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Widerstandskultur Musik im Alltag - Musik im Widerstand

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Musik ist Alltag. Kaum etwas begleitet den Alltag eines jeden Menschen so sehr wie Musik. Ob Zuhause, im Kaufhaus, auf der Strasse, im Auto oder im Club - Musik ist dabei.

Leonard Cohen in TrouvillesurMer, Januar 1988.
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Bild: Leonard Cohen in Trouville-sur-Mer, Januar 1988. / Roland Godefroy (CC BY 3.0 unported)

19. März 2007

19. Mär. 2007

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Und Musik zum Abschalten gibt es genug, nur abgeschaltet wird selten. Oft kann man dem Musikbrei kaum entrinnen: der dröhnende iPod, das einlullende Kaufhausgedudel wird zur Qual. Anders bei Demonstrationen. Wenn keine Musik und keine "Action" dabei ist, wenn nur in Häuserschluchten und Tunnels gelegentlich eine Parole rüberkommt, ist es das Gelatsche, das zur Qual wird.

Manchmal jedoch werden Anklänge an eine vielfältige widerborstige Widerstandskultur laut, eine Kultur von unten, eine, die der herrschenden Vernichtungs"kultur" Leben und Kreativität entgegenzusetzen weiss - in den Strassen, auf den Bühnen und vor Stacheldraht.

Musik ist Konsum, Markt, Kommerz. Die herrschende Musikindustrie beutet die "Ware" MusikerInnen aus und versucht, Ohren und Sinne zu betäuben.

Musik ist Politik. Die Musik von Heino hat ebenso politische Funktionen wie die von Hanns Eisler - bewusst und gezielt wird manches gesagt, bleibt vieles im Verborgenen.

Einerseits kann Musik dadurch eine politische Bedeutung bekommen, dass sie in einen unmissverständlichen politischen Zusammenhang eingebunden wird, wenn sie zum Beispiel vor den Toren eines Pershing-Depots erklingt. Andererseits können die politischen images aber auch musikalisch vermittelt werden.

Musik ist Herrschaft. Dies zeigt sich mit Einschränkungen auch im Verhältnis von DirigentIn und Orchesterapparat, diesem Dienstleistungsbetrieb, der wiederum eine Art Abbild von der Hierarchie der Gesellschaft ist: SolistInnen, Konzertmeister, Erste, Zweite und Dritte Violine. Und auch patriarchale Herrschaft: Frauen haben in den "grossen" Orchestern ebensowenig Platz wie in der traditionellen "grossen" Bonner Politik. Und wollen sie trotz alledem einen Stuhl erobern, so müssen sie "natürlich" ungleich besser sein als ihre männlichen Kollegen.

Andere patriarchale Strukturen zeigen sich unter anderem bei Pop- und Folkgruppen, wo Frauen aus Kommerzgründen oft zum Frontgirl oder zum netten weiblichen Farbtupfer degradiert werden. Die radikale Konsequenz heisst Rückzug in in "Frauenland", in "reichlich weibliche" Gruppen und die Besinnung auf matriarchale Kulturformen, Spiritualität, Körperlichkeit und Ganzheit auch in der Musik.

Tom Morello am Big Day Out 2008.

Bild: Tom Morello am Big Day Out 2008. / deepschismic (CC BY 2.0)

Dies kann Kraft geben im Kampf gegen Patriarchat und Militarismus, kann vermittelt werden durch Frauenwiderstandscamps.

Musik ist Geschichte. Jede Epoche hat ihre besonderen Ausdrucksformen, in denen sich der Mensch unter den jeweiligen gesellschaftlichen Bedingungen widerspiegelt. So liegen beispielsweise die Ursprünge der politisch engagierten Strassenmusikbewegung am Anfang der siebziger Jahre, in einer Zeit in der kollektive Lebensformen zunehmend an Bedeutung gewannen, in der die Bürgerinitiativbewegung entstand, als im Kampf gegen das Atomkraftwerk Wyhl neue Aktionsformen und eine enorme Kreativität entwickelt wurde.

Heute im Trend ist der iPod, ein Symbol für die Sprachlosigkeit und den Verlust fast jeglicher Kollektivität empfinden.

Eben jene Vereinzelung, das "Jeder gegen Jeden" fügt sich bestens in die Strategien der Herrschenden, die genau wissen, dass sich Widerstand und eine soziale Gegenmacht nur gemeinschaftlich aus einem Kollektiv entwickeln kann.

Doch seit Jahrhunderten stossen diese herrschenden Strukturen auf Widerstand, der unter anderem in verächtlichen Liedern gegen Klerus und Adel seinen Ausdruck fand.

Heute kommt dies zum Ausdruck in einer Kultur des Zusammenlebens und -arbeitens, machmal auf der Bühne, in rotzfrecher Asphaltkultur, in der Aneignung öffentlicher Räume, wo der herrschenden Kultur die eigene entgegengesetzt wird.

Eine musikalische Widerstandskultur darf sich nicht damit begnügen, Nischen auszufüllen. Vielmehr müssen Widersprüche sichtbar gemacht, Freiräume erobert, Risse verbreitert und der einlullende musikalische Alltagsnebel vertrieben werden.

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