UB-Logo Online Magazin
Untergrund-Blättle

Sons of Denmark – Bruderschaft des Terrors | Untergrund-Blättle

2949

kultur

ub_article

Kultur

Sons of Denmark – Bruderschaft des Terrors Wenn eins zum anderen führt

Kultur

„Sons of Denmark – Bruderschaft des Terrors“ nimmt uns mit in das Dänemark der unmittelbaren Zukunft, wo nach einem islamistischen Anschlag die Rechtspopulisten die Macht ergreifen. Der Film zeigt dabei überzeugend, wenn auch schematisch auf, wie schnell eine Spirale der Gewalt entsteht und wie schwierig eine Mittelposition sein kann.

Nationalismus in Dänemark.
Mehr Artikel
Mehr Artikel

Bild: Nationalismus in Dänemark. / Eldrichr (CC BY-SA 2.0 cropped)

13. Februar 2020

13. Feb. 2020

0
0

4 min.

Korrektur
Drucken
Nach einem verheerenden Anschlag, der zahlreiche Menschenleben gekostet hat, ist Dänemark politisch nach rechts gerückt. Vor allem Martin Nordahl (Rasmus Bjerg) gelingt es, mit seinen populistische Parolen und verbalen Angriffen auf Immigranten bei der Bevölkerung zu punkten, ihm und seiner neu gegründeten Partei winken bei der nächsten Parlamentswahl ein triumphales Ergebnis. Gleichzeitig fachen dessen Reden das Feuer weiter an, er wird zum Feindbild Nummer eins für die Menschen mit Immigrationshintergrund. Und so wird der erst 19-jährige Zakaria (Mohammed Ismail Mohammed) mit der Aufgabe gesegnet, Nordahl zu töten, noch bevor er die Macht im Land ergreift …

Unseren täglichen Rassismus gib uns heute. Ob nun in den USA oder Europa, überall ist ein Vormarsch der Rechtspopulisten zu beobachten. Die Ausmasse sind dabei natürlich sehr unterschiedlich. Während plumpe Hetze in manchen Ländern für den Präsidententhron reicht, bleibt es hierzulande bei einem Ärgernis, das zwar nicht unterschätzt werden darf, bislang aber keine grösseren Folgen mit sich brachte. Doch was, wenn auf einmal auch bei uns Islamisten Anschläge verüben würden? Wie stark würden die demokratischen Werte halten? Liesse sich der Rechtspopulismus dann noch aufhalten?

Wenn eins zum anderen führt

Nun spielt Sons of Denmark – Bruderschaft des Terrors in Dänemark, nicht bei uns. Und in einem deutlich kleineren Land dürften die Auswirkungen eines solchen Anschlags vermutlich noch einmal ganz anders ausfallen. Dennoch gelingt es dem Film recht gut aufzuzeigen, wie das eine das andere bedingen kann, ganz grundsätzlich. Gewalt an einem Punkt führt zu (rhetorischer) Gewalt an einem anderen. Daraus kann schnell ein Teufelskreis entstehen, wenn beide Seiten die Taten des jeweils anderen für sich nutzen. Dabei macht es nicht einmal einen wirklichen Unterschied, wem von beiden wir zuhören, Nordahl oder dem alten Islamisten, der Zakarias Wut anstachelt. Den Opportunisten ist alles recht.

Dass Regisseur und Drehbuchautor Ulaa Salim die beiden Extremisten mehr oder weniger gleichsetzt, ist natürlich legitim. Umso mehr, wenn man den Rechtspopulismus selbst als Keimzelle des Terrors begreift. Allerdings bleibt Sons of Denmark dabei sehr schematisch, begnügt sich mit Bildern, die ebenso schwarzweiss sind wie die der Figuren. Nordahl ist so sehr nach bekannten Vorbildern geschnitzt, die derzeit durch die Medienlandschaft poltern, dass er trotz einer überzeugenden Darstellung durch Rasmus Bjerg wenig interessant ist. Auch bei den Islamisten im Hintergrund ist bis auf das Gift in ihrer Stimme nichts, das in Erinnerung bleibt.

Dafür oder dagegen?

