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Wenn der Verteidiger der neuen deutschen Filmkunst gegen Hollywood, Alexander Kluge, nach über 20 Jahren mit einem fröhlichen Klagegesang auf die Kinoleinwand zurückkehrt, dann soll – so verraten es die Produktionsnotizen - „neben den 'klassischen' Rezipienten Kluges […] das aufgeschlossene Kino- und Kunst-Publikum angesprochen werden. Eine zeitgemässe Auseinandersetzung mit Alexander Kluge und seinem Werk im Kino könnte so einen neuen Anfang nehmen.“

Regisseur Alexander Kluge während seiner Preisrede zum TheodorW.AdornoPreis (2009) in der Frankfurter Paulskirche.
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Bild: Regisseur Alexander Kluge während seiner Preisrede zum Theodor-W.-Adorno-Preis (2009) in der Frankfurter Paulskirche. / Dontworry (CC BY 3.0 unported - cropped)

15. September 2019

15. Sep. 2019

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Im Interesse zur Erschliessung neuer Publikumssegmente erscheint es demnach als folgerichtig und notwendig, dass sich an Kluges klassisches Collagieren von bewegten Bildern, Gemälden, Texten, die konstellatorische Dreiteilung der Leinwand, sowie die assoziativen Interviews mit den altbekannten Helge Schneider, Heiner Müller, Galina Antoschwskaja und Peter Berling, etwas als neu und unverbraucht Erscheinendes anschliessen muss, das Kluge sodann in „Alipato – The Very Brief Life Of An Ember“ des rebellischen philippinischen Filmemachers Khavn De La Cruz zu finden meint.

De La Cruz Beitrag zu Kluges Werkschau bereicht durch einen massenkompatibleren, jugendlichen Stil, der mit der Zeit geht: rotzig und frech, mit Anlehnungen an aktuellere Actionfilme und schrille Musikvideos und gleichzeitig in einer selfmade-Ästhetik der Generation der digital natives und des DIY. De La Cruz erzählt eine Geschichte über eine kriminelle Kinderbande, die durch Stehlen und Morden ihr nacktes Überleben in einer nahen Zukunft sichert, in der sich schon mehr der endgültige Zusammenbruch denn der langsame Zerfall der uns bekannten bürgerlichen Ordnung in einen failed state ankündigt, der von faschistischen rackets beerbt und durchzogen wird.

Aber eben dadurch wird das scheinbar Fremde und Andere nicht, wie Kluge meint, „mit einer Wildheit, die normalerweise westlichen Augen nicht zugänglich ist“ sichtbar, sondern schlichtweg die schlechte bundesrepublikanische Wirklichkeit unsichtbar gemacht, indem das schlecht verdrängte Eigene ausgelagert wird in Exotik, Rituale und Voodoozauber, gerade so als hätte hier der Zivilisationsbruch nicht bereits stattgefunden und als zögen keine Nazibanden in Erwartung des Tag X mordend durchs Land. Dass hingegen die Landung des Flugzeuges des amerikanischen Präsidenten Trump und dessen Shakehands mit den saudischen Machthabern zu den zeitdiagnostischen Bildern gehören, die Kluge in seine Erzählung montiert, verwundert sicherlich keinen und braucht deshalb auch nicht weiter vertieft zu werden.

Trotz der Kritik: die Montage der Bilder und das Kreisen um die hier nicht besprochenen Motive in verschiedenen Konstellationen regen zum Nachdenken an und fordern der Betrachter*in eigene Syntheseleistungen ab.

Kluges neuer Film ist sehenswert und die kritische Auseinandersetzung mit seinem Werk gehört zum Rezeptionserlebnis wie das Wissen darum, dass das Spiel des Regisseurs mit dem noch unausgeschöpften Potential des Mediums ein Hobby ist, das man sich erstmal leisten können muss.

Steven Heller / www.graswurzel.net

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Deutschland 2018 - 90 min.

Regie: Alexander Kluge
Drehbuch: Alexander Kluge, Khavn De La Cruz
Darsteller: Helge Schneider, Heiner Müller, Galina Antoschewskaja
Produktion: Alexander Kluge, Stephan Holl
Musik: Khavn De La Cruz
Kamera: Thomas Wilke
Schnitt: Andreas Kern

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