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Werner Herzog: Stroszek | Untergrund-Blättle

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Rezension zum Film von Werner Herzog Stroszek

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Bestimmt nicht mein Lieblingsfilm von Werner Herzog, aber durchaus ein Streifen den man zumindest einmal gesehen haben sollte. Die durchgehend depressive Stimmung passte zwar überhaupt nicht zu diesem wunderbaren Herbstwetter, aber die Jahreszeit war wenigstens die richtige für diesen doch sehr anstrengenden 115 Minuten-Brocken.

Der Filmregisseur Werner Herzog in Venedig 1991.
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Bild: Der Filmregisseur Werner Herzog in Venedig 1991. / Gorup de Besanez (CC BY-SA 4.0 cropped)

17. Oktober 2009

17. 10. 2009

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4 min.
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Die Geschichte erzählt von Bruno Stroszek (Bruno S.), einem alkoholisierten Kleinkünstler, der wegen kleineren Gaunereien im Berliner Gefängnis sitzt. Der Zuschauer beginnt allerdings damit, wie Bruno kurz vor seiner Entlassung, dem Gefängnisdirektor (Alfred Edel) schwören muss, dass er nie wieder Alkohol zu sich nehmen oder gar nur ein Wirtshaus betreten wird. Bruno verlässt also die Anstalt und kehrt auf den Weg nach Hause erstmals bei der Bar „Bier-Himmel“ zu, wo er, nachdem er sich natürlich ein kühles Bier bestellt hat, auf seine ehemalige Freundin und Prostituierte Eva (Eva Mattes) trifft. Die Frau wird gerade von ihren Zuhältern (Wilhelm von Homburg und Burkhard Driest) beschimpft und bedroht. Bruno bietet ihr deshalb kurzerhand an bei ihm zu übernachten. Seine alte Wohnung hat nämlich der Vermieter und etwas betagte Freund Herr Scheitz (Clemens Scheitz) nur seinetwegen freigehalten.

Von Sicherheit kann dort allerdings nicht die Rede sein, denn die Zuhälter brechen einfach in Brunos Heim ein und verwüsten es, Eva wird dabei natürlich nicht verschont. Um endlich diesen Horror zu entkommen, beschliesst das Paar nach Amerika zu flüchten. Dort soll alles besser, grösser und vor allem einfacher sein. Sie lauschen neugierig den Geschichten von Scheitz, der Bekannte in den USA hat und selbst über den Atlantik flüchten möchte. Eva schwärmt davon wie es leicht sein soll in Amerika reich zu werden und nachdem das Geld für die Überfahrt beisammen ist, macht sich das Trio also auf nach Wisconsin, wo sie bereits ein schäbiger Mann namens Clayton (Clayton Szalpinski) mit einem „Wilcomen“-Schild erwartet. Bei ihm soll übrigens Stroszek Arbeit als Kfz-Mechaniker finden, Eva hingegen soll als Bedienung in einem Restaurant arbeiten.

Das neue Land entpuppt sich allerdings recht schnell als totale Einöde. Der Ort wirkt dreckig, kalt und ohne Leben. Man begegnet entweder fetten Truckern oder Jägern, die ihre soeben erlegte Beute auf ihrem Privatauto weg transportieren. Nachdem Bruno und Eva erstmal ein Fertig-Haus und ein Fernsehgerät gekauft haben und sich häuslich eingerichtet haben, merken die beiden bald, dass etwas ganz, ganz schief läuft. Der erhoffte, schnelle Reichtum bleibt aus, Bruno scheint einfach nicht die Sprache zu verstehen und Eva will anscheinend nichts mehr von ihm wissen. Dafür schaut nun der schleimige, junge Mann von der Bank immer häufiger vorbei, um sich zu versichern, dass auch brav die Raten bezahlt werden.

Als sich schliesslich Eva mit einem LKW-Fahrer aus dem Staub macht und das Geld nicht mehr reicht um die Schulden zurückzubezahlen, schnappen sich Bruno und Scheiz ein Gewehr und machen sich auf zur Bank, die ihr Haus versteigert hat…

Eigentlich gibt es keinen wirklichen erfreulichen Moment im Film. Ganz im Gegenteil: es herrscht totale Depression und Hoffnungslosigkeit, die mit einem unausweichlichen Schluss, Brunos Selbstmord, endet. Der Tapetenwechsel von Berlin zu Wisconsin ist zwar sichtbar, aber eigentlich wird alles nur viel dreckiger, schlammiger und grauer. Nie während des gesamten Streifens hatte ich das Gefühl von Hoffnung, ständig überkam mich Unbehagen. Ähnlich wie Stroszek sah ich keinen Ausweg aus der misslichen Lage.

Herzog schwärmte über Bruno’s Performance, doch weiss ich nicht so Recht was ich davon halten soll, da es mir oft so vorkam als spiele er nicht den „Deppen“ sondern, dass er tatsächlich einer ist. Vielleicht ist genau das der Knackpunkt, schliesslich enthält der Film ja gewisse Elemente aus Bruno S. echten Leben. Der Film wurde nämlich ganz speziell auf ihn zugeschnitten, sozusagen als Entschädigung weil Werner Herzog ihm nicht wie versprochen die Hauptrolle in Woyzeck gab. Die minimalistische, musikalische Untermalung fand ich übrigens wie in anderen Herzog-Filmen sehr gelungen und äusserst passend zu der Atmosphäre in der jeweiligen Szene.

Sollte dies für jemanden der erste Herzog-Film sein, so würde ich diesem sofort abraten ausgerechnet „Strozszek“ als Startpunkt zu wählen, da man meines Erachtens dadurch eher abgeneigt als angetan sein könnte weitere Werke dieses Ausnahmeregisseurs zu betrachten und dies wäre wahrlich ein grosser Fehler.

Lorenz Mutschlechner
film-rezensionen.de

Stroszek

Deutschland

1977

-

108 min.



Regie: Werner Herzog

Drehbuch: Werner Herzog

Darsteller: Bruno S., Eva Mattes, Clemens Scheitz

Produktion: Werner Herzog

Musik: Chet Atkins, Sonny Terry

Kamera: Thomas Mauch, Edward Lachman

Schnitt: Beate Mainka-Jellinghaus

Dieser Artikel steht unter einer Creative Commons (CC BY-NC-SA 3.0) Lizenz.

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