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Kultur

Einseitiger Blick, grosse Wirkung Bomb City

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„Bomb City“ erzählt die Geschichte von zwei jugendlichen Cliquen, die Ende der 90er in Texas aneinandergeraten.

Punk in Evansville, Indiana.
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Bild: Punk in Evansville, Indiana. / Tim Schapker (CC BY 2.0 unported - cropped)

25. Dezember 2018
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Das auf einer wahren Begebenheit beruhende Drama hält sich nicht sonderlich mit differenzierter Gegenüberstellung auf, das Herz schlägt hier für die lauten Punks, nicht die arroganten High-School-Sportler. Doch der starke Kontrast macht im Zusammenspiel mit einem überzeugenden Hauptdarsteller die Wirkung des Films umso grösser.

Brian Deneke (Dave Davis) ist nicht unbedingt das, was man eine Stütze der Gesellschaft nennen würde. Denn als leidenschaftlicher Punkt hat er nur wenig für die Konventionen und Erwartungen der anderen übrig. Stattdessen gehen er und seine Freunde zu Konzerten, verewigen sich mit Graffitis und feiern ausgiebig in einer heruntergekommenen Halle. Dieser etwas andere Lebensstil stösst jedoch nur auf wenig Gegenliebe bei der restlichen Bevölkerung im texanischen Amarillo. Immer wieder geraten Brian und seine Clique mit anderen aneinander, vor allem mit Cody Cates (Luke Shelton) und den übrigen High-School-Sportlern. Bis es zur Katastrophe kommt.

Dass die das in den Vereinigten Staaten mit dem Vereinigen nicht ganz so eng sehen, das ist nicht unbedingt ein Geheimnis. Kaum ein westlicher Staat dürfte innerlich zerrissener sein als die USA, wie uns die erbittert umkämpften Midterms-Wahlen wieder einmal vor Augen geführt haben. Vor allem die konservativen Kräfte lassen da nicht mit sich spassen. Jeder, der irgendwie anders ist als sie, bekommt den vollen Zorn zu spüren. Da spielt es keine Rolle, ob das nun an der Hautfarbe liegt, an der Religion oder auch der sexuellen Orientierung, mit dem echten Amerika haben die nichts zu tun, haben hier nichts zu suchen.

Eine alte und doch aktuelle Geschichte

Bomb City mag nun auf einer Geschichte basieren, die sich zwanzig Jahre zuvor zugetragen hat, einer Zeit also, als das Land noch nicht im heutigen Masse vergiftet war. Rassismus noch nicht ganz so offensiv zur Schau getragen wurde, angefeuert von oberster Stelle. Doch die Konflikte gab es damals natürlich schon. Regisseur und Drehbuchautor Jameson Brooks muss bei seiner Aufarbeitung der Ereignisse auch gar nicht viel sagen, weshalb das hier zwei Welten sind, die aufeinanderprallen. Das sieht man auch so. Auf der einen Seite die Söhne und Töchter aus gutem Hause, die Gewalt hinter blitzblanken Gartenzäunen und adretten Frisuren verstecken. Die anderen, die offen zu einer Revolution aufrufen, so gar nichts von gängigen Schönheitsidealen halten. Oder von Autoritäten.

Dass Letztere sehr viel mehr sind als grölende Schmarotzer, das ist Brooks offenkundig sehr wichtig. Viel Zeit verbringt er mit den Jungs und Mädels, zeigt sie während ihres Alltags. Vor allem Brian, um den sich später die Geschichte drehen wird, darf sich in Bomb City von seiner besten Seite zeigen. Anders als es einem die laute Musik, die grelle Punkerfrisur und die destruktive Pose weismachen wollen, ist der junge Mann deutlich sensibler. Ein Mensch, der einen kleinen Hund knuddelt, sein Notizbuch mit Zeichnungen füllt, auch sonst eine künstlerische Seele hat – anders als Cody, der nur als arroganter Schnösel gezeigt wird.

Einseitiger Blick, grosse Wirkung

Das ist dann auch das grösste Manko des Films: Brooks hat kein Interesse daran, beiden Seiten neutral zu begegnen. Während er bei Brian genauer hinschaut und in ihm so viel Gutes und Schönes entdeckt, würdigt er seinen Kontrahenten keines wirklichen Blickes. Die Strategie dahinter ist klar, zu klar: Indem er die eine Seite als die Guten porträtiert und die andere als die Bösen, gewinnt die Geschichte später eine ungeheure emotionale Wucht. Der Beitrag vom Fantasy Filmfest 2018 macht betroffen, macht auch wütend, lässt einen an der Ungerechtigkeit dieser Welt verzweifeln.

Denn das muss man Brooks lassen: Er weiss sehr genau, wie er sein Publikum zu bearbeiten hat, um am Ende zum richtigen Schluss zu kommen. Diese offensichtlichen Manipulationsversuche kann man nun bemängeln oder bedauern. Aber es ist ein starkes Debüt geworden, das der selbst in Amarillo geborene Filmemacher hier zeigt. Unterstützt von einer feinen Leistung des Hauptdarstellers Dave Davis ist Bomb City ein aufrichtiges und leidenschaftliches Plädoyer für Toleranz und Gerechtigkeit. Dafür, vielleicht auch mal genauer hinzuschauen bei der Begegnung mit anderen Menschen, ihnen zuzuhören, nicht mehr nur auf die äussere Erscheinung zu achten. Ein Debüt, das einem nahe geht und im Anschluss länger nachwirkt.

Oliver Armknecht
film-rezensionen.de

Bomb City

USA

2018

-

99 min.

Regie: Jameson Brooks

Drehbuch:Jameson Brooks, Sheldon R Chick
Darsteller:Dave Davis, Glenn Morshower, Logan Huffman
Produktion:Sheldon R Chick, Major Dodge
Musik:Cody Chick, Sheldon R Chick

Kamera: Jake Wilganowski

Schnitt:Jameson Brooks

Dieser Artikel steht unter einer Creative Commons (CC BY-NC-SA 3.0) Lizenz.

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