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Pose: Queens, Prinzen und der Kampf um die Trophäen | Untergrund-Blättle

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Serienkritik der Netflix Staffel Pose: Queens, Prinzen und der Kampf um die Trophäen

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Die Serie »Pose« beleuchtet die schwule und trans Latinx und Schwarze Subkultur im New York Ende der 1980er Jahre. Im Zentrum steht die ballroom Kultur und der Kampf der verschiedenen Häuser um die wichtigen Trophäen für ihre jeweilige Performances.

LGBT Community Center in New York.
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Bild: LGBT Community Center in New York. / David Shankbone at English Wikipedia (CC BY 2.5 cropped)

16. März 2019

16. 03. 2019

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In acht Folgen taucht man in die Höhen und Tiefen des Lebens am Rand der Metropole ein: Schwarze und Latinxs, alle schwul oder trans und aus der Arbeiterklasse bauen sich in den ballroom-Performance-Parties eine eigene Welt auf, in der sie wertgeschätzt und gewürdigt werden.

Blanca Evangelista (Mj Rodriguez) ist Gründerin und Mutter des Evangelista-Hauses. Von ihrer puerto-ricanischen Familie als Transfrau ausgestossen hat sie sich unter dem Schutz der legendären Elektra Abundance (Dominique Jackson) in die New Yorker ballroom Welt eingelebt und gründet ihr eigenes Haus. Ein Haus ist eine Wohnung mit einer Hausmutter – diese übernimmt traditionell die Verantwortung der Einführung junger schwuler Männer und Transfrauen in die Gemeinschaft.

Im Grunde stellen die Häuser also eine Art Ersatzfamilie innerhalb der Subkultur, die über die Performances bei den wöchentlich stattfindenden Bällen hinaus geht. Für junge Ausgestossene, oft alleine, obdachlos und ohne jeglichen finanziellen Mittel, stellt die Aufnahme in ein Haus eine riesige Möglichkeit dar. »Es braucht viel um eine wirklich gute Mutter zu sein« weiss Blanca. Ihre Regeln bedeuten, sich an der Reproduktionsarbeit im Haus zu beteiligen, die eigene Bildung weiterzuführen, sowie keine Drogen zu nehmen oder damit zu dealen.

Die Häuser treten bei den Bällen gegeneinander an. In den verschiedenen, für die Serie namensgebenden Pose-Kategorien wird alles gegeben: Divas, Maskulin, oder auch Vogueing, eine Tanzart, die in genau dieser New Yorker queeren Subkultur entstand und eine Mischung aus Modeling-Elementen und Modernen Tanz enthält. Es wird gegeneinander angetreten; eine mehrköpfige Jury vergibt Bewertungen – die Trophäen werden jede Woche neu vergeben.

Die rivalisierenden Hausmütter Blanca und Elektra sind dabei wie Tag und Nacht. Während sich Blanca liebevoll und fürsorglich um ihre »Kinder« kümmert, kommandiert Elektra ihre Kinderschar herum und behandelt diese abfällig. Blanca nimmt ihr Mutter-Sein sehr ernst und fühlt sich verantwortlich für das Wohlergehen ihrer Schützlinge. Der 17-jährige Tänzer Damon (Ryan Jamaal Swain) wird von seinen Eltern verprügelt und von zu Hause rausgeworfen, als diese herausfinden, dass er schwul ist. Blanca nimmt sich seiner an und unternimmt alles um ihn in eine professionelle Tanzschule zu bekommen.

Mit Ratschlägen versucht sie auch die junge Angel, wie sie selbst auch puerto-ricanische Transfrau, aufzubauen: sie hat sich in einen ihrer jungen, weissen Vorort-Kunden Stan (Evan Peters) verliebt, der ihr Ticket raus aus der Sexarbeit und dem Leben in Armut zu sein scheint. »Ich träume davon wie eine ganz normale Frau behandelt zu werden und einen Mann an meiner Seite zu haben, der sich um mich kümmert« erzählt Angel Stan das erste Mal als sie zusammen in einem Hotelzimmer sind.

Erstausgestrahlt über das FX Network im Juni 2018 und distribuiert über Netflix ist »Pose« die erste Serie weltweit mit über 50 festen Transschauspieler*innen. Nicht nur die fulminanten Kostüme und die ballroom Subkultur faszinieren.

Die sensibel eingewebten Geschichten von Armut, rassistischer Ausgrenzung, Homo- und Transfeindlichkeit im New York Ende der 1980er Jahre werden in allen Facetten beleuchtet: von den extravaganten Bällen, über die alltägliche Sexarbeit, die für viele arme Latinxs und Schwarze Transfrauen sowie schwulen Braunen und Schwarzen Männern – bis heute – oft die einzige mögliche Lohnarbeit darstellen bis zu der stigmatisierenden HIV Erkrankung, welche das Leben vieler Menschen aus den queeren Gemeinschaften das Leben kostete. Nichts wird beschönigt. Nicht die Gewalt, nicht das Leben auf der Strasse und die Ausgrenzungen und Anfeindungen innerhalb der schwulen und trans Gemeinschaften der Stadt. Transfrauen werden zum Beispiel nicht in schwule Bars gelassen.

Die einzelnen Lebensgeschichten sind dabei so klug zusammengesponnen, dass bei jeder Folge vor allem Mitgefühl und Solidarität – gerade aus einer Klassenperspektive – entsteht. Und Wut. Gegen die direkte und institutionelle Gewalt, welche sich vor allem gegen arme, nicht-weisse, queere Menschen richtet.

»Pose« ist eine politische Drama-Serie, welche es schafft spannend und leidenschaftlich mit ihren Charakteren die Geschichte von tausenden Menschen zu erzählen, die viel zu selten in Mainstream-Produktionen sicht- und hörbar sind. Und damit ruft sie auch uns zum politischem Handeln auf.

Die zweite Staffel erscheint in den kommenden Wochen und verspricht an die Sensibilität und den Zauber der ersten Staffel anzuknüpfen.

Eleonora Roldán Mendívil
lcm

Pose

USA 2018 - 8 Episoden

Drehbuch: Ryan Murphy, Brad Falchuk, Steven Canals
Produktion: Color Force, Brad Falchuk Teley-Vision, Ryan Murphy Television, Fox 21 Television Studios, FX Productions
Musik: Mac Quayle

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