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Kultur

Blue Crush Allzu trendy ...

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Kein Zweifel. „Blue Crush“ ist trendy und cool – oder versucht zumindest, einem tatsächlichen oder vermeintlichen Teenager-Geschmack gerecht zu werden.

Der USFilmregisseur John Stockwell am Filmfestival von Miami, März 2014.
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Bild: Der US-Filmregisseur John Stockwell am Filmfestival von Miami, März 2014. / MiamiFilmFestival (CC BY-SA 2.0 cropped)

6. April 2021
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Stockwell und Johnson verzichteten auf die üblichen Surf-Film-Klischees, in denen eher betuchte Jugendliche zu Beach-Boys-Musik oder ähnlichem dem Wellenreiten frönen, ohne dass sie auch nur versuchen, irgendeine glaubhafte Geschichte zu erzählen. „Blue Crush“ versucht dies zumindest – allerdings auch auf ausgetretenen Pfaden.

Drei junge Frauen auf Hawaii - Anne Marie (Kats Bosworth), Eden (Michelle Rodriguez) und Lena (Sanoe Lake) – haben nur eins im Sinn: Surfen. Anne Marie ist in dieser Sportart begabt und will in einer Woche an einem Wettbewerb teilnehmen, zu dem auch die bekanntesten und besten Surferinnen der Welt erwartet werden. Anne Marie hat allerdings Angst. Sie träumt von Unfällen, bei denen sie oder andere Surfer sich den Kopf an Korallen blutig schlagen. Immerhin kommt es gerade auf Hawaii des öfteren zu tödlichen Unfällen beim Surfen. Auch anderes quält Ann Marie: Ihre Mutter hat sich nämlich aus dem Staub gemacht, und nun muss sie sich um ihre kleine Schwester Penny (Mika Boorem) kümmern, die nicht besonders gern zur Schule geht und sich lieber auf Partys herumtreibt.

Anne Marie, Eden und Lena – die mit Penny zusammenwohnen – arbeiten in einem der schnieken Hotels als Zimmermädchen, um sich ihr Geld zu verdienen, und vor allem, um sich Bretter kaufen zu können. Knapp eine Woche vor dem Wettbewerb trifft im Hotel ein Football-Team ein, deren Mitglieder in den Hotelzimmern ziemliches Chaos anrichten. Anne Marie verliert ihren Job, nachdem sie mit einem im Zimmer gefundenen Kondom dessen Besitzer vor den Augen aller anderen blossstellt. Einer der Football-Jungens, Matt (Matthew Davis) wird auf Anne Marie aufmerksam, bittet sie, ihm Surfunterricht zu geben. Zwischen beiden funkt es, und Eden fürchtet, dass Anne Marie sich zu sehr auf Matt konzentriert statt auf den nahenden Wettbewerb. Eden meint, für Matt sei Anne Marie sowieso nur ein Ferienflirt. Doch Anne Marie hat eher ein anderes Problem: ihre Angst ...

Zweifellos sind die von David Hennings fotografierten Surf-Szenen – die immerhin rund 40% des Films ausmachen – die besten, die „Blue Crush“ zu bieten hat. Allerdings erfährt man angesichts dieses überproportionalen Anteils des Sports am Film nur sehr wenig über das Surfen selbst. Das Hauptproblem des Films ist jedoch ein anderes: Die Geschichte, die Johnson und Stockwell (ausgelöst durch einen Artikel von Susan Orlean „Surf Girls of Maui“) erzählen, lässt zu wünschen übrig. Nicht nur, dass die Verbindung zwischen Sport und erzählter Geschichte oft arg mit der Brechstange konstruiert erscheint, bewegt sich die Handlung auf ausgetretenen, um nicht zu sagen: ausgelatschten Pfaden des Teenie-Film-Genres. Sie lässt sich in einem Satz zusammenfassen: Surfer-Girl verliebt sich in Football-Spieler und hat Angst vor der eigenen Courage.

Dabei nehmen die beiden Regisseure ihre Protagonisten durchaus ernst, und das unterscheidet den Film von anderen des Genres, die eher unglaubwürdige oder / und dämliche Geschichten über Teenager erzählen, die es so gar nicht gibt. Die Personen in „Blue Crush“ sind durchaus vorstellbar, und in einigen Szenen kann zumindest Kate Bosworth überzeugend vortragen. Trotzdem hält sich der Film im Ungleichgewicht zwischen Sport und Drama. Die Figuren bleiben – trotz des Ernstes, mit denen Sie „verfolgt“ werden – klischeehaft und oberflächlich. Die „coole“ Sprache, das trendy-Verhalten – insbesondere der Football-Spieler und einiger Hawaii-Youngsters – und die Dialoge insgesamt bewegen sich innerhalb des herrschenden Modetrends, so dass der Film über weite Strecken wirkt wie ein überlanger Werbespot.

Der Film will jungen Männern und Frauen gleichermassen gefallen. Matt steht für den ernsthaften netten Boy von nebenan, der Anne Marie zu nichts zwingen will und ihr die Entscheidung, an dem Wettbewerb teilzunehmen auf keinen Fall abnehmen will, als sie ihn fragt, was sie tun soll. Die Surferinnen, insbesondere dann auch eine, die Anne Marie beim Wettbewerb hilft, sind derart strapaziert über-emanzipiert, dass man nur mit dem Kopf schütteln kann. Johnson und Stockwell wollen (!!) mit dieser Art der Dramaturgie unbedingt gefallen. Bei mir stösst so etwas auf Widerspruch, und stellenweise langweilte mich der Streifen zu Tode.

Ich wurde hin- und hergerissen zwischen den phantastischen Aufnahmen von den unvorstellbar hohen Wellen und den Surfern, die sich da hinein wagten, und andererseits der allzu coolen Atmosphäre – und über die beiden äusserst beleibten schwarzen Football-Spieler, von denen einer das besagte Kondom durch sein Zimmer geschleudert hatte, konnte ich überhaupt nicht lachen, auch nicht, als einer von ihnen bei einer Strandparty anfing zu tanzen. Man vergleiche diese beiden etwa mit den Schwarzen, wie sie in „8 Mile“ vorgestellt werden: ein enormer Unterschied.

Die Liebesgeschichte zwischen Anne Marie und Matt kennt ein Problem: Ferienromanze oder etwas Ernsthaftes. Aber auch hier kann der Film nur andeuten, antippen; die Geschichte verliert sich im Showdown zwischen Riesenwellen und Gratulationsküsschen, Applaus und Friede, Freude, Eierkuchen. Gleiches gilt für die Andeutung des Familienkonflikts (Mutter weg) und die Tatsache, dass die drei Surferinnen nicht der Mittelklasse angehören, sondern sich ihr Geld als Zimmermädchen verdienen müssen. Reine Staffage.

Ich habe keine Ahnung, ob „Blue Crush“ den Geschmack zumindest eines nennenswerten Teils der Jugendlichen trifft. Das müssen die selber beantworten. Meinen Geschmack hat er jedenfalls nicht getroffen, aber das soll er ja auch nicht. Trotzdem hat das Kino schon wesentlich bessere Filme für diese Altersklasse geboten.

Ulrich Behrens

Blue Crush

USA

2002

-

110 min.

Regie: John Stockwell

Drehbuch: Lizzy Weiss, John Stockwell

Darsteller: Kate Bosworth, Matthew Davis, Michelle Rodriguez, Sanoe Lake

Produktion: Brian Grazer, Karen Kehela

Musik: Paul Haslinger

Kamera: David Hennings

Schnitt: Emma E. Hickox

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