Spannender sind da schon die Charaktere, die irgendwo zwischen den beiden Extremen gefangen sind. Der Undercover-Polizist Maik (Zaki Youssef) zum Beispiel, der das Leben von Nordahl beschützen muss, obwohl er aufgrund seines eigenen Immigrationshintergrundes selbst dessen Zielscheibe ist. Und natürlich hängt sich dabei die immer schwierig zu beantwortende Frage auf, wie die Demokratie auf nichtdemokratische Elemente reagieren soll. Jemanden zu beschützen, der mich selbst aus dem Land haben will, sofern er nicht gleich zur Todesstrafe greift, das ist schon ein ziemlicher Drahtseilakt.

Sons of Denmark, das auf dem International Film Festival Rotterdam 2019 im Wettbewerb lief, hätte sich gern noch mehr darauf konzentrieren können. Obwohl der Film knapp zwei Stunden dauert, greift er an manchen Stellen zu kurz, die Thematik wäre in einer Serie vielleicht besser aufgehoben gewesen. Dennoch ist Salim ein vielversprechendes Debüt geglückt, atmosphärisch und nachdenklich stimmend. Wo setzt man als Kraft der Mitte an, wenn die Gewalt sich immer weiter aufschaukelt? Wie können wir verhindern, dass Hassprediger mit Bierdeckellösungen die Leute bezirzen? Es gibt auch einige schöne Bilder, irgendwo zwischen Hochglanz und Strassendoku, die zu der unheilvollen Stimmung beitragen, welche zwar in einem anderen Land und in der Zukunft herrscht, uns aber viel näher ist, als uns lieb sein kann.

Die Redaktion
film-rezensionen.de

Sons of Denmark – Bruderschaft des Terrors

Dänemark 2019 - 120 min.

Regie: Ulaa Salim
Drehbuch: Ulaa Salim
Darsteller: Zaki Youssef, Mohammed Ismail Mohammed, Imad Abul-Foul, Rasmus Bjerg
Produktion: Daniel Mühlendorph
Musik: Lewand Othman
Schnitt: Jenna Mangulad

Dieser Artikel steht unter einer Creative Commons (CC BY-NC-SA 3.0) Lizenz.

Mehr zum Thema...

FilmLocation aus dem Film «Roma» in Mexiko City.
RomaGrosses Kino für ein kleines Publikum

11.12.2019

- Gleichzeitig universell und individuell, gross angelegtes Kunstwerk wie leises, persönliches Drama – „Roma“ lässt Welten miteinander verschmelzen, die eigentlich im Widerspruch sein sollten und doch wunderbar miteinander harmonieren.

mehr...
Graham Dean  ngc981
Rezension zum Film von Daniel RagussisImperium

12.01.2017

- „Imperium“ erinnert nicht nur daran, dass im Schatten des islamistischen Terrors auch vor der eigenen Haustür Terror droht, sondern zeigt auch auf erschreckende Weise, wie Wahrnehmung und Realität auseinanderklaffen können.

mehr...
Der iranische Filmregisseur Mohammad Rasoulof, März 2017.
A Man of IntegrityKampf gegen ein kaputtes System

05.05.2019

- „A Man of Integrity“ nimmt uns mit in den Norden Irans, wo eine Familie ihre Fischzucht gegen korrupte und gewalttätige Kräfte zu verteidigen versucht.

mehr...
Die Radikale Linke, Hogesa und Salafisten

02.11.2014 - „Wie umgehen mit Nazihools, Rechtspopulisten und Salafisten?“ fragte eine Veranstaltung am 1. November in Mannheim. Nach der rassistischen ...

Zu syrischen Flüchtlingen werden noch weitere Flüchtlinge aus der Türkei selbst kommen – Lage nach Anschlag in [...]

19.02.2016 - Gespräch mit Ismail Küpeli. Beim Anschlag auf einen Militärkonvoi in Ankara wurden am Mittwoch 28 Menschen getötet. Gestern gab es dann wieder einen ...

Aktueller Termin in Frankfurt am Main

UnsichtbArbeit

Perspektiven auf Migration und Arbeit im Kapitalismus. Workshop

Samstag, 29. Februar 2020 - 11:00

Osthafenforum im medico-Haus, Lindleystraße 15, Frankfurt am Main

Event in Zürich

☠MASSAKER IM KOCH 5 E☠

Samstag, 29. Februar 2020
- 18:30 -

Koch Areal


Zürich

Mehr auf UB online...

Trap
Untergrund-Blättle
Untergrund-Blättle