Forschung als Beitrag zur Politischen Kultur Ausgewählte BRD-Wahldaten 2017-2020 und proletarische Wissenschaft

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Politik

Dieser grundlegende Hinweis nicht nur, um – fünfzig Jahre später – wenigstens auf der Ebene einer Einzelheit die Perspektive proletarischer Kultur- und Sozialwissenschaft empirisch zu skizzieren.

Februar 2024.
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Februar 2024. Foto: DIE LINKE (CC-BY 2.0 cropped)

Datum 6. März 2020
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Sondern auch, um die bürgerliche Herrschaft ideologisierende massenhaft verbreitete politologische Wahl- und Wählerideologie zu konterkarieren jenseits ihrer Prozent-auf-und-von-Daten im Rückbezug auf relevante Grundgesamtheiten[1] verschiedener BRD-Wahlen der Jahre 2017 bis 2020. (Und natürlich kann und möge jede und jeder, wer's kann, auf Grundlage der fünf Grundrechenarten im Internet detektivisch nachrechercheren und selbständig nachrechnen.)

Wahlberechtigt waren zur letzten Bundestagswahl am 19. September 2017 (= N) 61.688.485 Menschen. Von diesen gaben 46.515.492 eine (Zweit-) Stimme ab. Schlussendlich gab es 44.189.959 gültige, sich auf diese sieben politische Parteien AfD, CSU, CDU, FDP, GRÜNE, SPD, LINKE/PdL ungleichmässig verteilende (Zweit-) Stimmen. Das entsprach 71.6 Prozent der Wahlberechtigten. Folglich waren 28,4 Prozent der Wahlberechtigten im Deutschen Bundestag nicht vertreten.[2]

Nach demselben Muster auf Grundlage teilweise nur schwer im Netz auffindbarer behördlich-amtlicher Daten berechnet gab es am 27. Oktober 2019 bei der letzten Landtagswahl in Thüringen (= N) etwa 1,73 Millionen Wahlberechtigte und etwa 1,1 Millionen als gültig gewertete Stimmen. Das entsprach einem Anteil von 63,6 Prozent. Oder anders gesehn: 36,4 Prozent der Wahlberechtigten waren in diesem Landesparlament nicht vertreten.[3]

Analog berechnet für die letzte Hamburgische Bürgerschaftswahl am 23. Februar 2020: N=1.316.575 Wahlberechtigte, davon 819.401 gültig Wählende (62,3 und 37,7 Prozent nícht repräsentierte Wahlberechtigte).[4]

Und bei der letztaktuellen Oberbürgermeister(stich)wahl in Leipzig gab es am 1. März bei 419.269 Wahlberechtigten (= N) schlussendlich für den alten und neuen SPD-OB 110.962 Stimmen. Ihn wählten 23,6 Prozent aller wahlberechtigten LeipzigerInnen.[5]

Gäbe es hierzulande so etwas wie eine – auch von mir vor fünzig Jahren angestrebte – proletarische Sozial- und Kulturforschung als Beitrag zur Politischen Kultur, so würde diese sich zuallererst für die im Dunkeln interessieren. Und dabei sowohl nicht Wählende wie ungültig und (an der fünfprozentigen Sperrklausel parlamentarisch scheiternde) falsch Wählende als hier sowohl überrepräsentierte subaltern Gehaltene als auch sinnhaft sozial Handelnde verstehen.[6]

Wie hier beispielhaft veranschaulicht, sind diese Dunkelfelder bei Wahlen in Ganzdeutschland auf Bundesebene mit zuletzt gut 28 Prozent, auf Landesebene mit gut einem Drittel und auf Kommunalebene mit gut drei Viertel aller Wahlberechtigten alles andere als unerheblich.

Richard Albrecht

Fussnoten:

[1] Vgl. weiterführend allgemein Richard Albrecht, Differenzierung - Pluralisierung - Individualisierung. Umbruchsprozesse der bundesrepublikanischen Gesellschaft; in: Gewerkschaftliche Monatshefte, 41 (1990) 8: 503-512; politiksoziologisch ders., Ratlose Riesen: Zum Umbruch der Parteienlandschaft, in: medium 20 (1990) 3: 44-46; ders., Das doppelte demokratische Defizit; in: Recht und Politik, 28 (1992) 1: 13-19; ders. Mehrheit ohne Volk https://www.flickr.com/photos/vipevents/9813236215>