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Joy von Sudabeh Mortezai Kein Grund zur Freude

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»Joy« lautet der Titel und vielsagende Vorname der illegal in Österreich lebenden, nigerianischen Hauptfigur dieses Films der Wiener Regisseurin Sudabeh Mortezai.

Die österreichische FilmRegisseurin Sudabeh Mortezai bei der Berlinale 2014.
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Bild: Die österreichische Film-Regisseurin Sudabeh Mortezai bei der Berlinale 2014. / Paul Katzenberger (CC BY-SA 3.0 unported - cropped)

29. Januar 2019

29. 01. 2019

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Fragestellend und nahezu zynisch nämlich ist die Bedeutung von »Joy/Freude« in Bezug auf den Inhalt dieses Films über Frauenhandel von Nigeria nach Österreich.

Auf wessen Kosten ist der Wohlstand Europas aufgebaut? Diese unumgängliche Frage muss im Zuge des neuen, dokumentarischen Spielfilms »Joy« von Sudabeh Mortezai mit den Themen Frauenhandel, Sexarbeit und Ausbeutung von Nigerianerinnen in Wien gestellt werden. Permanent verlangte Konsummöglichkeiten in reichen Wohlstandsgesellschaften rufen soziale Ungleichheiten zwischen Ländern und Kulturen hervor und manifestieren diese.

Diese globale Ungleichheit verdammt zu Schicksalen, die von Sexarbeit bestimmt sind, mit welcher die Schulden für die Flucht ins »gelobte Land Europa« abbezahlt werden sollen. Privilegierte Europäer führen ihre imperiale Lebensweise auf Kosten dieser global ausgebeuteten Menschen.

(Aber-)Glaube

Makaber beginnt der Film mit der Ermordung und dem Blutvergiessen eines Huhns durch einen Juju-Priester in Nigeria, der dabei einer jungen Frau mit einem kleinen Paket (verpacktes Foto samt Nägeln von ihr) das spirituelle Versprechen abnimmt, dass sie, wenn ihr die Flucht nach Europa gelingt, eine Schuld von EUR 60.000,– abzuzahlen hat. Die Intention für diesen erschreckenden, emotionalisierenden Anfang erklärte die Regisseurin im nachfolgenden Publikumsgespräch als Referenz zu der Nikolaus-Krampus-Szene, in die Joy und Precious in Bad Gastein/Salzburg geraten, als Precious nach Italien verkauft wird. Genauso absurd wirkt dieser Brauch vermutlich auf die beiden schwarzen Frauen.

Alltag

Zunächst werden die ersten Schritte der Hauptdarstellerinnen am Strich mit der Kamera verfolgt. Die Joy anvertraute, sehr junge Precious drückt anfänglich noch ihren Unwillen zur Sexarbeit aus. Ihr Wille wird spätestens dann gebrochen, als die Madame mit zwei Männern in die Wohnung kommt. Sie ist ehemaliges Opfer, nimmt als Zuhälterin das verdiente Geld der Sexarbeiterinnen entgegen und verwaltet deren »Schulden«. Die beiden der Madame helfenden Männer vergewaltigen Precious, während die anderen Mitbewohnerinnen/Sexarbeiterinnen davon Zeuginnen werden, ohne dass sie einschreiten oder Widerstand leisten.

Solidarität und »Familie«

Wie funktioniert die Unterstützung der auf kleinstem Raum zusammenlebenden nigerianischen Sexarbeiterinnen in Wien also? Gibt es diese überhaupt? Ganz klar zu sehen ist sie, wenn die Nigerianerinnen miteinander tanzen oder Joy nach einer Vergewaltigung umsorgen. Sudabeh Mortezai, deren Eltern aus dem Iran zunächst nach Deutschland emigrierten, arbeitete für diesen international mit Preisen ausgezeichneten Spielfilm unkonventionell.

Zunächst besprach sie mit den gecasteten Darstellerinnen, die nicht als Schauspielerinnen ausgebildet sind, dass improvisiert wird, sodass viel von ihnen selbst sich selbst einbringen konnten. Es gibt wenige Schnitte im Film; Dialoge sind durchgehend aufgenommen. Das verursacht an einigen Stellen Längen; der Film schafft es aber, permanent in seinen Bann zu ziehen. Sexuelle Szenen werden in »Joy« nicht gezeigt, damit die Sexarbeiterinnen nicht als Objekte abgebildet werden.

Der Film ist sehr sehenswert; schwere Themen kommen aufs Tapet, die Zusehende notgedrungen veranlassen, auf einer tiefergehenden Ebene zu reflektieren. Als Conclusio lässt sich festhalten, dass auch anlässlich dieses Films wieder intersektional, verschiedene Ungleichheits- und Diskriminierungsebenen des Patriarchats zusammengedacht werden müssen!

Dominika Krejs
Erstpublikation auf skug.at

Skug
Joy

Österreich

2018

-

100 min.



Regie: Sudabeh Mortezai

Drehbuch: Sudabeh Mortezai

Darsteller: Anwulika Alphonsus, Mariam Sanusi, Angela Ekeleme

Produktion: Sabine Moser, Oliver Neumann

Kamera: Klemens Hufnagl

Schnitt: Oliver Neumann

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