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Film von Jochen Alexander Freydank Kafkas Der Bau

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Die freie Adaption einer Kafka-Erzählung fasziniert durch seine mysteriös-bedrohliche Atmosphäre, überzeugt auch mit einer gesellschaftlich relevanten Grundthematik und fabelhafte Bilder. Insgesamt zieht sich „Kafkas Der Bau“ aber zu sehr in die Länge, durch das zahlreiche Füllmaterial ist der Film gerade in der zweiten Hälfte etwas zäh.

Der deutsche Schauspieler Axel Prahl, Hauptdarsteller im Film «Kafkas Der Bau», am 59.
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Bild: Der deutsche Schauspieler Axel Prahl, Hauptdarsteller im Film «Kafkas Der Bau», am 59. Berliner Film Festival. / Siebbi (CC BY 3.0 unported - cropped)

1. Februar 2016

01. 02. 2016

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Eigentlich hat Franz (Axel Prahl) allen Grund, glücklich zu sein: Er hat eine Familie, Arbeit, ist gesund. Als er mit seiner Frau (Kristina Klebe) und den beiden Kindern eine neue Eigentumswohnung bezieht, fangen jedoch die Probleme an. Nicht nur dass er ständig mit dem Hausmeister (Josef Hader) und seinem Nachbarn (Roeland Wiesnekker) aneinandergerät, in ihm nagt die Angst, alles zu verlieren, was er je erreicht hat. Immer stärker wird diese Angst und der damit verbundene Kampf um seinen Besitz, bis er schliesslich tatsächlich zu einem Opfer wird und er ein eigenartiges Geräusch wahrnimmt.

Kafkaesk – so sehr verbinden wir Franz Kafka mit surrealer Atmosphäre, grotesken Situationen und anonymer Skurrilität, dass sein Name zu einem Synonym eben solcher Geschichten geworden ist. In Kafkas Der Bau nimmt sich Regisseur und Drehbuchautor Jochen Alexander Freydank eines Spätwerks des eigenwilligen Schriftstellers an, nicht aber ohne kräftig am Inhalt zu schrauben. Der grösste Unterschied ist, dass die 1923/24 entstandene und nie abgeschlossene Erzählung ein Tier als Protagonisten hatte, das seinen Bau vor Feinden schützen wollte. Natürlich hatte der so gern mit Symbolen hantierende Literat aber nicht vor, einen naturwissenschaftlichen Beitrag über das Tierreich zu verfassen. Und so ist es nur konsequent, wenn in der Verfilmung diese Verschleierung ganz weggelassen wurde, ein Mensch nun im Mittelpunkt steht.

Dementsprechend konnte es die anderen Charaktere des Films im Original nicht geben – sofern man diese überhaupt als Charaktere bezeichnen mag. Eine wirkliche Identität hat nämlich keiner von ihnen, keinen Namen, keine Persönlichkeit. Nicht einmal Franz’ Frau darf hier wirklich in Erscheinung treten, hält sich mit den Kindern nur im Hintergrund. Auch das ist geschickt gewählt, dreht sich hier doch vieles um Selbstisolation und Paranoia, der Rückzug von der Welt da draussen. Die anderen Menschen, sie sind nicht mehr als eine Kulisse, oft auch Fremdkörper in der Wahrnehmung von Franz, die sich immer weiter von der Realität löst und ein gefährliches Eigenleben entwickelt.

Atmosphärisch ist das stark umgesetzt: Freydank bedient sich immer wieder der Elemente aus dem Thriller- oder Horrorgenre, wählt ungewöhnliche Perspektiven, unterlegt alles mit einem unheimlichen Score, bei dem man das Bedürfnis entwickelt, den riesigen Bau schnellstmöglich zu verlassen. Letzterer ist übrigens alles andere als einladend mit seinem industriellen Design, den trüben Farben und dem kargen Inneren. Was eigentlich ein Rückzugsgebiet sein sollte, in dem man sich zu Hause fühlt, erinnert mehr an ein Gefängnis, was angesichts des Themas sicher nicht zufällig gewählt wurde.

Während Freydank die mysteriös-melancholische Stimmung fantastisch geglückt ist, sieht es inhaltlich nicht ganz so umwerfend aus. In einer Zeit, wo Besitzwahrungswünsche und Zukunftsängste das Bedürfnis nach Solidarität übersteigen, wir so sehr mit uns selbst beschäftigt sind, dass andere keinen Platz mehr in unserem Leben haben, ist Kafkas Der Bau zweifelsfrei eine gesellschaftlich relevante Abrechnung. Nur hätte es dafür keine knapp zwei Stunden gebraucht, die der Film lang ist. Dabei gibt es Füllmaterial, das man problemlos hätte herausschneiden können, mehr als genug, vor allem in den Szenen, wenn Franz Monologe in eine Kamera spricht und dabei die literarische Quelle zitiert. An den Stellen wird es dann doch zu gekünstelt, auch weil die Sprache nicht mit der sonst verwendeten harmoniert.

Auch an anderen Stellen hätte man ohne grosse Mühe die Schere ansetzen können, denn eine tatsächliche Rahmenhandlung gibt es hier sowieso nicht, nachvollziehbare Übergänge zwischen den Szenen fehlen ebenfalls des Öfteren. Dadurch liegen Faszination und Langeweile gerade in der zweiten Hälfte dicht beieinander, im ständigen Wettstreit darum, wer die Oberhand behält. Geduldige Naturen mit einem Faible für düster-surreale Filme sollten trotzdem einmal einen Kinobesuch in Betracht ziehen, auch der fabelhaften Bilder wegen, die das Auge immer wieder verwöhnen.

Oliver Armknecht
film-rezensionen.de

Kafkas Der Bau

Deutschland

2014

-

110 min.

Regie: Jochen Alexander Freydank

Drehbuch: Jochen Alexander Freydank

Darsteller: Axel Prahl, Kristina Klebe, Josef Hader

Produktion: Jochen Alexander Freydank

Musik: Rainer Oleak

Kamera: Egon Werdin

Schnitt: Philipp Schmitt

Dieser Artikel steht unter einer Creative Commons (CC BY-NC-SA 3.0) Lizenz.

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