Versuch, das Versagen der Politik zu kaschieren. „Die Kleinen werden drangsaliert, die Grossen geschont – wie immer!“

Hintergrund

Warum wo besonders viele Menschen an Corona erkranken und, das ist noch geheimnisvoller, warum wo prozentual mehr daran sterben, ist in wissenschaftlichen Kreisen heiss diskutiert, aber nach wie vor nicht geklärt. Viele Theorien sind benannt, einige schon widerlegt. Der unterschiedliche Anteil alter Menschen wird erwähnt – aber der ist auch in ländlichen Gebieten höher, die allerdings wiederum niedrigere Fallzahlen haben. Regionen und Staaten haben sehr unterschiedliche Beschränkungen erlassen, die auch unterschiedlich wirken, aber nicht eindeutig bestimmten Massnahmen zugeordnet werden können.

Da wirkt eine Studie aus Italien spannend, die eine sehr naheliegende Spur verfolgt. Denn der aktuelle Corona-Virus CoVid-19 löst eine Lungenkrankheit, die vielfach tödlich endet. Feinstaub und andere Luftverschmutzungen schwächen die Lunge ebenfalls. Wer sich nun anschaut, wo die meisten Coronafälle und –toten auftreten, findet neben überwiegend geklärten Zufallsbegebenheiten der Massenansteckung (z.B. die Faschingshandlungen im Kreis Heinsberg) eine bemerkenswerte Korrelation zwischen hoher Luftbelastung und Infektionen bzw. Todeszahlen. Bislang werden dafür zwei Theorien debattiert, die beide zutreffen könnten.

So ist bekannt, „dass Viren und Bakterien auf Staubpartikeln oder organischen Teilchen aus dem Meeresdunst reisen. … Ein Wissenschaftlerteam verschiedener italienischer Universitäten will einen Zusammenhang zwischen der Luftverschmutzung durch Feinstaub und der Häufung von Coronavirus-Infektionen gefunden haben, die in der Po-Ebene, besonders in der Lombardei und der Emilia-Romana, am höchsten ist. In ihrer Studie, für die sie die Feinstaub-Messwerte (PM-10) der Überwachungsstationen der Umweltschutzbehörden auswerteten und mit den bestätigten Covid-19-Fällen verglichen, gingen sie ebenfalls davon aus, dass Viren auf Smogpartikeln und inbesondere Feinstaubpartikeln bis zu mehreren Tagen und Wochen in der Luft bleiben und reisen können.“ (Zitat und genauere Informationen auf www.heise.de/tp/features/Feinstaubpartikel-als-Viren-Vehikel-4687454.html) „Ähnliches veröffentlichten Wissenschaftler zuvor bereits im renommierten Fachjournal Nature“, fügt das WDR-Wissenschaftsmagazin Quarks hinzu.

Zudem liegt nahe, dass eine Vorbelastung durch hohe Luftverschmutzung die Anfälligkeit für eine Lungenkrankheit durch Viren erhöht. Das ist bereits länger bekannt: „Besonders konkret wird es bei einer Studie, die vor Jahren zum Virus SARS-CoV durchgeführt wurde, das sich Anfang der 2000er Jahre in Asien verbreitet hat. Im Vergleich zu Regionen mit geringer Luftverschmutzung lag das Sterblichkeitsrisiko in Regionen mit moderater Luftverschmutzung um 86 Prozent höher, bei hoher Luftverschmutzung war das Risiko doppelt so hoch.“ (Quelle wie oben)

Noch ist nichts bewiesen, aber der Verdacht liegt nahe. In einer Zeit, wo selbst corona-kompatible Demonstrationen verboten und die Essensverteilung von Tafeln gestoppt wird, um vermeintlich jedes Restrisiko zu vermeiden, wirft es ein bemerkenswertes Licht auf die zur Zeit an starken Sprüchen nicht verlegennen Politiker*innen, dass sie das Naheliegende nicht tun: Aus Vorsorge den Autoverkehr sofort verbieten und die Kohlekraftwerke abschalten! Und wenn sich dann herausstellt, dass Corona doch nicht durch Feinstaub gefördert wird, dürften 1,35 Mio. Unfalltote plus ungezählte Verletzte pro Jahr weltweit und eine unbekannte Masse an Geschädigten durch Luftverschmutzung, Flächenverbrauch und Rohstoffgewinnung auch allein Grund genug dafür sein.

pm

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