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Lügenpresse: Kritik am Unwort des Jahres | Untergrund-Blättle

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Kritik am Unwort des Jahres Lügenpresse

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“Lügenpresse” ist das Unwort 2014 und die TAZ schrieb bereits vor einem Monat warum: “Der Nationalsozialismus war die Hochzeit des Begriffs Lügenpresse.” (1)

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Bild: Shop der Tageszeitung (TAZ) an der Rudi-Dutschke-Strasse in Berlin. / Molgreen (CC BY-SA 4.0 cropped)

17. Februar 2015

17. 02. 2015

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Bei einer derartigen Geschichte muss nicht mehr kritisiert werden, es reicht die belesene Ahnenkunde: “Die „Lügenpresse“ war ein Lieblingswort von Joseph Goebbel.” (1) – will heissen: Der Begriff ist ‘bäh’.

Das Un-wort “Lügenpresse” ist ja gerade deshalb im Moment so beliebt, weil die Kritik an der Presse und dem Fernsehen im Jahr 2014 kaum zu übersehen war – siehe allein die Flut von Leserkommentaren und Blog-Debatten zur Dämonisierung Putins, der Erweiterung der EU-Ostgrenze als “Regierungswechsel” in der Ukraine oder dem “Bahnsinn” der GdL, die tatsächlich streiken will für ihre Interessen! Selbst der TAZ fällt auf: “Die Ukraine-Berichterstattung der freien deutschen Presse ist mehrheitlich voreingenommen, genormt, propagandistisch infiziert und auch politisch gefährlich.”

Um eine Kritik an den Medien soll es sich aber ausgerechnet bei dem Begriff Lügenpresse überhaupt nicht handeln: “„Lügenpresse“ ist also kein kritischer Einwurf, sondern es beschreibt den Trennungsstrich zwischen einer „falschen“ Weltsicht der Allgemeinheit und der „richtigen“ Weltsicht der Privilegierten im Innenraum der alogischen und empathielosen [?!] „Wahrheit“.” (2)

Was auch immer unter einer ‘empathischen Wahrheit’ verstanden werden soll: Schlimm soll der Begriff der Lügenpresse also sein wegen seiner braunen Vergangenheit und weil er “das grosse Konstrukt” erzeugt: “WIR und DIE ANDEREN”. (2)

Die Kritik an der Berichterstattung von ARD bis FAZ ist zumeist nationalistisch und falsch. Allerdings sollte das nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Ächtung des Begriffs “Lügenpresse” keine Kritik falscher Vorwürfe ist, sondern eine miese Tour, jede Kritik an den professionellen Meinungsmachern dieses Landes als faschistisch zu diskreditieren. In der TAZ ist zu lesen, freie Presse sei “manchmal ekliges” (2) Durcheinander von manchmal “ehrlosen [!] Personen und Institutionen” (2) – aber ausgerechnet diese Kritik versteht sich ganz im Gegensatz zum Faschismusunwort “Lügenpresse”. Der Unterschied? Man kritisiert nicht ‘grundsätzlich’, sondern ist – trotz “ehrlosen Journalisten” (2) – ganz grundsätzlich dafür! “humanistischen Erzählungspluralität” (2) ist das Stichwort.

So kommt die Kritik am Unwort der “Lügenpresse” aus, ohne zu Behaupten, die Presse würde nicht lügen. Das Wort alleine soll Tabu sein, weil man sich zur Presse zu bekennen hat oder als Faschist zu zählen ist. Und wenn die Presse beim Lügen ertappt wird, dann ist das bitte als Fall eines ehrlosen Journalisten zu werten, und man soll sich über die “Erzählungspluralität” sogar noch freuen – was nichts anderes heisst, als das man mehr als nur eine Lüge, und vielleicht sogar einmal die Wahrheit lesen kann.

Berthold Beimler

Fussnoten:

(1) http://taz.de/Die-kleine-Wortkunde/!152775/

(2) http://taz.de/Schlagloch-Luegenpresse/!154460/

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