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Contemporary Past | Untergrund-Blättle

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Contemporary Past Nie richtige Menschen

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In "Contemporary Past" hat Regisseur Majchrzak junge Leute dabei begleitet, wie sie sich mit dem Massenmord der Deutschen an Juden und Sinti und Roma auseinandersetzen. Und mit den Diskriminierungen von heute. Dabei ist ein interessanter Dokumentarfilm entstanden.

Gedenkstätte Buchenwald Mahnmalsanlage.
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Bild: Gedenkstätte Buchenwald Mahnmalsanlage. / Tim Rademacher (CC BY-SA 4.0 cropped)

21. November 2020

21. 11. 2020

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Der Umgang des NS-Nachfolgestaates BRD mit den Opfern der Deutschen bis 1945 ist ein einziger Skandal. Erst 2002 wurde etwa das „Gesetz zur Zahlbarmachung von Renten aus Beschäftigungen in einem Ghetto“ verabschiedet, seither können ehemalige Zwangsarbeiter in den NS-Ghettos für ihre Zeiten als Zwangsarbeiter Renten beantragen, allerdings enthält selbst dieses Gesetz noch hohe Hürden. Kamil Majchrzak engagiert sich seit vielen Jahren, unter anderem in der Initiative „Ghetto-Renten Gerechtigkeit Jetzt!“ für die Entschädigung insbesondere von Sinti und Roma, die Opfer der nationalsozialistischen Deutschen geworden waren.

Jetzt hat Majchrzak einen Dokumentarfilm produziert, in dem er sich mit dem heutigen Umgang mit der Vernichtung von Menschen während des Dritten Reiches beschäftigt. „Contemporary Past“ nähert sich dem Thema multiperspektivisch. Im Vordergrund stehen die Erfahrungen einer Gruppe von Teenagern aus Polen, Rumänien und Deutschland, die in der Gedenkstätte Buchenwald an einem Workshop teilnehmen. Dabei dürfen die Jugendlichen etwa archäologische Funde säubern und stossen auf Inschriften von Gefangenen, deren Geschichten sie später im Archiv der Gedenkstätte recherchieren.

Sie sind von der Tatsache, dass hinter den Namen echte Menschen mit Geschichten stecken, deren Hinterlassenschaften sie jetzt in der Hand halten, sichtlich beeindruckt. Majchrzak interessiert sich auch für die Reflektionen der jungen Leute, die zwar zum grössten Teil eher distanziert als aufgeregt auf die ihnen sich darbietenden Gräuel der Vergangenheit reagieren, deren formulierte Einschätzungen und Hoffnungen zugleich aber durchaus vernünftig und empathisch sind.

Die sich selbst als „Zigeunerin“ bezeichnende Rita Prigmore, Überlebende einer Zwillingsforschungsstation der Deutschen, erzählt von ihrem Kampf gegen die deutschen NS-Nachfolge-Behörden um eine Entschädigung und stellt schliesslich fest, Sinti und Roma würden wohl „nie den Stand der richtigen Menschen” haben. Dass daran viel Wahres ist, zeigt „Contemporary Past“ nicht nur anhand der Kämpfe der Opfer gegen die BRD-Behörden, sondern auch an einem Beispiel aus dem heutigen Polen, wo Sinti und Roma zum Teil harten Repressionen durch den Staat ausgesetzt sind und noch heute in bitterer Armut leben. Auch hier werden die Eindrücke durch Betroffene vermittelt, die in kurzen Statements von ihren Erfahrungen mit Diskriminierung berichten.

Regisseur Majchrzak kollagiert die verschiedenen Perspektiven zu einem Räsonnement über die fortwährend fehlende Anerkennung von Sinti und Roma, über den Umgang der heutigen Jugend mit Erinnerung und was die heute alten Opfer der deutschen Vernichtungsindustrie der jungen Generation zu sagen haben.

Der Film ist durchaus klug und sehenswert, in den besten Szenen beeindruckend und eindringlich, bleibt aber insgesamt etwas zu oberflächlich. Den Kontinuitäten zwischen den Barbaren von einst, den vielen Nazis, die weiterhin eine wichtige Rolle spielten und die deutsche Bürokratie teilweise nachhaltig prägten, geht er nicht nach. Majchrzak konstatiert, ohne wirklich nachzufragen.

Trotzdem ist der Film ein sehr guter Einstieg zum Beispiel für Jugendliche, die sich mit dem Thema beschäftigen wollen.

Nicolai Hagedorn
graswurzel.net

Contemporary Past

Deutschland, Polen

2020

-

59 min.



Regie: Kamil Majchrzak

Drehbuch: Kamil Majchrzak

Musik: Miroslav Rác

Kamera: Tomasz Pawlik

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