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Land of the Dead Rückschritt ...

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Die Filme „Night of the Living Dead” (1968), „Dawn of the Dead” (1978) und „Day of the Dead” (1985) von George A. Romero gehören zu den das Genre des Horrorfilms prägenden Streifen.

George A.
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Bild: George A. Romero im Jahr 2005. / Leslie Gottlieb (CC BY 2.0 cropped)

18. Juli 2020

18. 07. 2020

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Erst Romero machte die „Untoten” zu dem, was sie heute sind: Zu immer wieder in allen möglichen Varianten auftauchenden Gruselgestalten des Kinos. 2004 war es Zack Snyder, der Romero mit einem Remake von „Dawn of the Dead” eine Art Denkmal setzte – auch wenn der Film die sozialkritischen Elemente der Untoten-Trilogie Romeros nicht mehr erkennen liess.

Es waren aber gerade die zwar leisen, aber dennoch vernehmbaren Töne jener Industrialismus- und Konsumismus-Kritik, die Romeros Filme prägten. Das Kaufhaus – leer gefegt von den Massen, eine Ruine der „fortschrittlichen” Zivilisation, in der sich nur einige wenige überlebende Menschen gegen die sich ständig vermehrenden Untoten zur Wehr setzten. Die Untoten hingegen wollten die Menschen nicht nur einfach töten – sie assen Teile von ihnen, um sie ebenfalls zu Untoten zu machen. Das Essen oder besser gesagt: sinnlose Fressen als Synonym einer kranken Welt, in der nur noch die Gier zählte – die Profitgier hier, die Konsum-Gier dort. Eine Art Endkampf hatte begonnen. Dass am Schluss der drei Filme immer noch ein paar Menschen sich retten konnten, zeugte nicht unbedingt von einem Zweckoptimismus des Regisseurs – im Gegenteil: Ihre Zukunft war eher pessimistisch. Ob sie dauerhaft überleben würden, konnte getrost in Zweifel gezogen werden.

20 Jahre nach „Day of the Dead” brachte Romero einen weiteren Film in die Kinos, der das gleiche Thema aufrollen sollte – mit dem Unterschied, dass die Untoten jetzt nicht mehr stupide, hirnlose Wesen waren, sondern plötzlich lernten – vielleicht nicht viel, aber doch einiges. „Land of the Dead” war der Versuch, die Trilogie um eine Fortsetzung zu bereichern.

Ein Untoter bläst Tuba, zwei andere gehen wie ein menschliches Liebespaar Hand in Hand durch eine städtische Wüste, ein weiterer guckt bei den Menschen ab, wie man ein Gewehr benutzt. Einige Gruppen von Menschen rasen johlend in Autos durch die Stadt, um möglichst vielen Untoten in den Kopf zu schiessen – die einzige Methode, um Untote „wirklich” zu töten. Andere Gruppen von Menschen versuchen, in den Resten der Zivilisation Lebensmittel und andere brauchbare Gegenstände zu finden.

Die Menschen haben sich hinter elektrischem Stacheldraht verschanzt. Inmitten ihres Ghettos befindet sich ein Hochhaus, in dem die Wohlhabenden unter ihnen leben – genannt „Fiddler’s Green” –, geführt von dem skrupellosen Kaufman (Dennis Hopper), der sich eine eigene bewaffnete Hilfstruppe und einige Handlanger hält. Kaufman repräsentiert eine Art Mischung aus Privatinteresse und Staat.

Die grosse Mehrheit der Menschen aber lebt im wahren Ghetto, in mehr oder weniger slumartigen Verhältnissen. Unter ihnen gärt die Wut auf Kaufman und seine Epigonen; einige versuchen, eine Art Widerstandsgruppe gegen Kaufman aufrechtzuerhalten – unter Führung eines gewissen Mulligan (Bruce McFee).

Für Kaufman arbeiten auch Cholo (John Leguizamo) und Riley (Simon Baker). Während Cholo sich durch die Dienste für Kaufman erhofft, eine Wohnung in dem Hochhaus zu ergattern, gehört Riley zu jenen, die geordnete, menschliche Strukturen aufbauen wollen. In Bars und Diskotheken vergnügen sich Menschen mit dem Abschuss von Untoten hinter Gittern. Doch auch Kaufman unliebsame Menschen, die für den Widerstand arbeiten oder auch nur im Verdacht stehen, Widerstandskämpfer zu sein, werden in den Arenen dem Angriff von Untoten ausgesetzt. Darunter befindet sich auch die Prostituierte Slack (Asia Argento), die durch Riley befreit wird.

