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Nummernschilder auf Ration Auto-Schilder, in China das teuerste «Metall»

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China hat begonnen, die Auto-Zulassungen zu rationieren – nicht aus Umweltschutzgründen, sondern wegen der viel zu vielen Staus.

StauAlltag in Shanghai, China.
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Bild: Stau-Alltag in Shanghai, China. / Carsten Ullrich (CC BY-SA 2.0 cropped)

14. August 2012
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Davon kann Europa oder Amerika nur träumen: Der Automarkt blüht und gedeiht. Allerdings sitzen in Chinas Mega-Städten die stolzen Autofahrer mit ihren schicken Karossen heillos in monumentalen Verkehrsstaus fest. Durchschnitts-Geschwindigkeit während der Rush-hour knapp 15km/h. Um die Zahl der neu zugelassenen Autos zu verringern, rationieren die Behörden die Nummernschilder. Die Autoproduzenten sind – neudeutsch ausgedrückt – not amused.

Nach Shanghai und Peking jetzt auch Kanton

Jetzt hat es nach den Pekinger und Schanghaier auch die Kantonesen erwischt. In der Provinzmetropole Guangzhou (Kanton) mit 16 Millionen Einwohnern wird die Neuzulassung von Autos auf 10'000 pro Monat begrenzt. Xian Weixiong, Direktor der Kantonesischen Verkehrs-Kommission, begründet das so: «Mit 2,4 Millionen Autos auf der Strasse gibt es riesige Verkehrsstaus am Morgen, Mittag und Abend – wir mussten etwas tun». Wer ein Auto kaufen will, muss zuerst eine Nummer haben. In Kanton werden so 5'000 Nummern mit einer Lotterie und 5'000 in einer Auktion verteilt. Eine Zulassung zu erhalten, ist also schwierig und teuer. Jeden Monat nämlich wollen sich über 30'000 Kantonesen einen Wagen zulegen. Mit andern Worten: die Nachfrage nach Autonummern übersteigt bei weitem das Angebot. Die Folge nach dem klassichen kapitalistischen Lehrbuch: die Preise steigen. Und das gilt auch für die «sozialistische Marktwirtschaft chinesischer Prägung».

Und wie! Shanghai, die Finanz- und Wirtschaftsmetropole, macht es vor. Bereits 1994 begannen die rührigen Stadtväter sich Sorgen um den Verkehr zu machen. Sie bauten folglich das öffentliche Verkehrsnetz in Rekordtempo aus und limitierten die Neuzulassungen von Autos. In Auktionen – heute meist per Internet und Telephon – werden die Autonummern vergeben. Zu sagenhaften Preisen. Im Mai wurde ein neuer Rekord aufgestellt mit 64'367 Yuan, umgerechnet rund 10'000 Franken. Im Volksmund werden deshalb die Autonummern als das «teuerste Metall» in China bezeichnet. Trotzdem kommen so immer noch jeden Monat achttausend neue Wagen auf die verstopften Shanghaier Strassen.

Verbote sind da, umgangen zu werden

Wie überall in China gibt es auch beim Autonummern-Problem findige Köpfe, um Unmögliches möglich zu machen. Einige ergatterten sich ganz einfach Autonummern in Nachbarnprovinzen, etwa in Jiangzu oder Zhejiang. Wiederum andere boten bei der Auktion mit und verdienten sich beim Weiterverkauf eine goldene Nase. Jetzt haben die Behörden ein Weiterverkaufsverbot für drei Jahre erlassen. Aber wie gesagt, China ist innovativ. Das juristische Schlupfloch fanden einige Kreative beim Occassionshandel, denn Wagen aus zweiter Hand sind von der dreijährigen Frist ausgenommen.

Öffentliche Verkehr erst im Aufbau

In Peking sind die Verhältnisse noch desperater. In der 20-Millionen-Megalopolis verkehren mittlerweile über fünf Millionen Autos. Die Stadtväter sind nicht zu beneiden. Noch kurz vor der Jahrhundertwende gab es erst etwas mehr als eine halbe Million Autos und neun Millionen Fahrrähder. 2005 waren es bereits 2,5 Millionen Autos. Seit Beginn des Jahrhunderts wurden die Öffentlichen Verkehrsmittel, vor allem die Untergrundbahn, in Rekordtempo ausgebaut. Hunderte von Kilometern von sechs- bis achtspurigen Ringstrassen wurden gebaut. Dennoch, die Staus zu Hauptverkehrszeiten wurden immer schlimmer. Im letzten Jahr begann dann Peking, die Neuzulassungen pro Montat auf 20'000 Autos zu beschränken. Die Autonummern werden mit einer monatlichen Lotterie mit derzeit weit über einer halben Million Teilnehmern vergeben. Aber auch in Peking können Kluge Nummernschilder in der Nachbarprovinz Hebei beschaffen. Die Schönen, Reichen und Berühmten wiederum lassen ihre Beziehungen – Guangxi – spielen. Auch Cash kann zuweilen mehr als viele Worte überzeugen.

Es ist nur eine Frage der Zeit, bis auch andere Städte den Vorreitern Peking, Shanghai und Kanton folgen werden. Hinter all den Massnahmen stehen zunächst ökonomische Beweggründe. Mit einer verstopften Infrastruktur, so das Argument, wird auch die Wirtschaft beeinträchtigt. Peking beispielsweise ist nach einer Untersuchung der UNO zusammen mit Mexiko City das schlimmste Pflaster für Pendler. Ein wichtiger Faktor ist immer mehr auch der Umweltschutz. «Ein gründes öffentliches Verkehrssystem» zum Beispiel will Kanton bis Ende dieses Jahrzehnts schaffen, d.h. mehr Elektro-Busse auf separaten Spuren und mehr Untergrund-Bahnlinien.

Wenig Verständnis bei der Industrie

Die Automobil-Industrie – auch in China ein Grundpfeiler der Volkswirtschaft – ist ob der Einschränkungen natürlich nicht glücklich. An zweistellige jährliche Wachstumsraten gewöhnt, müssen die heimischen wie die in China fertigenden ausländischen Produzenten etwas zurückbuchstabieren. Nach Zahlen der «Assoziation der Chinesischen Automobil-Herstellen» sind in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres 9,6 Millionen Autos in China verkauft worden. Mehr als im Land der unbegrenzten Mobilität, den USA, aber eben «nur» 2,9 Prozent mehr als in der Vergleichsperiode des Vorjahrs. Aufs Jahr berechnet hoffen die Hersteller in China noch auf ein «bescheidenes» Wachstum von fünf Prozentpunkten.

Trotz allem: die Lösung heisst Öffentlicher Verkehr

Weitere Einschränkungen von Auto-Zulassungen werden neben Peking, Shanghai und Kanton landesweit in den Grossstädten folgen. Doch das ist, nach Erkenntnissen von chinesischen Verkehrsforschern, nicht die Lösung. Yang Xiaoguang von der renommierten Shanghaier Tongji-Universität glaubt nicht, dass mit Einschränkungen langfristig das Problem gelöst werden kann. «Mit den Notfallmassnahmen», sagt Professor Yang, «kann nur das Symptom, nicht aber die Krankheit besiegt werden». Und fügt hinzu: «Die einzige Lösung liegt in der Entwicklung eines öffentlichen Verkehrssystems von höchster Qualität».

Peter G. Achten /Infosperber

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