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Repertoire der Pflichtübungen «Linke sollten Weihnachten hassen...»

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Jedes Jahr erinnern die Menschen spektrenübergreifend daran, dass der eigentliche Zweck des Weihnachtsfestes ja längst zwischen Tonnen von Lametta und Geschenken erstickt und das Fest der Liebe zum Fest des Konsums verkommen wäre.

Karin Beate Nøsterud  norden.org
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Bild: Karin Beate Nøsterud / norden.org (CC BY 2.5 cropped)

25. Dezember 2015

25. Dez. 2015

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Die Zeit stellt fest, dass “Müllberge, Akkordarbeit, Konsumstress”(1) die Folge des Weihnachtsfestes seien und bereits 2011 schrieb der Althippi Langhans, dass “Eigentlich klar [ist], dass Linke Weihnachten hassen sollten” (2) – eben weil es zum Kauffest geworden wäre.

Dabei ist die beschauliche Rückbesinnung auf den Herrn im Himmel der uns geboren ward wohl einer der ursprünglichsten Ideen des Weihnachtsfestes und drückt in seinem Sehnen nach einem guten Herren eine so devote Lebenshaltung aus, dass I-Phones und Legoburgen auf Wunschzetteln eigentlich sympathischer wirken sollten. Die Sorte Kinder, die für einen Herren, der sie ausnahmsweisse mal nicht verprügelt, sondern sogar für sie stirbt, gerne mal auf den obligatorischen Umschlag von Oma zu Heiligabend verzichten, sind viel gefährlicher als jeder ausufernder “Konsumwahn” unterm Weihnachtsbaum.

Der Christ im Stroh ist der Idealismus einer Sorte von Menschen, die sich ein Leben ohne Herren überhaupt nicht vorstellen können, aber zumindest noch konstatieren, dass es ihre Führer im hier & heute doch nicht immer gut mit ihnen meinen. So verpflichten sie sich jenem Einen, der wirklich nur über sieverfügt, damit es ihnen gut geht – Amen.

Wenn Langhans und andere Linke den Kern des Weihnachtsfestes betrauern – da angeblich völlig verlorengegangen – geht es freilich nicht um irgendwelche heiligen Kinder, sondern um “das Fest der Liebe”, dass sich bei genauem Hinschauen als passender Anlass für die bürgerlichen Familie entpupt.

Wo einen bei genauer Betrachtung mit der “heiligen Familie” keine gemeinsamen Interessen verbinden, sondern viel eher die staatlich gesetzte Bedarfsgemeinschaft und die finanzielle Verantwortung für die Balger, die eh nicht werden wollen was man sich für sie erträumt hat, im Vordergrund stehen, da passt ein “Fest der Liebe” gut ins Repertoire der Pflichtübungen, das einmal im Jahr durchexerziert wird. Es sitzen dann alle zusammen, die man sonst nie sieht – weil einen ja auch nichts verbindet, was über den Geldbeutel und ein paar DNA Fetzen hinausgeht – und heucheln sich jene Liebe vor, die sonst ganz kalkuliert gar nicht vorkommt im menschlichen Konkurrenzkampf, der hier Gesellschaft geschumpfen wird.

Falls der Vereinzelte tatsächlich mal gerne Zeit mit seiner Familie verbringt, ist nicht das Prinzipielle widerlegt - tatsächlich lässt sich mitunter in der Zwangsgemeinschaft durch Zufall oder mit viel gutem Willen das gemeinsame Interesse finden. Oder aber, der Alltag ist bereits so unerträglich geworden, dass selbst die Pause vom Arbeiten die man mit der Familie verbringt noch als Erholung wahrgenommen wird. Der Vergleich mit der Arbeit adelt hier sogar die eigene Verwandtschaft.

Wo die Menschen tatsächlich Zeit hätten sich mit jenen zu treffen die sie mögen, bräuchte es kein “Fest der Liebe”, und wo die Menschen nicht als vereinzelt Einzelne gegen jeden anderen antreten müssten in dem Versuch ihre Reproduktion zu arrangieren, da braucht es auch die Familie nicht. Es ist also bei weitem nicht die “Konsummentalität”, welche das eigentlich gute Weihnachten kaputtmacht, sondern viel eher der Flachbildfernseher unter dem Weihnachtsbaum, welcher die religiös-devote Liebesheuchelei der stillen Nacht noch erträglich macht.

Berthold Beimler

Fussnoten:

(1) http://www.zeit.de/wirtschaft/2012-12/weihnachtskonsum

(2) http://www.taz.de/!83858/

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