Als Cholo Kaufman zu erpressen versucht, weil der ihm die versprochene Wohnung nicht geben will, will Kaufman ihn ermorden lassen. Doch Cholo entflieht und erpresst seinerseits Kaufman: Er will fünf Millionen Dollar – ansonsten würde er mit dem von ihm gekaperten, mit etlichen Waffen ausgestatteten Panzerfahrzeug, genannt „Dead Reckoning”, das Hochhaus beschiessen und in die Luft sprengen. Kaufman beauftragt Riley, mit einigen seiner Leute Cholo daran zu hindern – was diesem auch gelingt. Riley weiss, dass der Zusammenbruch des Hochhauses auch Folgen für die Armen in der Stadt hätte. Doch während dieser Auseinandersetzungen passiert etwas, womit keiner gerechnet hatte: Die Untoten überqueren den Fluss unter Führung von Big Daddy (Eugene Clark) – der gelernt hat, mit dem Maschinengewehr umzugehen – den Fluss, der bislang als sichere Grenze zwischen Menschen und Untoten galt ...

Es ist schwierig, Filme, die aus sehr unterschiedlichen Zeiten (und damit auch Moden etc.) stammen, miteinander zu vergleichen – selbst wenn sie vom selben Regisseur inszeniert wurden. Das gilt auch für einen Vergleich zwischen den ersten Romero–Untoten-Filmen und „Land of the Dead”. Die Schauspieler spielen anders als die von früher, die Kameraführung ist eine andere, die Dialoge, das Produktionsdesign usw. Doch trotz dieser Einschränkungen bei solchen Vergleichen hatte ich den Eindruck, dass Romero mit „Land of the Dead” weit hinter den drei anderen Filmen hinterher hinkt. Die Trilogie (ich nenne sie mal so, obwohl jetzt ein vierter Film dazu gekommen ist) war auch geprägt von einer in Charakteren und Dialogen, Verhalten und Handeln starken Differenzierung. Da gab es die Egozentriker und Machtbesessenen auf der einen Seite, und andererseits eben diejenigen, die geordnete, menschliche Strukturen wieder aufbauen wollten. Die Dialoge sprachen in der Trilogie in dieser Hinsicht für sich – zumindest im zweiten und dritten Film. Die Unterschiede in den menschlichen Verhaltensweisen waren nicht oberflächlich oder folgten irgendeinem billigen Klischee. Sie waren nachvollziehbar; man stand den Personen nahe, man fieberte mit ihnen usw.

Leider gilt dies für „Land of the Dead” kaum. Die Charaktere, die Dennis Hopper, der nicht das erste Mal einen Schurken spielt, aber auch John Leguizamo als Cholo verkörpern, folgen eher dem Klischee eines Machthungrigen bzw. eines Egozentrikers. Und auch Simon Baker spielt eher einen lexikalischen Gutmenschen, denn einen, mit dem man sich ohne Probleme identifizieren könnte. Diese Stereotype durchziehen den gesamten Film – und machen ihn allein deshalb schon unglaubwürdig, wenn man ihn denn an den kritischen Aspekten der Trilogie messen will.

Damit nähert sich Romero weniger seiner eigenen Trilogie, als Zack Snyders Remake – nur das Snyder „technologisch”, tricktechnisch und auch erzählerisch fast ein bisschen besser in seinem Film operierte – selbst wenn man zugestehen muss, dass die „fleischfressenden” Szenen bei Romero durchaus überzeugend gemacht worden sind. Entscheidend ist, dass das kritische Element in „Land of the Dead” kaum noch zu erkennen ist. Woran das liegt, vermag ich nicht zu beurteilen – und auch die Features auf der DVD, in denen Romero zu Wort kommt, geben keinen Aufschluss darüber.

So wirkt „Land of the Dead” eher wie einer von vielen Zombie-Filmen – noch dazu mit einer fast etwas biederen Story, die an keinem einzigen Punkt auch nur etwas in die Tiefe geht. Das „Gute” und das „Böse” verbleiben im stereotypen Kontext, die Untoten haben zwar gelernt zu lernen, aber das wirkt oft nur wie ein dramaturgischer Kniff, damit sie am Schluss den Fluss überqueren können. Die soziale Differenzierung in der Szenerie bleibt schal und wenig ausgeprägt – und damit eben auch wenig glaubwürdig.

Und so bleibt es nicht aus, dass der Schluss von „Land of the Dead” mit der Rettung der „Guten” und dem Tod des „Bösen” eher einer seichten Ehrenrettung der Menschen vor den Untoten gleichkommt als einer Warnung oder einem tief sitzenden Zweifel an der Lernfähigkeit von Menschen. Wenn Riley dann noch andere daran hindert, weiter auf die abziehenden Untoten zu schiessen, mit der Bemerkung, sie suchten nur eine Art Zuhause, wird Romero irgendwie vollends unglaubwürdig: Gutmenschentum und das diesem entsprechende Klischeebild des Vorzeigebösen (Kaufman) – kein toller Schluss.

Ulrich Behrens

Land of the Dead

USA

2005

-

93 min.



Regie: George A. Romero

Drehbuch: George A. Romero

Darsteller: Simon Baker, John Leguizamo, Dennis Hopper

Produktion: Bernie Goldmann, Peter Grunwald, Steve Barnett

Musik: Reinhold Heil, Johnny Klimek

Kamera: Miroslaw Baszak

Schnitt: Michael Doherty

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