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Argentinisches Temperament trifft auf Finnische Schwermütigkeit Mittsommernachtstango

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Argentinische Tango-Musiker treffen auf ihre finnischen Kollegen: Das ist komisch und spannend zugleich. Mehr Hintergrundinformationen wären nicht schlecht gewesen, Mittsommernachtstango spricht mehr über das Lebensgefühl denn über Tatsachen. Spass macht die Musikdokumentation aber auch so.

8. Juli 2014

08. 07. 2014

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Wer hat’s erfunden? Die Schw…, äh, nein, ausnahmsweise nicht unsere eigenbrötlerischen Nachbarn im Süden, sondern die im fernen Norden – zumindest wenn es nach dem finnischen Regisseur Aki Kaurismäki geht. Auch wenn man das zunächst kaum glauben mag. Tango, das gehört zu Argentinien wie Rindersteaks und Pelé, ist irgendwann in den Vororten von Buenos Aires entstanden. So lautet zumindest die weit verbreitete Meinung im Land.

Als die drei argentinischen Tango-Musiker Chino Laborde, Diego Kvitko und Pablo Greco erfahren, dass ihnen jemand ihr Nationalheiligtum abspenstig machen will, reagieren sie entsprechend empört. Doch bald schon wird dieses Gefühl durch Neugierde ersetzt und die drei machen sich – in Begleitung der Regisseurin Viviane Blumenschein – auf den Weg ins nordische Europa, um dort Antworten zu finden.

Wer als Zuschauer auf selbige hofft, wird am Ende aber enttäuscht werden: Mittsommernachtstango ist keine Aufklärungsdokumentation, wie wir sie aus dem Fernsehen kennen und bei dem Thema erwarten könnten. Über die tatsächliche Entstehungsgeschichte erfahren wir kaum etwas, historische Hintergrundinformationen sind nicht vorgesehen.

Und doch finden Tango- bzw. Musikliebhaber im Allgemeinen hier viel Sehens- und natürlich Hörenswertes. Blumenschein wählte statt des nüchternen Zugangs lieber den persönlichen und liess einfach argentinische und finnische Musiker aufeinander los. Hier wird zusammen musiziert, diskutiert und natürlich auch gewundert: Warum ist euer Tango so anders als unserer? Hinzu kommen reichlich private Anekdoten, die zwar nicht erklären, wie dieser Tanz nun entstand, aber doch, wie die Protagonisten zu ihm fanden, was er ihnen eigentlich bedeutet.

Dass diese Antworten sehr individuell ausfallen und natürlich auch kulturell geprägt sind, versteht sich von selbst. Aber gerade dieses Aufeinandertreffen von impulsiven, lauten Argentiniern und introvertierten, stillen Finnen ist ungemein spannend, auch, vielleicht sogar gerade, als unbeteiligter Dritter. An manchen Stellen wäre Mittsommernachtstango sogar ohne weiteres als Culture-Clash-Komödie durchgegangen, etwa wenn die drei Argentinier eine fahrbare Sauna entdecken oder sich wundern, warum in Finnland nicht einmal Schiffe laut sind. Die Perspektive des Films ist dadurch natürlich die der Südamerikaner. Schön wäre es gewesen, wenn wir zusätzlich noch finnische Kommentare über die Eigenheiten ihrer Besucher bekommen hätten. Aber auch so macht die Musikdokumentation reichlich Spass.

Oliver Armknecht
film-rezensionen.de

Mittsommernachtstango

Deutschland 2014 - 82 min.

Regie: Viviane Blumenschein
Drehbuch: Viviane Blumenschein
Darsteller: Aki Kaurismäki, Reijo Taipale, Pablo Greco
Produktion: Christian Beetz
Kamera: Björn Knechtel
Schnitt: Oliver Weiss

Dieser Artikel steht unter einer Creative Commons (CC BY-NC-SA 3.0) Lizenz.

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