UB-Logo Online MagazinUntergrund-Blättle

Woyzeck | Untergrund-Blättle

3656

Kultur

Rezension zum Film von Werner Herzog Woyzeck

Kultur

Der Streifen von Werner Herzog ist eine Verfilmung des gleichnamigen Dramas von Georg Büchner.

Klaus Kinski spielt in der Romanadaption von Werner Herzog den Soldaten Woyzeck.
Mehr Artikel
Mehr Artikel
Bild ansehen

Bild: Klaus Kinski spielt in der Romanadaption von Werner Herzog den Soldaten Woyzeck. / LDME15 (CC BY-SA 4.0 cropped)

17. Oktober 2010
3
0
2 min.
Korrektur
Drucken
Die Geschichte handelt im 18. Jahrhundert, von einem Mann namens Franz Woyzeck (Klaus Kinski) und dessen Versuch für seine Frau, Marie (Eva Mattes) und sein uneheliches Kind zu sorgen.

Woyzeck ist ein einfacher Soldat und wird von seinem Vorgesetzten den namenlosen Hauptmann (Wolfgang Reichmann) und den ebenso namenlose Doktor (Willy Semmelrogge) schamlos und auf perverse Weise ausgenutzt. Der Doktor macht mit ihm Experimente und für den Hauptmann ist er ein praktisches „Mädchen für alles“.

Woyzeck scheint jedoch ohne jegliche Bedenken alles auszuführen was man ihm befiehlt. Nach getaner Arbeit bringt er das verdiente Geld zu seiner Frau. Hinter seinen Rücken beginnt jedoch Marie eine Affäre mit dem Tambourmajor (Josef Bierbichler). Franz kommt dahinter und beeinflusst von Stimmen die nur er hört, beschliesst er Marie zu töten. Da das Geld nicht mal für eine Pistole reicht, besorgt er sich ein Messer und sticht seine Frau brutal tot.

Der Film dauert lediglich 80 Minuten, doch Werner Herzog schafft es auf eindrucksvolle Weise einen tiefgehenden Film zu schaffen. Klaus Kinski scheint für diese Rolle geboren zu sein und beweist einmal mehr sein grandioses Talent (vor allem seine Mimik ist wunderbar). Die Geschichte Woyzeck’s bietet eine breite Fläche an Interpretationsmöglichkeiten und der Zuschauer wird automatisch zum Nachdenken angeregt. Auf den ersten Blick erscheint die Eifersucht das Hauptmotiv des Mordes, doch spielen meiner Meinung nach noch viele andere Faktoren eine Rolle, warum Franz Woyzeck schlussendlich „explodiert“.

Er bricht aus den vorgegebenen Gesellschaftsstrukturen aus und befreit sich auf eine gewisse Art und Weise von all dem mit den Mord an seiner Frau. Anzumerken ist noch die extrem kurze Drehzeit von 17 Tagen und eine Schnittzeit von lediglich 5 Tagen. Nicht einmal einen Monat brauchte Werner Herzog um diese, im Grunde doch sehr komplexe Geschichte, auf die Leinwand zu zaubern.

Lorenz Mutschlechner
film-rezensionen.de

Woyzeck

Deutschland

1979

-

77 min.

Regie: Werner Herzog

Drehbuch: Werner Herzog

Darsteller: Klaus Kinski, Eva Mattes, Wolfgang Reichmann

Produktion: Werner Herzog

Musik: Fiedelquartett Telč, Antonio Vivaldi, Alessandro Marcello

Kamera: Jörg Schmidt-Reitwein

Schnitt: Beate Mainka-Jellinghaus

Dieser Artikel steht unter einer Creative Commons (CC BY-NC-SA 3.0) Lizenz.

Mehr zum Thema...
Klaus Kinski am Film Festival von Cannes.
Dokumentation über Klaus KinskiKlaus Kinski - Mein liebster Feind

25.07.2010

- Den Titel hätte Werner Herzog wohl kaum besser wählen können und auch das Cover der DVD spricht Bände. Übrigens handelt es sich hier um eines von Herzogs Lieblingsbildern.

mehr...
Der Flussdampfer aus dem WernerHerzogFilm «Fitzcarraldo» mit Klaus Kinski führt heute ein Schattendasein im Dschungel in der Region Madre de Dios.
Die Dokumentation «Burden of Dreams»Fitzcarraldo: Die Last der Träume

08.07.2011

- Angeblich soll es Personen geben, die behaupten, die Dokumentation zu Fitzcarraldo sei interessanter als der Film, über den sie gedreht wurde.

mehr...
Werner Herzog am Filmfestival von Venedig, September 1991.
WoyzeckDer Wahnsinn in der Normalität

27.06.2019

- Georg Büchners fragmentarisch gebliebener „Woyzeck” gehört wohl zu den auf Theaterbühnen meist gespielten Stücken.

mehr...
Christopher Lee singen hören

23.08.2013 - Das Festival del Film Locarno ist nicht nur dazu da, um am See rumzuhängen, in der umfunktionierten Sporthalle viereckige Augen zu bekommen und sich im ...

Dossier: Bitcoin
Dossier: Bitcoin
Propaganda
Wohlstand macht einsam

Aktueller Termin in Frankfurt am Main

Ausstellungen im Hochbunker geöffnet

Diesen Winter öffnen wir erstmals einmal im Monat den unbeheizten Bunker, jeweils von 11:00 – 14:00 Uhr

Sonntag, 23. Januar 2022 - 11:00

Hochbunker, Friedberger Anlage 5-6, 60314 Frankfurt am Main

Mehr auf UB online...

Untergrund-Blättle