UB-Logo Online MagazinUntergrund-Blättle

Drive (2011) | Untergrund-Blättle

6999

Drive (2011) Der Nebenjob

Kultur

Man merkt, dass sich der Regisseur auch bei Kleinigkeiten Gedanken gemacht hat und seinen eigenen Stil gut durchgesetzt bekommt.

Ryan Gosling an der Filmpremiere zu „Drive”, September 2011.
Mehr Artikel
Mehr Artikel
Bild ansehen

Bild: Ryan Gosling an der Filmpremiere zu „Drive”, September 2011. / Josh Jensen (CC BY-SA 2.5 cropped)

22. Juli 2022
0
0
3 min.
Drucken
Korrektur
Die Darsteller waren von dem tollen Script begeistert und wollten trotz einiger Freiheit viele der Dialoge nicht durch Flüchtigkeitsfehler abschwächen. Das allein spricht schon dafür, dass jeder voll bei der Sache war und somit etwas Gelungenes produziert werden konnte.

Der Driver (Ryan Gosling) ist von Beruf Stuntfahrer beim Film und arbeitet in der Autowerkstatt seines alten Freundes (Bryan Cranston). Doch was der Driver in seiner Freizeit unternimmt ist das eigentlich Interessante. Er spielt den Fahrer für jeden der genug zahlt und für jede nur erdenkliche Gelegenheit, dazu zählen natürlich vor allem Überfälle. Als der Driver sich mit seiner hübschen Nachbarin (Carey Mulligan) einlässt, gerät seine strukturierte Vorgehensweise schwer ins Wanken. Bei seinen Bemühungen die Menschen in seinem Umfeld vor den gefährlichen Gangstern zu schützen, muss er sich schliesslich selbst in Lebensgefahr begeben.

Action? Ja schon, aber ganz anders als man es gewohnt ist. Irgendwie hat man den Eindruck Drive sei zäh und doch kommt keine Langeweile auf, die Darstellung expliziter Gewalt ist zwar selten, aber wenn dann richtig und auch die Stunts sind rar gesät, aber ordentlich. Zu dieser seltenen, seltsamen Mischung kommt noch die Idee des Regisseurs Nicolas Winding Refn und des Hauptdarstellers Gosling, den Film als eine Art Traum darzustellen, oder laut Interview zumindest so wirken zu lassen, was im Nachhinein auch gut funktioniert hat.

Neben Ryan Gosling, der ausgezeichnet in diese Rolle passt, spielt Malcom Mittendrin-Familienvater Bryan Cranston mal eine etwas ernstere Rolle und auch optisch muss man sich zunächst umgewöhnen, denn dieser kommt zwar sympathisch, aber ungepflegt und mit Dreitagebart daher. Ich will nicht sagen, dass die Handlung abgedroschen ist, aber doch bietet Drive nicht so viel Neues, dass er wie laut Verpackung „der beste Film des Jahres“ sein könnte. Aber nichts desto trotz ist dieser eigenartige Actionfilm wirklich sehenswert und kann zu Recht in vielen Punkten gelobt werden.

Natürlich erinnert der Titel allein schon ein wenig an das gute alte Computerspiel Driver und auch die finsteren Nebenjobs des Fahrers versetzen den alten Fan wieder zurück in die Pixelstadt, doch leider würde zur heutigen Zeit wohl kaum noch Spielspass aufkommen. Schade eigentlich, denn die Lust war sofort wieder da.

Sebastian Krause
film-rezensionen.de

Drive

USA

2011

-

100 min.

Regie: Nicolas Winding Refn

Drehbuch: Hossein Amini

Darsteller: Ryan Gosling, Carey Mulligan, Bryan Cranston

Produktion: John Palermo, Adam Siegel, Michel Litvak, Gigi Pritzker, Marc Platt

Musik: Cliff Martinez

Kamera: Newton Thomas Sigel

Schnitt: Matthew Newman

Dieser Artikel steht unter einer Creative Commons (CC BY-NC-SA 4.0) Lizenz.

Mehr zum Thema...
Carey Mulligan, Mai 2013.
Promising Young WomanDas Böse hinter der adretten Fassade

03.06.2022

- „Promising Young Woman“ ist eine originelle Abwandlung des Rape-and-Revenge-Thrillers, wenn eine Frau Jagd auf vermeintlich nette, anständige Männer macht.

mehr...
Kleidung aus dem Film «Suffragette», welche Helena Bonham Carter während der Protest-Szene vor dem Parlament trug.
Rezension zum Film von Sarah GavronSuffragette – Taten statt Worte

25.06.2018

- „Suffragette“ erinnert an den harten Kampf der englischen Frauenrechtsbewegung vor rund hundert Jahren.

mehr...
Die ehemals prosperierende US-Metropole Detroit ist seit dem Wegzug der Automobilindustrie immer mehr zu einer Geisterstadt verkommen.
Rezension zum Regiedebüt von Ryan GoslingLost River: Kritik zum Film

08.10.2015

- Ryan Gosling wirft in seinem Regiedebüt einen Blick auf das vergessene Amerika der Kleinstädte, erzählt in teils hypnotischen Bildern von Abgründen und Untergängen.

mehr...
Freiräume schaffen & nutzen - Das Freiraumbüro in Halle

18.06.2022 - Freiräume. Was bedeutet das eigentlich und wo sind die? Hat Freiraum immer was mit Projekten zu tun? Und was spielt die Stadtverwaltung eigentlich für [...]

Freiräume für Jugendliche - Das Freiraumbüro in Halle

18.06.2022 - Freiräume für Jugendliche. Was bedeutet das eigentlich? Hat Freiraum immer was mit Projekten zu tun? Und was spielt die Stadtverwaltung eigentlich für [...]

Dossier: Julian Assange
Prishank Thapa
Propaganda
Art is Resistance

Aktueller Termin in Mönchengladbach

Europäische Sommeruniversität der sozialen Bewegungen 2022

Vom 17.-21. August kommen Aktivist*innen und Freund*innen von Attac und aus den sozialen Bewegungen Europas sowie anderen Teilen der Welt zusammen – mehr als tausend werden wieder erwartet. Wir teilen Erfahrungen und Wissen und ...

Mittwoch, 17. August 2022 - 15:00 Uhr

Hochschule Niederrhein, Webschulstraße 31, 41065 Mönchengladbach

Event in Berlin

The Ghost And The Machine

Mittwoch, 17. August 2022
- 20:00 -

ART Stalker

Kaiser-Friedrich-Strasse 67

10627 Berlin

Mehr auf UB online...

Der deutsche Regisseur Hans Weingartner im Cineplex Münster, November 2007.
Vorheriger Artikel

Die fetten Jahre sind vorbei

A bisserl Rebellion auf der Alm

Shia LaBeouf am Toronto Film Festival 2017.
Nächster Artikel

American Honey

Realismus und Natürlichkeit

Untergrund-Blättle