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Gas wird angepriesen als «Brückenbrennstoff» USA: Auf Fracking-Tour

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Amerika in Not? Fracking ist in den USA - trotz seiner grossen Umweltschäden - vielerorts erlaubt. Annette Kraus berichtet von Eindrücken aus Pennsylvania und New York State.

Hilferuf aus Dimock, Pennsylvania.
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Bild: Hilferuf aus Dimock, Pennsylvania. / Alexandra Magaard (CC BY-SA 2.0 cropped)

24. September 2015

24. Sep. 2015

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Wer in den USA die amerikanische Flagge umgekehrt aufhängt, verunglimpft damit keinesfalls ein nationales Symbol: Die auf dem Kopf stehende Flagge ist der militärische Code für eine drohende Gefahr. So sehen es manche Bewohner des Bundesstaates Pennsylvania. Die negativen Auswirkungen auf die Gesundheit der Menschen trägt eine Nichtregierungsorganisation zusammen, mühsam und nicht mit der allergrössten Unterstützung der Gesundheitsbehörden.

Es sind nicht nur die Menschen und die Umwelt vor Ort, für die das Fracking zum Problem wird. Gas wird angepriesen als "Brückenbrennstoff", da die CO2-Emissionen bei der Verbrennung deutlich niedriger sind als bei Öl oder Kohle. Hochproblematisch allerdings ist, dass das im Prozess der Gewinnung durch Fracking ungewollt und unkontrolliert entweichende Methan ein um ein Vielfaches potenteres Treibhausgas ist als CO2. Die Cornell University in Ithaca, New York hat zu diesem Thema von der Industrie unabhängige Studien erarbeitet, die in ihrer Warnung und Ablehnung von Fracking klarer nicht sein könnten.

Den Öl- und Gasunternehmen wurde das recht sorglose Agieren übrigens erleichtert durch sehr bequeme gesetzliche Vorgaben: Im Gesetz zur Energiepolitik der Regierung George W. Bush von 2005 wurde für das hydraulische Fracturing der amerikanischen Umweltschutzbehörde EPA explizit die Kontrollautorität entzogen. Dieses gesetzliche Schlupfloch wurde vom damaligen Vizepräsidenten Cheney verantwortet und wird daher süffisant "Halliburton Loophole" genannt. Cheney war langjähriger Geschäftsführer von Halliburton, der Firma, die das Fracking erfunden haben soll.

Im Bundestaat New York wurde im Dezember 2014 ein Fracking-Verbot beschlossen. Ein breites Netzwerk aus Politiker/innen, Ärzt/innen, prominenten Wissenschaftler/innen, Vertreter/innen der indianischen Gemeinschaften und anderen Anwohner/innen hat mit intensiver Kampagnenarbeit diese Entscheidung erkämpft.

Der Gouverneur des Bundesstaates hat neben viel Lob auch viel Kritik für diese Entscheidung hinnehmen müssen. Die Hinweise auf die hohen Gesundheitsrisiken waren jedoch zu stark. Der Bundestaat New York bietet zudem die wichtigsten Wasserreservoirs für die Trinkwasserversorgung des Grossraums New York City – neun Millionen Menschen. Umfangreiche wissenschaftliche Untermauerung wurde im Juni 2015 nachgeliefert: Die Umweltbehörde des Bundestaates New York veröffentlichte eine Studie, die sich im Detail mit den Risiken für Gesundheit, Wasser- und Luftverschmutzung, Erdbebengefahr, Strahlung, Lagerung der Frackingrückflüsse, sozioökonomischen Folgen und den Auswirkungen auf die Infrastruktur befasst.

In der Infrastruktur liegt auch gleich der nächste Schauplatz für Auseinandersetzungen: Das in Pennsylvania geförderte Gas muss mit Pipelines transportiert werden, Zwischenlager für das Gas sollen auch in New York errichtet werden. Immer wieder blockieren Anwohner und Umweltschützer derartige Einrichtungen und es kommt zu vorübergehenden Festnahmen, wie zum Beispiel in der vergangenen Woche in Crestwood.

Was sagen die betreffenden Unternehmen? Wir hätten es gern gewusst und sie mit unseren Fragen und Zweifeln konfrontiert. Leider wollte keines der angefragten Unternehmen mit uns sprechen. Es bleiben die Eindrücke zerstörter Landschaften und zersplitterter Gemeinden. Der wichtigste Rat an potentiell betroffene Bürger/innen wurde uns in Albany, New York, gegeben: "Wenn sie bei dir mit dem Fracking anfangen wollen, besorg dir einen Anwalt!"

Annette Kraus
boell.de

Dieser Artikel steht unter einer Creative Commons (CC BY-SA 3.0) Lizenz.

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