UB-LogoOnline MagazinUntergrund-Blättle

Sambia: Hindernislauf statt Sprint | Untergrund-Blättle

3689

politik

ub_article

Politik

„Entwicklungsperspektiven“ in afrikanischen Ländern Sambia: Hindernislauf statt Sprint

Politik

Wir fragen uns häufig, warum „Afrika“ sich nicht „entwickelt“. Warum es keinen dauerhaften Weg aus der Armut zu geben scheint.

Getreidesilos in Mpongwe.
Mehr Artikel
Mehr Artikel
Bild ansehen

Bild: Getreidesilos in Mpongwe. Die Landwirtschaft stellt einen Hauptbeschäftigungszweig in Sambia dar. / Maxdrobot (PD)

27. Oktober 2016

27. 10. 2016

0
0
3 min.
Korrektur
Drucken
Auf diese Fragen gibt es immer wieder die gleichen Antworten: Die Politiker seien zu korrupt, die Schulden würden Afrikas Entwicklung behindern und es gäbe zu wenige Mikrokredite für afrikanische UnternehmerInnen. Aber kaum jemand hört sich die Geschichten von afrikanischen UnternehmerInnen an. Dabei sind es die Akteure, die vor Ort Arbeitsplätze und somit Wohlstand schaffen könnten und die die wirklichen Hindernisse wirtschaftlicher Entwicklung aufzählen können. Ich möchte hier die Unternehmerin Monica Katebe aus Sambia zu Wort kommen lassen. Sie berichtet von den vielfältigen Hindernissen, denen einheimische UnternehmerInnen in vielen Ländern Afrikas gegenüberstehen.

Katebe entschloss sich, eine vielversprechende Karriere aufzugeben und es als Unternehmerin in Sambia zu versuchen. Ihre Ziele waren, ihren Teil zur Entwicklung des Landes beizutragen und – da ist sie ganz ehrlich – dabei auch Geld zu verdienen. Zwar berichtet auch Katebe von vereinzelten Schmiergeldzahlungen für sambische Polizisten. Doch sie betont vor allem andere Probleme. So sei der Marktzugang ein grosses Problem. Supermärkte oder anderen Einzelhändler vertrauen eher ausländischen Marken und bevorzugen diese vor sambischen Produzenten.

Auch der Zugang zu Krediten sei problematisch. Denn sambische Unternehmen, die Kredite zu 30 bis 40% Zinsen aufnehmen müssen, haben keine Chance gegen ausländische Konkurrenten zu bestehen, die einen viel einfacheren Zugang zu Krediten haben (1). Darüber hinaus sagt Katebe, dass es für kleine Unternehmen (und meist sind die einheimischen Unternehmen klein) schwierig ist, Zugang zu Unternehmernetzwerken zu finden. Ebenso fehlt in Ländern wie Sambia eine „kritische Masse von Unternehmen“. Das hat zur Folge, dass die wenigen bestehenden einheimischen Unternehmen von den Konsumenten und häufig auch den Regierungen geringgeschätzt werden.

Zwar schaffte es Katebe, ihre Marke in Sambia zu etablieren und sie endet ihren Vortrag auch sehr optimistisch. Doch ihr Beispiel einer gut ausgebildeten, ehemaligen Unternehmensanwältin, belegt die Herausforderungen, denen viele afrikanische UnternehmerInnen gegenüberstehen. Ihre Hinweise auf:
  • die ausländische Konkurrenz etablierter und somit wettbewerbsfähigerer Unternehmen,
  • die hohen Kreditzinsen,
  • und die starken Wechselkursschwankungen, die die Planung erschweren und an den Finanzen zerren,
sind Belege dafür, dass freie Märkte, freie Wechselkurse und die globale Konkurrenz Entwicklungschancen afrikanischer Unternehmer verbauen. Die von Katebe genannten Hindernisse laufen auch den Grundannahmen der meisten Entwicklungskonzepte zuwieder. Denn sowohl die Konzepte von Weltbank, IWF, als auch der meisten Geber-Nationen beruhen auf der Überzeugung, dass freie Märkte, freie Wechselkurse und die globale Konkurrenz, die Innovationskraft afrikanischer Unternehmen anregen und sie wettbewerbsfähiger machen.

