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Frauenkampftag - Kleine Polemik zum 8. März | Untergrund-Blättle

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Kleine Polemik zum 8. März Frauenkampftag

Gesellschaft

Am 8. März ist Frauenkampftag und die Linksradikale der BRD macht sich mal wieder auf den Weg in ein besseres Morgen. Die klassische Aufteilung der feministischen Spektren finden sich auch im Jahre 2015, hier anhand der Aufrufe zum Frauenkampftag in Freiburg und Stuttgart.

Demo zum Frauenkampftag in Oslo, Dänemark.
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Bild: Demo zum Frauenkampftag in Oslo, Dänemark. / KaBrStoralm (CC BY-SA 4.0 cropped)

5. März 2014
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So finden sich wie jedes Jahr wieder ein:

a.) Die tapferen Kämpferinnen für die sprachliche Gleichberechtigung der Frau. Der angemeldete Veränderungsbedarf gilt dem fehlenden Respekt, der dem weiblichen Geschlecht und/oder Menschen schwarzer Hautfarbe entgegengebracht wird; ihre “Diskriminierung” als irgendwie minderwertige Kreaturen widerspreche dem Gleichheitsgebot bürgerlicher Staaten. Das Feld, auf dem hier Kritik geübt wird, ist erklärtermassen das der “Political Correctness (P.C.)”: der modernen Unart demokratischer Diskussionskultur. Welche Namen man einer Bevölkerungsgruppe gibt, wieviel Achtung man seinem Gegenüber zollt: Das halten die Vertreter der P.C. mit vollem Ernst für das Entscheidende, wenn sich Mann und Frau, In- und Ausländer – egal, ob im Berufs-, Privat- oder politischen Leben – begegnen.

Mit dieser Abstraktion machen sie sich an die sprachhygienische Umwertung negativer in positive Begriffe und erfinden sittliche Benimmregeln, die Frauen, Proleten & Homos mit und ohne Migrantenhintergrund das Gefühl vermitteln, als vollwertige Gesellschaftsmitglieder akzeptiert zu sein. Diese Übung stösst, auch und v.a. bei sozial oder politisch benachteiligten Gruppen, auf ein geradezu leidenschaftliches Echo. Sie fordern von Behörden, Firmen und Mitmenschen, als “sehr geehrte” Damen, MitarbeiterInnen oder Schwarze behandelt zu werden: Jeder an seinem Platz – als Chefin oder Schlecker-Frau, als Gastarbeiter oder Asylant – soll den Respekt ernten, der ihm/ihr in der jeweiligen Rolle gebührt. In der Frauenfrage gilt die Kritik der Differenz zwischen längst vollzogener Emanzipation in Sachen Dienste für Kapital & Staat und deren moralischer Anerkennung, in der Ausländerfrage mehr der vermissten Gleichbehandlung: In beiden Fällen ächtet die P.C. die populären Etiketten der Verachtung bzw. alltäglichen Sitten der Herablassung – und rettet so die Ehre der Opfer. So erweist sich die endlose Gender- und Rassen-Debatte als ebenso verlogenes wie verdrechseltes Kompliment an die kapitalistische Klassengesellschaft, in der “mensch” gleichgestellt sein will – wenigstens moralisch.

b.) Materielle Gleichberechtigung fordert dieses Jahr der internationale Frauenkampftag in Freiburg. Die Frauen im Breisgau haben der Politik des Versprechen abgelauscht, dass sie „dieselben Zugangschancen zu Beruf, Bildung und Politik“ (1) haben werden, müssen nun aber feststellen, dass es noch immer „gravierende Unterschiede“ gibt zwischen Männchen und Weibchen. An der Aufteilung dieser Gesellschaft in mies bezahlten Erzieherjobs, Niedriglohnsektor etc. für die einen und Managerposten und dem Stellen von Herrschaftspersonal auf der anderen Seite, stört diese Feministinnen die ungleiche Aufteilung der Geschlechter.

Die ganz prinzipielle Zumutung sich für fremdes Eigentum benutzen zu lassen ergänzen diese Kämpferinnen um das Ideal der geschlechtlichen Gleichberechtigung bei der Vernutzung des eigenen Lebens für fremde Interessen und werden darüber richtig rebellisch. Gerade in der Erziehung und in der Pflege – dort, wo viele Frauen arbeiten – wird schlecht gezahlt: „Wir fordern eine Aufwertung dieser Berufe und ihre Anerkennung als einen wichtigen Grundpfeiler dieser Gesellschaft.“ (1) Im Namen all der Frauen die bereitwillig das kaputte und alt gewordene Material der Herrschaft pflegen und das junge auf ein Leben in Arbeit vorbereiten kann man doch einmal mehr Geld fordern: Immerhin sind sie ‚systemrelevant‘ und sind ein „wichtiger Grundpfeiler dieser Gesellschaft“!

c.) Die Gegnerinnen des Patriarchats gehen auf Ursachenforschung für die schlechte Situation der Frau. „Die patriarchalen Strukturen unserer Gesellschaft sind die Ursachen dafür“ (2), womit nichts als eine Tautologie abgeliefert wird: Dass die Frauen schlecht wegkommen in einer Gesellschaft wird Patriarchat genannt – und genau dieses Patriarchat soll jetzt auch der Grund für das sein, was das Wort eigentlich beschreiben soll. Die Unterdrückung der Frau ist also Ursache und Produkt der Unterdrückung der Frau! Der Kapitalismus spielt natürlich trotzdem eine Rolle: „Der Kapitalismus beherbergt das Patriarchat als Mechanismus, um mehr Profit zu erlangen“ (2).

Wie genau ‚der Kapitalismus‘ ‚das Patriarchat‘ einsetzt um ‚mehr Profit‘ zu erlangen (für wen eigentlich? Für ‚den Kapitalismus‘?) wird leider nicht beschrieben. Auch der Staat wird noch eingeführt, ist doch der diesjährige Schwerpunkt das Elend der Flüchtlingsfrauen. So beklagen sie die scheussliche Lage der Flüchtigen mit einer Verharmlosung der staatlichen Asylpraxis: Die „Art und Weise des Verfahrens“ im bundesdeutschen Asylprozess seien „mehr als nur unzureichend, um die persönlichen Geschichten der Frauen fassen zu können“ (2) – womit die Stuttgarter Frauengruppe dem Asyl gleich ein Zweck unterjubeln, den es gar nicht hat. Akribisch wird jede Widerlichkeit aufgezählt, die Frauen in den Heimen zu erleiden haben, als ob es sich um Versäumnisse der Staatsgewalt handeln würde, die durch die Schaffung einer empörten Öffentlichkeit schnell vermieden werden könnten.

Berthold Beimler



Fussnoten:

(1) http://8maerzfreiburg.blogsport.de/

(2) http://frauengruppestgt.blogsport.de/2015/02/18/8-maerz-kampf-fuer-ein-besseres-leben-aller-frauen/

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