5596

UB-Logo Online Magazin
Untergrund-Blättle

Kettensägenmassaker: The Texas Chain Saw Massacre | Untergrund-Blättle

Kultur

Kettensägenmassaker: Blutgericht in Texas The Texas Chain Saw Massacre

Kultur

«The Texas Chainsaw Massacre» ist ein Meisterwerk des Horrorgenres, ein Film, der keine Rückzugsmöglichkeit bietet und seinen Zuschauer direkt in seine Welt des Wahnsinns und der Gewalt hineinzieht.

Der USRegisseur Tobe Hooper anlässlich des 40.
Mehr Artikel
Mehr Artikel

Bild: Der US-Regisseur Tobe Hooper anlässlich des 40. Jubiläums von «The Texas Chainsaw Massacre» in Paris, September 2014. / Lionel Allorge (CC BY-SA 3.0 cropped)

12. August 2019

12. Aug. 2019

0
0

4 min.

Korrektur
Drucken
Das ist ein Film, der Opfer fordert und als Erstes auf der Schlachtbank landet das Gefühl von Sicherheit, jene Gewissheit, man könne die Augen vor diesem Grauen verschliessen, denn man muss sich nur umsehen, um zu erkennen, dass das Massaker längst begonnen hat und kein Film mehr ist.

Eine Gruppe Jugendlicher ist auf einem Trip durch den US-Bundesstaat Texas. Sally (Marilyn Burns) und ihr Bruder Franklin (Paul A. Partain) möchten ihr mittlerweile verlassenes Elternhaus besuchen sowie die kleinen Ortschaften, in denen sie aufwuchsen. Die zunächst ausgelassene Stimmung unter ihnen kippt dramatisch, als Franklin von einem Anhalter verletzt wird und ihnen letztlich das Benzin ausgeht. Als sie schliesslich am heruntergekommenen Haus ankommen, machen sie sich auf die Suche nach einer Tankfüllung, damit sie noch am Abend wieder nach Hause fahren können. In einem Nachbarhaus macht Kirk (William Vail) eine grausige Entdeckung, denn die Bewohner haben es schon lange auf nichtsahnende Reisende wie sie abgesehen. Schon längst sind zu den nächsten Opfern eines neuen Massakers auserkoren.

Die hässliche Fratze Amerikas

Auch wenn die Filme des US-Amerikaners Tobe Hooper etwas anderes vermuten lassen, machte er seine ersten Schritte innerhalb der Filmindustrie als Dokumentarfilmer, bevor er mit Eggshells 1969 seinen ersten Langfilm produzierte. Angetan von dem Erfolg einer neuen Welle von Horrorfilmen, angeführt von Werken wie Die Nacht der lebenden Toten von George A. Romero und Das letzte Haus links von Wes Craven, beschlossen Hooper und Drehbuchautor Kim Henkel, ihren nächsten Film innerhalb dieses Genres zu machen. Neben den lukrativeren kommerziellen Aussichten eines Horrorfilms bestand der Reiz nicht zuletzt auch in den bitteren, zynischen Statements über die US-amerikanische Gesellschaft, die Romero, Craven und viele andere Regisseure in ihren Werken formulierten.

Trotz oder gerade wegen der Beschränkungen, die das geringe Budget der Produktion auferlegte, kann man nicht anders, als Hoopers Film als ein eben solches Statement verstehen. Beeinflusst von den grausigen Morden Ed Geins, dessen Geschichte auch die Vorlage für beispielsweise Alfred Hitchcocks Psycho bildet, begibt sich Hoopers von der ersten Minute an in jenes brütend heisse Hinterland der USA, in dem sich niemand aufhält und nichts überleben kann. Die Allgegenwart des Todes – ein überfahrenes Gürteltier, eine grausige Leichenschändung sowie die Aufnahme der Kettensäge – weisen zusammen mit der gnadenlosen Hitze auf die Hölle auf Erden hin, welche die nichtsahnenden Jugendlichen betreten.

Mit wenigen Mitteln kreieren Hooper und sein Kameramann Daniel Pearl ein Szenario des Grauens, welches einen Schlussstrich unter eben jene Philosophie von Frieden und Liebe setzt, die zum Teil die Jugendlichen verfolgen. Mitleid oder Gnade, wie gegenüber dem Anhalter, werden ausgenutzt und führen nur tiefer hinein in das Pandämonium des amerikanischen Südens.

