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Winterdieb | Untergrund-Blättle

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Winterdieb Sozialdrama aus dem Wallis

Kultur

Mit Winterdieb ist der Schweizer Regisseurin Ursula Meier ein sehr gutes Zweitlingswerk geglückt. Das leise Drama um einen stehlenden Jungen ist einfühlsam, authentisch und überzeugt durch seine zwei talentierten Hauptdarsteller.

Die beiden Schauspieler Kacey Mottet Klein und Léa Seydoux während der Premiere des Films «Winterdieb».
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Die beiden Schauspieler Kacey Mottet Klein und Léa Seydoux während der Premiere des Films «Winterdieb». Foto: Georges Biard (CC BY-SA 3.0 unported - cropped)

19. Februar 2021
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3 min.
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Ein kleiner Junge, der stehlen muss, um zu überleben – da liegt ein Angriff auf die Tränendrüse nahe. Umso erstaunlicher, dass der Film völlig ohne Kitsch oder Sentimentalität auskommt. Traurig? Ja, das ist er. Aber Winterdieb verströmt eine andere Form von Traurigkeit. Nicht die, die uns im Kino schluchzend zum Taschentuch greifen lässt. Eher die, die uns befällt, wenn wir an Obdachlosen vorbeilaufen, an Krüppeln, Totkranken, und lieber schnell in eine andere Richtung schauen. Dabei ist es gar nicht mal die drohende Armut, die zu Herzen geht, denn dafür geht es Simon und Louise – noch – zu gut.

Erschreckender ist vielmehr die Beziehung zwischen den beiden. Der Junge sehnt sich nach nichts mehr als der Zuneigung seiner grossen Schwester. Nach Anerkennung. Doch Louise bleibt meist reserviert, will oder kann keine Gefühle für ihn zeigen – so wie sie auch sonst recht wenig in ihrem Leben auf die Reihe bekommt.

Diese Geschichte um emotionale Kälte und Armut inmitten der glitzernden und oberflächlichen Skiwelt der High Society spielen zu lassen, verstärkt die Wirkung noch weiter. Ein bleischweres Drama wie etwa Gnade kürzlich ist der Schweizer Film trotz der eisigen Umgebung aber nicht geworden. Oft genug scheint auch Humor durch, der jedoch ebenso leise ausfällt wie die traurigen Szenen. Alltagsmomente, gerade zwischen den einzelnen Protagonisten, unspektakulär aber eben witzig. Und authentisch. Das ist natürlich vor allem ein Verdienst der Schauspieler, die den an und für sich banalen Szenen sehr viel Leben und Persönlichkeit einhauchen.

Léa Seydoux, die schon in einigen grossen Hollywoodfilmen zu sehen war (u.a. Inglourious Basterds und Mission: Impossible – Phantom Protokoll) überzeugt als depressiv veranlagte Louise. Glanzpunkt von Winterdieb ist aber Newcomer Kacey Mottet Klein als schlitzohriger und doch sympathischer Simon, der die Rolle des Erwachsenen übernehmen muss, weil es sonst niemand tut.

Aber auch Ursula Meier konnte hier beweisen, dass ihr viel gelobter Debütfilm Home kein einmaliger Treffer war. Ein Massenpublikum wird die Schweizer Regisseurin mit Winterdieb zwar eher nicht erreichen, dafür ist der Film letztendlich zu unspektakulär, weshalb er letztes Jahr auch grösstenteils ignoriert wurde, als er in die Kinos kam. Wer aber leise Alltagsgeschichten zu schätzen weiss, sollte sich davon nicht abhalten lassen, denn er würde einen wirklich gut gemachten Vertreter verpassen. Und einen, der jetzt schon neugierig macht, was Meier in Zukunft sonst noch so auf die Leinwand bringt.

Oliver Armknecht
film-rezensionen.de

Winterdieb

Schweiz

2012

-

97 min.

Regie: Ursula Meier

Drehbuch: Antoine Jaccoud, Ursula Meier, Gilles Taurand

Darsteller: Kacey Mottet Klein, Léa Seydoux, Martin Compston

Produktion: Ruth Waldburger, Denis Freyd

Musik: John Parish

Kamera: Agnès Godard

Schnitt: Nelly Quettier

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