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Filmrezension Pasolinis tolldreiste Geschichten

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Nur ein Jahr nach seinem umstrittenen und viel diskutierten Decameron brachte Pier Paolo Pasolini seinen zweiten Teil der Trilogie des Lebens in die Kinos.

Der italienische Regisseur Pier Paolo Pasolini am Filmset.
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Bild: Der italienische Regisseur Pier Paolo Pasolini am Filmset. / Tsuru1111 (CC BY-NC-SA 2.0 cropped)

8. Juni 2011

08. 06. 2011

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Der deutsche Titel lässt es zwar nicht vermuten, der Italiener beschäftigt sich diesmal aber mit den Canterbury Tales von Geoffrey Chaucer. Pasolini liess es sich hier nicht nehmen den englischen Schriftsteller selbst zu verkörpern und ganz zu Beginn dürfen wir Klaus Kinski als mittelalterlichen Wrestler erleben. Bei den weiteren Figuren erkennen wir häufig dieselben Laien die auch schon bei "Decameron" mitwirkten. Ihr „Schauspiel“ hat sich im zweiten Teil nicht wirklich verbessert. Ihre stets unpassende und überzogene Mimik sorgte nicht nur einmal für lautes Auflachen bei mir.

Dabei will Pasolini eigentlich genau wie bei seinem Vorgängerwerk eigentlich mit (acht) adaptieren Kurzgeschichten amüsieren, was ihn dieses Mal allerdings nur bedingt gelingt. Der Humor ist mir hier zu trocken und schwerfällige und fade Stücke erschweren es letztendlich ungemein über die ca. 100 Minuten Spielzeit die volle Konzentration zu wahren.

Wo "I racconti di Canterbury" allerdings sogar mehr als "Decameron" gefällt sind einige wirklich gelungene Einstellungen und das bizarre Ende, wo Pasolini die Hölle nach seinen eigenen Vorstellungen porträtiert und dabei kein Blatt vor dem Mund nimmt wenn es um harsche Kritik am Klerus geht, ein Phänomen das sich übrigens durch beide Spielfilme wie ein roter Faden zieht.

Die Ausstattung dieses neuen Release ist übrigens dieselbe wie schon beim ersten Teil. Lediglich zwei Trailer zur restlichen Trilogie finden auf der Scheibe ihren Platz und auch hier fehlt leider wieder die Möglichkeit irgendwelche Untertitel einzublenden. Mich persönlich störte dies zwar diesmal weniger, schliesslich sprechen die Engländer kein unverständliches Neapolitanisch, aber den einen oder anderen Puristen wird dieses Manko sicherlich bitter aufstossen.

Wer bereits Decameron nicht mochte, der wird hier wohl vor Langeweile sterben. Wer groteskes Kino mit viel Volksmusik (wieder war Ennio Morricone dafür verantwortlich) interessant findet sollte einen Blick riskieren. Übrigens sei auch hier wiederum auf den Vorwurf von sinnloser Pornographie und der deutschen Vermarktung hingewiesen: Pasolini bietet weit mehr als böse Zungen und die Szeneausschnitte auf der Hüllenrückseite glauben machen wollen. Zweifler in dieser Hinsicht sollten sich also lieber auch hier selbst ein Bild machen.

Lorenz Mutschlechner
film-rezensionen.de

Pasolinis tolldreiste Geschichten

Italien, Frankreich 1972 - 110 min.

Regie: Pier Paolo Pasolini
Drehbuch: Geoffrey Chaucer, Pier Paolo Pasolini
Darsteller: Hugh Griffith, Laura Betti, Ninetto Davoli
Produktion: Alberto Grimaldi
Musik: Ennio Morricone
Kamera: Tonino Delli Colli
Schnitt: Nino Baragli

Dieser Artikel steht unter einer Creative Commons (CC BY-NC-SA 3.0) Lizenz.

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