Wie schon in meinem Bericht über die Freihandelsabkommen zwischen der EU und Afrika, wird erneut deutlich, dass ein durch Industriepolitik und die Vergabe von fair verzinsten Krediten steuernder Staat diese Herausforderungen zumindest verringern kann und somit „Entwicklungsperspektiven“ in den afrikanischen Ländern eröffnen würde. Und die sambische Regierung (und auch andere) haben das teilweise schon erkannt und fördern einheimische Unternehmen bspw. indem diese einen besseren Zugang zu den Einzelhändlern erhalten – so berichtet Katebe.

Wenn das Gerede von der Überwindung der Fluchtursachen keine leeren Worte bleiben soll, dann sollten die europäischen Staaten die afrikanischen Länder in diesen Bemühungen unterstützen und afrikanischen Staaten eine zeitweise Abkehr vom freien Weltmarkt und der globalen Konkurrenz ermöglichen (zu den Alternativen siehe hier). Und hier geht es zum TED-Talk.

Nico Beckert
zebralogs.wordpress.com

(1) Und die Situation ist in vielen afrikanischen Ländern ähnlich. Zu betonen ist, dass die „Kreditklemme“ nicht durch Mikrokredite überwunden werden kann. Denn UnternehmerInnen wie Katebe brauchen grössere Summen, um in ihr Unternehmen investieren zu können.

Mehr zum Thema...
Flüchtlinge aus Afrika in einem Boot vor der libyschen Küste.
Freihandelsdogma dominiertFluchtursachen – Für einen Paradigmenwechsel in der Entwicklungspolitik

13.07.2018

- Das „Fluchtursachen überwinden“ ist zu einem Credo der deutschen Politik geworden.

mehr...
Busstation Lagos, Nigeria, Januar 2019.
Deutschland und Europa als fairer Akteure gegenüber AfrikaAfrika endlich ernst nehmen

01.04.2019

- Seit dem sogenannten Flüchtlingssommer von 2015 überbieten sich deutsche Ministerien mit Afrikaplänen.

mehr...
Der für Freihandel einstehende Ökonom Paul Collier (hier links im Bild am WEF in Davos 2012) soll die Deutsche Bundesregierung bei der Ausgestaltung des „Compact with Africa“ beraten.
Alter Wein in neuen SchläuchenFluchtursachen: Deutschlands neue Afrikapolitik

26.01.2017

- Die deutsche Politik hat Afrika neu „entdeckt“.

mehr...
Die negativen Folgen von Agrarinvestitionen für afrikanische Bauern am Beispiel Tansanias

14.07.2015 - Entwicklungshilfe und grosse Investitionen sind Mittel, um den armen Ländern Afrikas in irgeneiner Art und Weise zu helfen. Im südlichen Tansania ...

Entwicklungspolitik auf dem afrikanischen Kontinent

19.01.2018 - In der Sendung geht es um den Fokus der Entwicklungspolitik in Afrika. Hat sich dieser in den vergangenen Jahren verändert? Was braucht der afrikanische ...

Dossier: Digitalisierung
Propaganda
CRS = SS

Aktueller Termin in Düsseldorf

bitter (sweet) home: 1. WRITERS´ROOM

Interner Safer Space für die Autor:innen des WRITERS’ ROOM

Samstag, 17. April 2021 - 10:00

Zakk, Fichtenstraße 40, 40233 Düsseldorf

Event in Madrid

Jornadas en solidaridad con lxs anarquistas presxs el 27F

Samstag, 17. April 2021
- 17:00 -

La Emboscada

Calle Azucenas 67

28039+ Madrid

Mehr auf UB online...

Untergrund-Blättle