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Stanley Kubrick: Der kritische Aufklärer | Untergrund-Blättle

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Stanley Kubrick (1928-1999) Der kritische Aufklärer

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„Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit.” (1)

Stanley Kubrick, 2002.
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Bild: Stanley Kubrick, 2002. / Etrance99 (CC BY-SA 4.0 cropped)

16. Dezember 2018

16. Dez. 2018

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Spätestens seit Adorno und Horkheimer wissen wir um die Zweischneidigkeit des Ursprungsmythos der neuzeitlichen Zivilisation in Folge der Französischen Revolution – dass beispielsweise der Verstand nicht nur klären, sondern auch vernichten kann. Schon während der Französischen Revolution deklarierte kein anderer als Robespierre die Dialektik der neuen Zeit. „Tugend durch Terror” war Robespierres Leitspruch.

Um das Gute durchzusetzen, ist jedes Böse als Mittel erlaubt. Was das Gute ist, definiert der, der die Herrschaft inne hat. Robespierre hat Nachfolger gefunden. Das 20. Jahrhundert schlägt – im Angesicht der Gasöfen wie des Stalinschen Gulag – allen Aufklärern wie Kant ins Gesicht, ja die grossen, verbrecherischen Ideologien dieses Jahrhunderts verunstalten das Gesicht der Humanität und den Glauben an den all selig machenden technologischen Fortschritt.

Die kritische Position, die ein Regisseur wie Stanley Kubrick (1928-1999) gegenüber dem Fortschrittsgedanken filmisch geltend machte, wird nirgends so deutlich wie in seinem Film „2001: A Space Odyssee”. Kubricks Gesamtwerk ist geprägt von diesen Zweifeln an einer humanitären Läuterung nach Holocaust, Atombombe und Stalinismus. „2001: A Space Odyssee” ist zugleich ein Abgesang auf die Zivilisation wie ein Fragenkatalog, den niemand beantworten kann.

Und doch ist Kubrick selbst Aufklärer, einer, der den Finger in die Wunden der Zivilisation legt – in wahrhaft opulenten Bildern (vor allem in „Barry Lyndon”) und angstvollen Blicken hinter den Verstand und die Vernunft und hinter die Mythen der Neuzeit. Kubricks aufklärerische Position ist jedoch nicht die eines Regisseurs, der alles beantwortet; Kubrick blieb zeit seines Lebens Fragender.

Ulrich Behrens

(1) Immanuel Kant. Es heisst dort weiter: „Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschliessung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Sapere aude! Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung.

Faulheit und Feigheit sind die Ursachen, warum ein so grosser Teil der Menschen, nachdem sie die Natur längst von fremder Leitung frei gesprochen (naturaliter maiorennes), dennoch gerne zeitlebens unmündig bleiben; und warum es anderen so leicht wird, sich zu deren Vormündern aufzuwerfen. Es ist so bequem, unmündig zu sein” (aus: Immanuel Kant: Was ist Aufklärung? 1794).

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