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Geplante Obsoleszenz „Kaufen für die Müllhalde ist gut für die Konjunktur“

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Da soll nochmal einer behaupten, dass das kapitalistische Wachstum dem Konsum und den Verbraucher*innen dient. Es ist genau umgekehrt: „Konsum ist eine wichtige Wachstumsstütze.“

Elektronikschrott in einer Recyclingsfirma in Goslar, Deutschland.
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Bild: Elektronikschrott in einer Recyclingsfirma in Goslar, Deutschland. / Volker Thies (CC BY-SA 3.0 unported - cropped)

11. Februar 2015

11. 02. 2015

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Auch wenn alle Konsumenten total ‘satt’ sind, und nichts mehr brauchen, dann gilt nicht einfach: Schön, dann wird halt weniger gearbeitet. Nein, gerade dann bekommt die Wirtschaft ein Problem! Im Kapitalismus muss unbedingt weiter und mehr produziert werden. Und wenn die Leute nicht freiwillig 3 Drucker auf einmal kaufen, dann muss man sie eben dazu zwingen, indem man die Produkte möglichst schnell kaputt gehen lässt: „Damit … ständig weiter konsumiert wird, muss alles immer schneller kaputtgehen oder trotz voller Funktionsfähigkeit ersetzt werden. Dabei helfe die Wirtschaft mit dem absichtlichen Verschleiss nach.“ [1]

Also von wegen der Kapitalismus sei eine Art von Bedarfswirtschaft, die die Bedürfnisse der Leute bestmöglich befriedigt: Das Bedürfnis der Menschen ist bloss Mittel für das Geschäft. Der eigentliche Zweck dieser Wirtschaftsweise ist die Vermehrung von Geld. Und dieser Geldvermehrungs-Zweck scheint so masslos zu sein, dass die Beschränktheit des Konsums glatt eine ärgerliche Schranke dafür ist. Also nicht der unendliche Konsumdrang der Menschen erfordert ein unendliches Wachstum. In Wirklichkeit kommt die Verbraucher*innen ihrer Konsumpflicht kaum mehr nach, zu dem ihm das Geldwachstum der Wirtschaft quasi verpflichtet!

Es ist noch nicht einmal so, dass die Konjunktur in ihrem Verlangen nach unendlich viel Konsum wenigstens alle Grundbedürfnisse befriedigen würde. Die Wirtschaft und der Handel können über zu wenig Konsum jammern, während anderswo immer noch gehungert wird! Das Geldwachstum braucht nicht einfach unendlich viel Nachfrage, sondern unendlich viel Nachfrage, die bezahlen kann. Die Zahlungsfähigkeit der meisten Menschen wird wiederum durch die Wirtschaft gestiftet, in dem sie den Arbeitnehmenden Lohn zahlt. Nur sind die Unternehmen beim Lohn immer sehr geizig, weil er für sie ein Kostenfaktor ist, also gerade ein Abzug von ihrem Geldwachstum. Und welches Unternehmen finanziert schon gerne durch höhere Lohnkosten die Gewinne der anderen Betriebe… Insgesamt gibt es dann Überproduktion neben Unterversorgung, weil alle Unternehmen mit viel zu viel Waren um die beschränkte Zahlungsfähigkeit der Massen konkurrieren, die sie selber knapp halten.

Warum brauchen dann alle dieses Wachstum, obwohl es kaum einer konsumieren kann? Der „Konsumzwang“ geht angeblich so: „… jeder ist sich bewusst, wenn er weniger kauft, leiden darunter der Detailhandel und die Industrie. Und wenn die Wirtschaft leidet, droht Arbeitslosigkeit und am Schluss büsst die ganze Bevölkerung.“ (Bund, ebd.) Nicht, dass man mit einem Grosseinkauf seinen Arbeitsplatz sichern könnte, aber „am Schluss“ gilt immer: Ausgerechnet, wenn es zu viel gibt, weil es keiner mehr kauft, dann müssen die Leute befürchten, dass sie weniger bekommen, weil sie ihren Job verlieren.

Deshalb gibt es spätestens in jeder Wirtschaftskrise Menge Menschen mit unbefriedigten Konsumbedürfnissen, die aber kein Geld haben; jede Menge Produktionsanlagen, die zwar Konsumgüter produzieren könnten, aber kein Geld einbringen; und jede Menge Arbeitslose, die zwar diese Produktionsanlagen bedienen könnten, mit deren Arbeit kein Geld verdient werden kann. Alles wäre da – Konsumbedürfnisse, Produktionsmittel und Arbeitkräfte – aber weil es auf das Geld-verdienen ankommt, steht in jeder Konjunkturphase mehr oder weniger einiges still. Also von wegen: Dem Geld gelingt es, Angebot und Nachfrage zu organisieren und die Güter zu verteilen. Spätestens in einer Krise zeigt sich genau das Gegenteil: Vieles wäre produzierbar, aber alles ist abhängig gemacht vom Geld und seinem Wachstum!

Die Rolle der Konsumenten*innen ist also recht anspruchsvoll. Einerseits sollen sie möglichst viel Geld ausgeben, um den Unternehmen ihre Gewinne zu finanzieren. Andererseits sollen sie als betrieblicher Kostenfaktor nicht zu viel Kosten. Die nächste Absatzkrise kommt also bestimmt, in der es wieder zu viele Waren gibt, die zwar einige Konsument*innen brauchen könnten, sich aber nicht leisten können, und dann auch noch ihren Job verlieren. Also bevor man anfängt, möglichst viel zu konsumieren, um nicht entlassen zu werden, sollte man vielleicht diese absurde Abhängigkeit des eigenen Lebensunterhalts vom fremden Geldwachstum aufzukündigen!

Der „Bund“ fragte zu dem Thema vier „Experten“, „wie viel Wachstum ist gut für die Schweiz?“ Damit war bereits unterstellt, dass das kapitalistische Wachstum grundsätzlich nicht in Frage gestellt werden darf, weil es eigentlich gut für die Schweiz ist „– egal, ob man das Wachstum mag. Denn es wäre dumm, kategorisch auszuschliessen, dass die Wirtschaft eines Tages zu wachsen aufhören könnte.“ (M. Hänggi, 4. Experte) Und so kategorisch voreingenommen präsentierten die Experten dann auch ihre Ergebnisse: Es bräuchte „weniger“ Wachstum, ein „reguliertes“ Wachstum, ein „nicht quantitatives“ Wachstum, sondern ein „qualitatives“ Wachstum. Und so drückten sich alle um die Systemfrage herum, warum dieses Wachstum überhaupt den meisten Leuten nicht dient, sondern ihren Konsum und ihre Arbeitskraft immer nur ausnutzt; und auch nur so lange, wie die Leute nützliche Arbeit liefern und zahlungsfähig bleiben.

überzeit

Fussnoten:

[1] http://www.derbund.ch/schweiz/standard/Kaufen-fuer-die-Muellhalde-ist-gut-fuer-die-Konjunktur/story/31407234

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