UB-Logo Online MagazinUntergrund-Blättle

Kein Platz für Nazis auf der Frankfurter Buchmesse | Untergrund-Blättle

6673

Marginalisierte Stimmen hörbar machen Kein Platz für Nazis auf der Frankfurter Buchmesse

Gesellschaft

„Wie wollen wir leben?”, ist das Motto der diesjährigen Frankfurter Buchmesse. Eine Antwort auf diese Frage liefert die Messe bislang nicht, jedoch einen Vorschlag, wie sich ihr genähert werden soll: indem wir einander zuhören.

Panorama der Frankfurter Buchmesse 2018.
Mehr Artikel
Mehr Artikel
Bild ansehen

Panorama der Frankfurter Buchmesse 2018. Foto: JCS (CC BY 3.0 unported - cropped)

21. Oktober 2021
3
0
2 min.
Drucken
Korrektur
Mit der Entscheidung (neu)rechten Verlagen wie zum Beispiel dem Oikos Verlag und dem Jungeuropa-Verlag[1] einen Platz auf der Messe einzuräumen, angeblich, um die Meinungsfreiheit und die Gesellschaft Deutschlands auch auf der Messe abzubilden, sehen wir Hass zur Meinung erklärt und Gewalt gegen marginalisierte Menschen legitimiert.

Es wird in Kauf genommen, dass Vertreter_innen (neu)rechter Verlage ihr extrem rechtes, gewalttätiges Umfeld mitbringen. So wird für Menschen, die alltägliche rassistische und antisemitische Gewalt erfahren und denen dringend zugehört werden muss, eine Teilnahme an der Messe zum Sicherheitsrisiko.

Nicht erst seit den Anschlägen in Hanau, in Halle und den Morden des NSU ist es für ein gesellschaftliches Zusammenleben unabdingbar, die Stimmen der Menschen zu verstärken, die alltäglicher rassistischer und antisemitischer Gewalt auf der Strasse, im Netz und auf der Buchmesse ausgesetzt sind. Spätestens mit dem Statement der Autorin Jasmina Kuhnke, in dem sie die Drohungen gegen sie erläutert und ankündigt ihre Messeauftritte abzusagen[2], hätte die Messeleitung eine klare anti-diskriminierende Haltung einnehmen müssen. Denn hier handelt es sich nicht um Meinungsfreiheit, sondern um direkte rassistische Diskriminierung. Da die Messe sich öffentlich bekennt keine Diskriminierung zu tolerieren, sollte sie das Fernbleiben von Autor:innen und Verleger:innen, die Rassismus in Deutschland erfahren, nicht hinnehmen und von ihrem Hausrecht Gebrauch machen.

Der Ausschluss des nationalsozialistischen Druffel-Verlags von der Buchmesse 1958, unter anderem mit der Begründung, die Anwesenheit des Verlages sei eine „Zumutung“ für die „zahlreichen ausländischen Besucher“, zeigt, dass ein konsequentes Einschreiten gegen menschenverachtende Einstellungen möglich ist.[3]

Wir fordern die Messeleitung auf, sich nicht mit Diversitätsfloskeln zu schmücken, sondern aktiv zu gewährleisten, dass marginalisierte Menschen an den Debatten teilnehmen können und ihnen zugehört wird. Es ist die Aufgabe der Messeleitung, sich gegen Rassismus und Antisemitismus zu positionieren, aber auch die der gesamten Buchbranche, sich solidarisch zu zeigen und das alljährliche Hofieren neurechter Verlage nicht kommentarlos geschehen zu lassen. Wir erklären uns solidarisch mit allen, die sich fragen, ob und wie sie an der Buchmesse geschützt vor Nazis teilnehmen können!

pm

Fussnoten:

[1] https://www.belltower.news/kein-sicherer-ort-extrem-rechte-verlage-auf-der-buchmesse-122857/

[2] https://twitter.com/ebonyplusirony/status/1450096656737779725

[3] https://twitter.com/NKrawinkel/status/1450351195390889984

Mehr zum Thema...
Platz für Austausch und DebattenNürnberg: 27. Linke Literaturmesse

31.10.2022

- Die 27. Linke Literaturmesse Nürnberg findet vom [...]

mehr...
Schwerpunkt: Bewegungen im mediterranen RaumInterview zur Anarchistischen Buchmesse in Bern

22.05.2017

- Von der diesjährigen Anarchistischen Buchmesse in Bern kann nur erfahren, wer detektivisch nach ihr sucht.

mehr...
Anarchist Bookfair in Dublin 2008.
Eine Plattform für Aktivist*innenGeschichte zur anarchistischen Buchmesse

27.03.2017

- Anfang der 1980er-Jahre entstand bei ein paar Londoner Anarchist*innen unter dem Eindruck einer sogenannt sozialistischen, aber stinklangweiligen, teuren und von vielen grossen Verlagshäusern frequentierten Buchmesse der Wunsch, einen eigenen solchen Anlass durchzuführen.

mehr...
Bedroht und angepöbelt: die Amadeu-Antonio Stiftung auf der Frankfurter Buchmesse

17.10.2017 - Die Frankfurter Buchmesse ist zwar vorbei, doch über einige Stände der Messe wird noch immer viel diskutiert. Zur Messe waren mehrere rechte Verlage wie etwa die Junge Freiheit aber auch der Anaios Verlag eingeladen.

Boykottaktionen gegen rechte Verlage auf der Frankfurter Buchmesse

23.10.2021 - Seit zwei Tagen läuft die Frankfurter Buchmesse. Nach einer Verbannung ins Digitale in Folge der Corona-Krise findet die Messe dieses Jahr wieder mit Besucher*innen vor Ort statt.

Dossier: Klassismus
Helgi Halldórsson
Propaganda
Gegen Nazis

Aktueller Termin in Berlin

VoxKü

Vegan VOxKÜ Food,Drinks,Music   Irregular events and discussions - there is a garden and sometimes a firebin The entrance is elevated but there is a ramp  

Mittwoch, 7. Dezember 2022 - 20:00 Uhr

Kadterschmiede, Rigaer Str. 94, 10247 Berlin

Event in Wien

WIENER BESCHWERDECHOR & BAND

Mittwoch, 7. Dezember 2022
- 19:30 -

Theater am Spittelberg

Spittelberggasse 10

1070 Wien

Mehr auf UB online...

League of Revolutionary Black Workers.
Vorheriger Artikel

Organisation und Mobilisierung

Die ‘League of Revolutionary Black Workers’ und die kommende Revolution

Eröffnungszeremonie zur Fussballweltmeisterschaft in Katar am 21. November 2022.
Nächster Artikel

Wer von wem wie und warum vor welchen Karren gespannt wird

Einzigartig: Deutschland bei der Fussball WM in Katar in der Vorrunde ausgeschieden und dennoch Weltmeister?

Untergrund-Blättle