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Moderne Zahlungsmittel Bald kein Geld mehr im Portemonnaie?

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In Deutschland kannst du in immer mehr Geschäften kontaktlos mit dem Smartphone zahlen. Voll praktisch, oder voll scheisse?

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5. Dezember 2016

5. Dez. 2016

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Wenn du in Dänemark tankst, müssen Tankstellen dein Bargeld nicht mehr annehmen. In Stockholm kannst du dir Bustickets nur noch per Smartphone oder Karte kaufen. Und in immer mehr EU-Ländern werden Höchstgrenzen für Barzahlungen eingeführt. Bar nur noch bis 500€, oder weniger?

Die Abschaffung des Bargeldes bringt einiges mit sich. Wenn du bargeldlos, also digital, einkaufst, ist alles nachvollziehbar. Die ohnehin stattfindende digitale Erfassung aller Bereiche des Lebens über unzählige „smarte“ Geräte wird sich immens verfeinern. Alle Daten darüber, was du wann und wo einkaufst oder konsumierst, landen jedes mal bei den Unternehmen, die den Zahlungsverkehr abwickeln. Was sie mit den Daten tun und an wen sie sie weitergeben liegt nicht mehr in deinen Händen. Deine Krankenversicherung könnte erfahren, dass du Zigaretten kaufst, obwohl du angegeben hast Nichtraucher*in zu sein, um einen billigeren Tarif zu zahlen. Das Geld für deinen kleinen Nebenjob gibt‘s nicht mehr cash. Das Finanzamt oder das Jobcenter könnten einfacher über dein Konto herausfinden, dass du schwarz arbeitest. Wie zahlst du dein Gras beim Dealer*in an der Ecke? Was wirfst du in den Hut der Schnorrer*innen?

Die Überwachung ist allerdings nur ein Teil des Ganzen. Ein weitere Schritt des digitalen und personalisierten Zahlens könnte sein, bestimmten Personen(-gruppen), Arbeitslosen, Geflüchteten, Kindern, als psychisch krank geltende, den Zugang zu bestimmten Dingen zu verwehren, um diese (besser) kontrollieren zu können. Wer darf sich Alkohol oder ein Zugticket kaufen? Oder einen Flug buchen? Eintritt für Disko, Freizeitpark?

Wie kommt es dazu? Ist das Bezahlen mit Münzen und Scheinen ein Relikt der Vergangenheit in der digitalisierten Gegenwart? Zentralbanken sind dieser Auffassung und fordern den Übergang zum komplett digitalen Zahlungsverkehr. Mit der Begründungen Steuerhinterziehung, sog. Schwarzarbeit und Organisierte Kriminalität bzw. Drogenhandel eindämmen zu wollen, zielt ihr Vorhaben noch mehr darauf, zwangsweise die Konjunktur anzukurbeln. Würden die Menschen nämlich wieder mehr konsumieren, würde sich die Wirtschaft aus ihrer anhaltenden Krise befreien.

Die zündende Idee aus Kreisen von Europäischer Zentralbank und Wirtschaftswissenschaftler*innen ist es die Zinsen auf unter Null zu senken. Das soll die Menschen dazu bewegen, ihr Geld auszugeben. Auf dem Konto würde es langsam verschwinden. Ein solcher Minus-Zins führte allerdings dazu, dass alle ihr Geld abheben würden, um es unter ihrem Kopfkissen zu horten. Für das Geld, das du auf dem Konto hast, müsstest du dann Zinsen zahlen, statt wie bisher, nur wenn du das Konto überziehst oder dir Geld von der Bank leihst. So ein „Run“ auf die Banken würde zum Kollaps des Finanzsystems führen. Das Bargeld müsste also zunächst abgeschafft werden, um den Konsum zu erzwingen.

Anonymes Bezahlen wäre also Geschichte. Ein erheblicher Einschnitt in die Selbstbestimmung unseres Lebens würde sich vollziehen. Wir lehnen diese Welt, in der alles nur gegen Geld zu bekommen ist grundlegend ab. Um der Kontrolle und Überwachung unseres Lebens aber nicht gänzlich zu unterliegen ist es nötig, sich der Abschaffung des Bargeldes zu widersetzen. Verweigere dich dem bargeldlosen Bezahlen mit Smartphone oder Kreditkarte und dem personalisierten Bestellen im Internet.

Lass dich nicht verarschen!

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