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Decameron: Rezension zum Film von Pier Paolo Pasolini | Untergrund-Blättle

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Rezension zum Film von Pier Paolo Pasolini Decameron

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Mit Decameron startete Pier Paolo Pasolini Anfang der Siebziger seine Trilogie des Lebens. Wie der Titel bereits verrät, bedient sich Pasolini hier frei am gleichnamigen (Haupt)werk des florentinischen Schriftstellers und Dichters Giovanni Boccaccio.

Der italienische Filmregisseur Pier Paolo Pasolini.
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Bild: Der italienische Filmregisseur Pier Paolo Pasolini. / Fodaro Moving Images (CC BY-SA 4.0 cropped)

15. August 2011

15. 08. 2011

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4 min.
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Er liefert in den etwas mehr als 100 Minuten Spielzeit keinen Spielfilm im klassischen Sinne, sondern einen Episodenfilm der neun Kurzgeschichten von Boccaccios Il Decamerone nachstellt.

Genauso wie die Vorlage inszeniert auch Pasolini mit viel Witz und Scharfsinn die verschiedenen Stände der Gesellschaft des 14. Jahrhunderts. Da gibt es zum Beispiel den naiven Andreuccio (Ninetto Davoli) der aus Perugia nach Neapel reist um dort Pferde zu kaufen, von den gerissenen Bewohner der Südstadt aber hinterlistig und wortwörtlich bis aufs letzte Hemd ausgeraubt wird. Eine Episode die, so traurig es klingen mag, nach wie vor ihre Aktualität bezüglich des italienischen Nord-Süd-Diskurs wahrt und dabei herrlich die Mentalitäten, die wohl unterschiedlicher nicht sein könnten, in Szene setzt.

In den weiteren Episoden erleben wir unter anderem Masetto (Vincenzo Amato), einem jungen Mann der sich getarnt als Taubstummer in ein Nonnenkloster einschleicht weil er von einem Arbeitskollegen erfährt, dass die Klosterfrauen keineswegs so fromm und „jungfräulich“ leben wie man es meinen möchte oder die Hausfrau Peronella (Angela Luce), die ihren unterbelichteten Gatten quasi vor dessen Augen mit einem jüngeren Mann betrügt. Pasolini selbst tritt übrigens in der Rolle des Künstlers Giotto vor die Kamera.

Interessanterweise musste sich Pasolini noch mehr als Boccaccio den Vorwurf der Pornographie erwehren. Letzterer wurde zunächst nämlich hauptsächlich wegen der Darstellung des Klerus von der Kirche geächtet. Wie die Vorlage vereint fast jede Szene im Film ein gewisses Mass an Erotik wobei der italienische Regisseur hier nichts versteckt und so wohl nur noch mehr für Kontroversen sorgte. Man würde ihm aber mehr als Unrecht tun, würde man den Streifen als billigen Softporno abwerten, schliesslich ist dies nur eine Facette des täglichen Lebens der dargestellten Figuren und oftmals der humorvollste Teil der satirisch erzählten Geschichten.

Die deutsche Vermarktung schlägt leider genau in diese Kerbe. Die Aufmachung der Verpackung, nackter Frauenkörper auf der Front- und ausschliesslich Szenebilder der Sexszenen auf der Rückseite des Covers und der Zusatztitel Erotische Episoden aus dem Mittelalter vermitteln dem Interessieren ein äusserst verzerrtes Bild des eigentlichen Inhalts. Laut Hülle handelt es sich hier übrigens um das Genre „Erotik/Episodenfilm“…

Ansonsten gefällt die Coverart eigentlich sehr gut, vor allem da die weiteren Titel der bereits genannten Trilogie des Lebens (ein Review der weiteren Teile folgt noch) optisch zusammenpassen. Die Extras sind mit nur zwei Trailern sehr mager ausgefallen, doch ärgerlicher ist die Tatsache, dass es keine Untertitel gibt. Obwohl ich der italienischen Sprache mächtig bin, sah ich mich gezwungen aufgrund des nur schwer verständlichen neapolitanischen Dialekts die grauenhafte deutsche Synchronisation zu ertragen. Man bedenke, dass selbst im Original das Ganze sehr aufgesetzt klingt, da ausschliesslich Laien vor der Kamera standen die anschliessend im Studio nachsynchronisiert wurden.

Bis auf diese wirklich unverständliche Tatsache aber ein durchaus sehenswertes Release das ein sehr interessantes und auch gewagtes Werk im neuen Gewandt präsentiert. Erwähnt sei übrigens auch noch, dass Ennio Morricone für die Musik verantwortlich war, die hier allerdings keine wirklichen Akzente setzt, was daran geschuldet ist, dass sie nur in Form von gesungenen, neapolitanischen Volksliedern vorkommt.

Lorenz Mutschlechner
film-rezensionen.de

Decameron

Italien

1970

-

112 min.



Regie: Pier Paolo Pasolini

Drehbuch: Pier Paolo Pasolini

Darsteller: Franco Citti, Ninetto Davoli, Jovan Jovanovic

Produktion: Alberto Grimaldi

Musik: Ennio Morricone, Pier Paolo Pasolini

Kamera: Tonino Delli Colli

Schnitt: Nino Baragli, Tatiana Casini Morigi

Dieser Artikel steht unter einer Creative Commons (CC BY-NC-SA 3.0) Lizenz.

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