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Wandbild zum Aktionstag in Zureich Chiapas: Angriff auf La Realidad

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Chiapas, Mexico: Ein Angriff auf die, die für die Menschlichkeit und für ein Leben in Würde kämpfen. Am 2. Mai 2014 griff die Paramilitärische Gruppe CIOAC–H das Caracol "La Realidad" an, ein Zapatist wurde erschossen.

Wandbild in der Kernstrasse, Zürich.
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Bild: Wandbild in der Kernstrasse, Zürich. / indymedia (CC BY 3.0)

27. Mai 2014

27. Mai. 2014

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Es handelt sich um einen direkten Angriff seitens der "Schlechten Regierung" auf die autonomen Strukturen der Zapatistas.

Der Zapatistische Aufstand

Die ZapatistInnen sind eine indigene Bauernbewegung in Chiapas,Mexico, die mit dem Aufstand des EZLN (Zapatistische Armee zur Nationalen Befreiung) am 1. Januar 1994 an die Öffentlichkeit getreten ist.

Nach gescheiterten Verhandlungen für eine politischen Lösung des Konfliktes mit der Schlechten Mexikanischen Regierung, bauen die ZapatistInnen ihre Autonomie auf. Ein Gesundheitssystem, das Bildungssystem, Autonome Räte und Regierungen, Frauenrechte, Teilnahme der Frauen in allen Bereichen, Autonomer Handel, Rechtssprechung, Biologische Landwirtschaft. Alle diese Angelegenheiten werden in den 2003 gegründeten „Caracoles“ von den Räten der Guten Regierung verwaltet. Es gibt fünf Caracoles. Sie sind die Hauptorte der autonomen Gebiete.

Die Mexikanische Regierung versucht die Zapatistische Bewegung zu schwächen, indem sie die Indigenen Bevölkerung gezielt spaltet und paramilitärischen Organisationen freie Bahn lässt.

Die jüngsten Ereignisse

Bereits im März 2014 kam es zu massiven Provokationen seitens der Paramilitärs. So beschlagnahmten sie in Amador Hernandez ein Fahrzeug mit Medizin und ein Fahrzeug mit Baumaterial.

Am 2. Mai 2014 war eine Delegation der Anführer der CIOAC-H beim Rat der Guten Regierung in La Realidad um über die Rückgabe der Fahrzeuge zu verhandeln. Das Menschenrechtszentrum Fray Bartolome de las Casas war als Vermittlerin anwesend. Während der Gespräche fand der Angriff statt.

Die Paramilitärs zerstörten die Autonome Klinik, sowie zwei Säle der autonomen Schule und kappten die Wasserversorgung. Die Zapatistas aus La Realidad wehrten sich. Während dieser Auseinandersetzung wurde Jose Luis Solis Lopez („Galeano“), Mitglied des Rates der Guten Regierung, erschossen und 15 weitere Zapatistas zum Teil schwer verletzt.

Am 10. Mai drohte ein Mitglied der Paramilitärs, dass sie das Caracol La Realidad einnehmen werden.

Der Krieg niederer Intesität schlägt um in massive Gewalt

Seit 20 Jahren bauen die ZapatistInnen erfolgreich ihre Autonomen Strukturen auf. Mit ihren Schweigemärschen am 21. Dezember 2012, als zehntausende ZapatistInnen sich in der Öffentlichkeit zeigten und der darauf folgenden „Escuelita Zapatista“ (kleine zapatistische Schule), zu der zwischen August 2013 bis Januar 2014 ca. 4.000 Menschen aus der Welt nach Chiapas reisten, zeigten die ZapatistInnen ihre Stärke.

Nach dem 20-jährigen Jubiläum des Zapatistischen Aufstandes am 1. Januar 2014 ereignete sich am 30. Januar 2014 ein erster schwerer Übergriff auf Gesundheitspersonal. In der Gemeine 10 de Abril riefen die Zapatistas die Ambulanz aus dem Spital in Altamirano, nachdem es Schwerverletzte gab aufgrund einer Auseinandersetzung zwischen Zapatistas und CIOAC-Angehörigen. Der Arzt der mit der Ambulanz kam, sympathisiert mit den Zapatistas. Die CIOAC Leute stoppten den Ambulanzwagen und drohten dem Personal sie im Wagen zu verbrennen. Nachher verprügelten sie den Arzt und eine ihn begleitende Nonne, beschlagnahmten den Ambulanzwagen und schickten das Personal zu Fuss zurück.

In La Realidad zerstörten am 2. Mai 2014 die Mitglieder der CIOAC-H die Autonome Klinik.

Die Zapatistas haben im Gegensatz zur Regierung ein gut funktionierendes, autonomes Gesundheitssystem in den abgelegenen Regionen im Dschungel und im Hochland von Chiapas aufgebaut. Sie verfügen über Gesundheitshäuser in jedem Dorf sowie über autonome Kliniken in grösseren Gemeinden und Spitälern in den Ballungsgebieten. Es wird fortlaufend Gesundheitspersonal ausgebildet, welches dann in den Gesundheitshäusern und in den Kliniken arbeitet. Sie werden in den medizinischen Grundkenntnissen geschult und besuchen laufend Weiterbildungskurse. In den Kliniken gibt es nach Möglichkeit auch einen Arzt.

Die Gesundheitseinrichtungen der Zapatistas stehen allen Menschen offen und werden immer auch von der „nicht“ Zapatistischen Bevölkerung aufgesucht.

Paramilitärs und Zapatista-Gegner haben bis anhin diese Gesundheitseinrichtungen respektiert und auch von ihnen profitiert. Dass nun die Gesundheitseinrichtungen der Zapatistas und ihr Personal angegriffen werden, markiert eine neue Dimension der Gewalt in Chiapas.

Obwohl die „schlechte Regierung“ in den offiziellen Medien (El Universal) beteuert, die zapatistischen Strukturen zu respektieren, sehen wir in den aktuellen Ereignissen einen gezielten Angriff seitens der „schlechten Regierung“ auf die Zapatistas. Die zapatistische Bewegung ist gewachsen und bewies, dass es ihr nach wie vor gelingt die internationale Solidargemeinschaft zu mobilisieren. Zusammen mit anderen sozialen Bewegungen in Mexiko widersetzen sie sich Korruption, Straflosigkeit und Landenteignungen zugunsten multinationaler und neoliberaler Interessen, weshalb sie eine reale Bedrohung für das wirtschaftliche Wachstum darstellen.

Wir denunzieren die Angriffe der Mexikanischen Regierung gegen die autonome Indigene Bevölkerung und die Sozialen Bewegungen und fordern ein Ende der Straflosigkeit sowie die Bestrafung der Mörder von Galeano, Bety, Jyri und allen anderen!

Mehr Infos auf: www.chiapas.ch

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