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Besorgnis auch in den anderen Nachbarländern Chinas Angst vor Nordkoreas Flüchtlingen

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Ein Zusammenbruch Nordkoreas hätte unweigerlich einen Flüchtlingsstrom zur Folge. Die Nachbarländer machen sich Sorgen.

Grenze zwischen China und Nordkorea, Juli 2011.
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Bild: Grenze zwischen China und Nordkorea, Juli 2011. / Laika ac (CC BY-SA 2.0 cropped)

12. Juni 2017

12. 06. 2017

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Sei es die Ermordung des Staatsoberhauptes Kim Jong Un, eine Eskalation des Konflikts mit den USA, Krieg mit Südkorea, ein Unfall wie die Explosion des Atomreaktors in Tschernobyl oder der Ausbruch des Mount Paektu: eine Krise in Nordkorea hätte für China enorme Folgen.

Warum, das wird nach einem kurzen Blick auf die Karte klar, welche das Online-Magazin «Quartz» veröffentlichte. Die nord-südkoreanische Grenze ist eine der am besten bewachten und verminten Gegenden der Welt und praktisch unpassierbar. Bevorzugter Fluchtweg für 25 Millionen verzweifelte Nordkoreaner wäre die 1'400 Kilometer lange Grenze zu China. Bei einem Kollaps Nordkoreas könnte sich China in einer ähnlichen Situation wiederfinden wie die Türkei in Folge des Krieges in Syrien. Das ist zwar hypothetisch, führt aber schon heute zu politischen Überlegungen in Nordkoreas Nachbarländern.

Besser eine verarmte Nation mit repressivem Regime vor der Türe als einen wahrscheinlichen US-Verbündeten. Das war jahrzehntelang Chinas Devise im Umgang mit dem zunehmend ungeliebten Nachbarn. Inzwischen spielt die nukleare Bedrohung und die Sorge um die innere Stabilität des Pufferstaates die grössere Rolle.

Derzeit übe China gerade genügend Druck aus, um Nordkorea an den Verhandlungstisch zu bringen, urteilt der Asienkorrespondent Steve Mollman in «Quartz». Jede Destabilisierung oder gar ein Regimewechsel würde das Risiko einer Flüchtlingskrise für China erhöhen.

Pufferzone auf koreanischem Boden

Einen Vorgeschmack bekam China, als 2009 über 30‘000 Menschen auf der Flucht vor Konflikten im benachbarten Myanmar in die chinesische Provinz Yunnan strömten, die meisten davon ethnische Chinesen. Die internationale Gemeinschaft äusserte damals verhaltenes Lob für Chinas Vorgehen bei der Versorgung der Geflohenen.

Carla Park Freeman, Leiterin des Instituts für Aussenpolitik an der John Hopkins School of Advanced International Studies in Washington DC, sieht darin ein Modell, wie China mit einem drohenden Exodus Nordkoreas umgehen könnte: Im Fall einer Massenflucht aus Nordkorea würde China sich nicht nur bemühen, seine Grenzen zu sichern, sondern auch versuchen, auf nordkoreanischem Gebiet eine Pufferzone für Flüchtende einzurichten.

«Ich denke, China würde sich vor einem Einmarsch um eine Art Autorisierung der UN bemühen», sagte Freeman der «Quartz», fügte aber hinzu: «in einer Krise würde China sehr sehr schnell handeln, um seine Grenzen zu sichern. Und es würde versuchen, die Nordkoreaner auf der anderen Seite der Grenze festzuhalten und dort mit ihnen fertigzuwerden»

Eine logistische Herausforderung

«Eine Armee zu versorgen, die eine 1‘400 Kilometer lange Grenze blockiert, wäre eine grosse Herausforderung», sagt Bob Collins, ehemaliger Analyst des US-Verteidigungsministeriums, der fast 40 Jahre Erfahrung mit der koreanischen Halbinsel hat. «Ein Einmarsch nach Nordkorea, um dort eine Pufferzone einzurichten, wäre noch schwieriger. Flüchtlinge auf nordkoreanischer Seite zu versorgen wäre der doppelte logistische Aufwand».

Nordkoreanische Flüchtlinge gelten in China als Wirtschaftsflüchtlinge, die nicht unter die Genfer Flüchtlingskonvention fallen. China schiebt viele ungeachtet der Folgen nach Nordkorea zurück, um weitere Zuwanderer zu entmutigen.

Besorgnis auch in den anderen Nachbarländern

Auch andere Nachbarländer sind besorgt. Japan hat bereits Notfallpläne für den Fall einer Massenflucht nach Japan – was immerhin eine Flucht von etwa 500 Kilometern über das Japanische Meer bedeutet. Die kurze Grenze zu Russland, wo bereits viele Nordkoreaner leben, ist nur 17 Kilometer lang und im Fall einer Krise leichter zu sichern.

Red. / Infosperber

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