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Gerd Arntz & Otto Neurath: Sozialistische Aufklärungsarbeit in der Zwischenkriegsperiode | Untergrund-Blättle

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Gerd Arntz & Otto Neurath Sozialistische Aufklärungsarbeit in der Zwischenkriegsperiode

Kultur

Der Autor beschäftigte sich in den 1980er und 1990er Jahren theoretisch und praktisch mit Visualisierungsformen: die Leitstudie zum „Abwehrkampf“ gegen den zur Macht drängenden Nationalsozialismus[1] als faschistische Massenbewegung im Zeichen des Symbolkampfs der „Drei Pfeile“[2] wird immer noch anerkannt[3].

Museum Marienthal in der ehemaligen Consum-Filiale.
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Bild: Museum Marienthal in der ehemaligen Consum-Filiale. Gerd Arntz (Remscheid 1900-Den Haag 1988): Piktogramm für "Arbeitslose". Entwurf aus dem Jahre 1931 für das "Gesellschafts- und Wirtschaftsmuseum in Wien" des Philosophen, Ökonomen und Soziologen Otto Neurath. / Herzi Pinki (CC BY-SA 4.0 cropped)

19. September 2019
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Die umfangreiche, zehn Jahre nach Ersterscheinen verfilmte Biographie eines militanten Sozialdemokraten „Weimarer“ Prägung[4] war (als Band 124) das erste Buch in der Reihe „Internationale Bibliothek“ des Berlin-Bonner Dietz Verlags, in dem Dokumente als Faksimilédrucke publiziert wurden (in der Deutschen Nationalbibliothek vermerkt als „Ill., graph. Darst.“). Und das dokumentarische Essay[5] über einen der beiden Begründer der „Bildstatistik“ war das ausgreifendes Porträt von Gerd Arntz als eines linkspolitisch engagierten, mit avantgardistischen Methoden arbeitenden Künstlers, der die progressive Nebenlinie in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen verkörperte und dessen richtungsweisende Vorarbeiten aller modernen Orientierungsgraphik, Symbol- und Drucktypographie formästhetisch gewürdigt wurden.

Dort anschliessend und weitere nicht publizierte Texte und Dokumente sowie Archivalien austrischer Provenience einbeziehend, interessiert der mit Namen und Tätigkeit(en) von Gerd Arntz (1900-1998) und Otto Neurath[6] (1882-1945) verbundene gesellschaftlichkritische und politisch- ästhetische Zusammenhang.

Im Text-Bild-Beitrag geht es um diesen Doppelaspekt: um 1) die historisch besondere, von der österreichischen Tradition des „Austromarxismus“ beeinflusste, in den 1920er Jahren voll entwickelte und in Wien besonders ausgeprägte Arbeiter- und Volksbildung; 2) das auch diesen Ansätzen unterliegende Aufklärungspotenzial mit seinem sozial-wissenschaftlichen Anliegen, über Anschauung und Veranschaulichung gesellschaftliche Verhältnisse mittels historisch als Bildstatistik bezeichneter, heute Visualisierung genannter Formen und Methoden durchschaubar, transparent, verständlich und veränderbar zu machen. Dies galt historisch in der Sozialistischen Partei Österreichs (SPÖ) als Voraussetzung politischer Veränderungen und war sozialpsychologisch ein von Marie Jahoda auch als Grundproblem jeder Sozialwissenschaft formuliertes Anliegen: to make invisible things visible: Unsichtbares sichtbar machen[7] – ein Anspruch, den auch das seit 2008 in Linz zweimatlich erscheinde Fachmagazin soziologie heute einzulösen versucht.

Was sozialwissenschaftlich seit Mitte der 1980er Jahre als visuelle Kultur, visual culture, cultura visual, culture visuelle von theoretischem und empirischem Interesse ist, ist mehr als nur eine der zahlreichen (post) modernischen Wendungen und turns. Insofern geht es um produktive Rezeption wesentlicher Aspekte jeder Soziologie der Sichtbarkeit.

Richard Albrecht

Fussnoten:

[1] Richard Albrecht, Symbolkampf in Deutschland 1932; Internationale wissenschaftliche Korrespondenz zur Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung, 22 (1986) 4: 498-533

[2] Richard Albrecht, Die Symbolwelt der Drei Pfeile; Émile, 1 (1988) 3: 148-179

[3] Gerhard Paul, Von der Historischen Bildkunde zur Visual History; Hg., Visual History. Göttingen 2006: 7-37; Detlef Hoffmann, Die Kunst als Instrument gesellschaftlicher Homogenisierungsbestrebungen im Dritten Reich; Wissenschaft im Einsatz. Hg. Käte Meyer-Drawe; Kristin Platt. München 2007: 184-204; 202f.

[4] Richard Albrecht, Der militante Sozialdmokrat. Carlo Mierendorff 1897 bis 1943, Dietz, Berlin 1987; 1997 als Deckname Dr. Friedrich: Carlo Mierendorff – ein Leben auf Zeit von Alfred Jungraithmayr verfilmt

[5] Richard Albrecht, Schwarz-Weiss & Gegen den Strom: Gerd Arntz (1900-1988); liberal, 38 (1996) 4: 75-86; aktualisierte Netzfassung https://filmundbuch.wordpress.com/2013/02/01/schwarz-weis-gegen-den-strom-gerd-arntz-1900-1988-ein-portrat-von-richard-albrecht/

[6] Otto Neurath et.al., Wissenschaftliche Weltauffassung - der Wiener Kreis. Wien 1929; ders., Gesellschaft und Wirtschaft. 100 Bildtafeln. Leipzig 1931; ders., Empirische Soziologie. Der wissenschaftliche Gehalt der Geschichte und Nationalökonomie. Wien 1931; ders., Bildstatistik nach Wiener Methode in der Schule. Wien; Leipzig 1933; ders., International Picture Language. London 1936; ders., Basic by Isotype. London 1937; ders., Modern Man in the Making, New York 1939; s. Arbeiterbildung in der Zwischenkriegszeit: Otto Neurath – Gerd Arntz. Hg. Friedrich Stadler. Wien 1982

[7] Marie Jahoda, The Social Psychology of the Invisible; New Ideas in Psychology, 4 (1986) 1: 107-118; der Aufklärungsaspekt war auch erkenntnisleitend für die empirische Studie ders. et.al., Die Arbeitslosen von Mariental. Ein soziographischer Versuch über die Wirkungen langdauernder Arbeitslosigkeit [1933]. Frankfurt/M. 41982; s. später Hans Zeisel, Say It With Figures [1947]; dt. Die Sprache der Zahlen; Vorwort Paul F. Lazarsfeld. Köln 1970; Paul F. Lazarsfeld, Eine Episode in der Geschichte der empirischen Sozialforschung: Erinnerungen; ders. et.al., Soziologie – autobiographisch. Drei kritische Berichte zur Entwicklung einer Wissenschaft. Stuttgart 1975: 147-225; 217f.

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