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Leichter Einstieg in ein schwieriges Thema Waldheims Walzer

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Die Geschichte damals war umstritten, wenn nicht gar ein Skandal. Darf jemand Bundespräsident werden, der möglicherweise an Kriegsverbrechen beteiligt war?

Elisabeth and Kurt Waldheim, 1971.
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Bild: Elisabeth and Kurt Waldheim, 1971. / Basch, Fritz (CC BY-SA 3.0 unported - cropped)

20. Dezember 2018

20. 12. 2018

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Die Doku „Waldheims Walzer“ berichtet über den Fall des österreichischen Politikers Kurt Waldheim, stellt dabei auch einige spannende Fragen, die darüber hinausgehen, verfolgt diese jedoch leider nicht weiter.

Wie gross war der Anteil Österreichs am Dritten Reich? Waren sie Aggressoren, gleichzustellen mit Deutschland? Waren sie Opfer, die selbst unter den Nazis zu leiden hatten? Das ist eine von vielen Fragen, welche die Dokumentation Waldheims Walzer aufwirft. Im Mittelpunkt der Auseinandersetzung: der titelgebende österreichische Politiker Kurt Waldheim. Der hatte nach dem Zweiten Weltkrieg eine Bilderbuchkarriere hingelegt, national wie international. Er war Aussenminister, UN-Generalsekretär, später sogar Bundespräsident seines Heimatlandes. Aber war er auch ein Kriegsverbrecher?

Dokumente legten dies nahe, während er um das höchste Amt kandidierte. Er selbst sah darin eine reine Schmutzkampagne, die jeglicher Wahrheit entbehrte. Eine Hexenjagd, wie Donald Trump sagen würde. Der Unterschied: Waldheim war eloquent, hat tatsächlich politisch etwas erreicht und sich für sein Land stark gemacht. Das macht eine Beteiligung an Massakern nicht weniger abscheulich, erlaubt aber doch eine spannendere Auseinandersetzung mit dem Thema. Hier geht es nicht um einen leicht zu verdammenden Idioten, sondern um einen artikulierten Menschen, der sich von seiner Vergangenheit freisprechen möchte. Indem er gar nicht erst darüber spricht.

Ruth Beckermann folgt diesen Wegen und Nichtwegen, den fehlenden Erinnerungen und Ausflüchten von Waldheim über einen längeren Zeitraum, im Kontext seiner Bewerbung für das Präsidentenamt. Ein Grossteil des Dokumentarfilms besteht dabei aus historischen Aufnahmen wie Interviews oder Mitschnitten aus dem Fernsehen. Es finden sich aber auch kleinere Kommentare und Erläuterungen, die dabei helfen, die Bilder und Worte einzuordnen. Wer von dem mehrere Jahre andauernden Skandal damals nichts mitbekommen hat oder schlicht zu jung war, darf hier dann dennoch voll einsteigen. Lediglich der sonstige Werdegang des Politikers kommt etwas kurz. Während heute rechtes Herumeiern wieder schwer in Mode gekommen ist, handelte es sich bei ihm eben nicht um einen reinen Populisten – was die Vergangenheit umso schwerer wiegen lässt.

Schade ist dabei, dass sich die Doku, welche ihre Weltpremiere auf der Berlinale 2018 feierte, mit den angeschnittenen Themen nicht noch weiter befasst. Es werden kurz die verschiedenen Reaktionen Deutschlands und Österreichs auf das Nazierbe gezeigt. Und auch die Wichtigkeit des Erinnerns wird angesprochen. Ein wirklicher Diskurs erwächst daraus aber nicht, dafür ist die Marschrichtung viel zu sehr festgelegt – zeitlich wie inhaltlich. Anderthalb Stunden sind dann doch zu wenig, um sich auch noch um die universellen bzw. grundsätzlichen Aspekte zu kümmern.

Waldheims Walzer ist letzten Endes „nur“ eine Dokumentation um einen Politiker, der keine Verantwortung übernehmen will. Nichts Ungewöhnliches also. Aber auch das Bekannte und Gewöhnliche kann relevant sein, ist es hier auf jeden Fall. Und sei es nur als Erinnerung daran, dass Vergangenheit eben nicht einfach vergangen ist.

Oliver Armknecht
film-rezensionen.de

Waldheims Walzer

Österreich

2018

-

93 min.



Regie: Ruth Beckermann

Drehbuch: Ruth Beckermann

Produktion: Ruth Beckermann

Schnitt: Dieter Pichler

Dieser Artikel steht unter einer Creative Commons (CC BY-NC-ND 3.0) Lizenz.

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