Die Schlachtbank des Wahnsinns

Selbst ausserhalb des zeitlichen Kontexts – des Vietnam-Kriegs, der Kent State-Schiesserei oder der Manson-Morde – umgibt The Texas Chainsaw Massacre eine Atmosphäre der Gewalt, lange bevor jenes titelgebende Werkzeug gegen Menschen eingesetzt wird. Franklins Monolog über die Techniken beim Schlachten von Rindern deutet unmissverständlich auf eine tiefe Faszination mit eben jenem Vorgang des Tötens hin sowie mit den Werkzeugen, die man zu diesem Zwecke benutzt. Nicht umsonst ist Franklins teuerster Besitz ein Messer, welches er immer wieder hervorzückt, stets begleitet von den skeptischen Blicken der übrigen Mitfahrer.

Letztlich kulminiert Hoopers Film, der in Deutschland auch unter den Titeln Blutgericht in Texas und Kettensägen Massaker bekannt ist, in einer Orgie aus Blut, Schreien und Wahnsinn, einem Ballett des Grauens, bei dem man schlussendlich nur noch das Dröhnen eben jener Kettensäge vernimmt. Schockierend sind hierbei weniger die grausigen Bilder, sondern vielmehr die Assoziation der Normalität, die mit diesen einhergeht. Der Irrsinn und die Gewalt sind essenzielle Teile einer Routine geworden, eines barbarischen Alltags, der, zumindest scheint es so, irgendwo ganz in der Nähe des Zuschauers stattfindet.

Rouven Linnarz
film-rezensionen.de

The Texas Chain Saw Massacre

USA 1974 - 83 min.

Regie: Tobe Hooper
Drehbuch: Tobe Hooper, Kim Henkel
Darsteller: Marilyn Burns, Allen Danziger, Paul A. Partain
Produktion: Tobe Hooper
Musik: Tobe Hooper, Wayne Bell
Kamera: Daniel Pearl
Schnitt: Larry Carroll, Sallye Richardson

Dieser Artikel steht unter einer Creative Commons (CC BY-NC-SA 4.0) Lizenz.

Mehr zum Thema...

WaffenShop in Commerce, Texas, USA.
Wilder Westen – nicht nur in TexasLieber den Colt im Halfter als die Bombe im Sack

25.05.2016

- Amerikaner sollen überall Waffen tragen dürfen – also auch in Schulen: Donald Trumps Beitrag zu mehr Sicherheit im freien Amerika.

mehr...
Akira Kurosawa am Filmset während den Dreharbeiten zu «Seven Samurai».  映画の友
Rezension zum Film von Akira KurosawaRashomon - einer der ungewöhnlichsten Filme der Geschichte

26.08.2011

- Michael Hanekes Statement, dass es keine Wahrheit gebe, da diese vom Standpunkt abhinge, trifft vielleicht auf keinen Film in grösserem Umfang zu, als auf „Rashomon“ von Akira Kurosawa, einen der ungewöhnlichsten und beeindruckendsten Filme der Gesc

mehr...
T.J.
Die HSN «erobert» die WeltHammerskins: Netzwerk des Hasses

03.12.2006

- Anhand einiger ausgewählter Beispiele soll ein Einblick in die Geschichte, die Organisationsform und die Tätigkeitsfelder des Neonazi-Netzwerkes der 1986 in den USA ins Leben gerufenen Hammerskins gegeben werden.

mehr...

Aktueller Termin in Luzern

SentiMACHbar

»regelmässiger Treffpunkt, ohne Konsumzwang »offen für ALLE »zusammen Zeit verbringen »gemütlich »über Gottund die Welt diskutieren »neue Projekte spinnen... jeden 2. und 4. Mittwoch im Monatvon 18:00 bis 23:00 Uhr Im ...

Mittwoch, 23. Oktober 2019 - 18:00

Sentitreff, Baselstrasse 21, Luzern

Event in Hamburg

Sunn Trio

Mittwoch, 23. Oktober 2019
- 18:00 -

Schute


Hamburg

Mehr auf UB online...

Trap
Untergrund-Blättle
Untergrund-Blättle