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Wer’s nicht glaubt, ist krank | Untergrund-Blättle

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Gesellschaft

Chancengleichheit Wer’s nicht glaubt, ist krank

Gesellschaft

Wer unter der Angst leidet, jederzeit seinen Job verlieren zu können oder einfach in die Welt sieht und feststellt, dass er – zum Beispiel in Südeuropa geboren oder gar in Afrika – mit der gleichen “Leistung” keine Möglichkeit hätte, leben zu können, der macht “für die eigenen guten Leistungen nicht die eigenen Fähigkeiten verantwortlich”, sondern “Glück, nette Prüfer oder einfach Zufall”.

Erfolg oder Versagen.
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Bild: Erfolg oder Versagen. Ist wirklich jeder seines Glückes eigenen Schmied? /Ari Canonica (CC BY-SA 3.0)

7. August 2014
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Ein Blick ins Schulzimmer mag dieses Urteil auch nahelegen. Wer in einer Klasse mit überdurchschnittlichen Mathekönnern landet, bekommt – es sind eben Vergleichsnoten – schlechtere Klausuren als in einer Klasse mit Nieten in der Mathematik. Konkurrenz entscheidet sich eben nicht nur an der eigenen Leistung, sondern auch an der Leistung der anderen Konkurrenten – und nicht zu letzt an der Nachfrage nach der eigenen Leistung. Selbst wer also – im Vergleich – leistungsfähig ist, hat noch lange keinen Job in der Tasche, wenn er Leistung bringt in Berufen, die gerade – zeitlich oder räumlich – nicht nachgefragt sind bei den Unternehmen.

Wer aber realisiert, dass “nicht das eigene Können” verantworlich ist für die Stellung in der Gesellschaft hat damit – will man der SZ folgen – nicht einen Schritt hingemacht dazu, die Ideologie der Leistungsgesellschaft zu durchschauen, sondern “leidet unter dem Hochstapler-Syndrom [...], macht Glück oder Zufall für seine Erfolge verantwortlich”. Die Ideologie, jeder sei seines Glückes Schmied wird also verpflichtend: Wer’s nicht glaubt, ist krank.

Aber wie immer bei Krankheiten ist eine Heilung möglich. Die besteht natürlich nicht in der Wegschaffung von Konkurrenz und des “grosser Leidensdrucks”, der auf den Betroffenen lastet, sondern in der Einstellung zur Konkurrenz: Da werden die Eltern von möglichen Krankheitsfällen gemahnt, “Erfolge der Person selbst zuzuschreiben, also die eigenen Fähigkeiten zu loben oder die Anstrengung”. Umgekehrt ist das natürlich längst klar. Wer es hier zu nichts bringt, Hungerleider ist und bleibt, der hat auch das der eigenen Person zuzuschreiben.

Egal ob Manager oder totes Humankapital: Wer seine gesellschaftliche Rolle nicht als ureigensten Ausdruck seiner Leistungsfähigkeit und -bereitschaft verstehen will, leidet unter einem psychischen Defekt. Zum Glück kann jeder von uns diesen armen Gestalten helfen, sei es auch nur im Kleinen: “Wünschen Sie vor einer Aufgabe “Viel Erfolg” und nie “Viel Glück”!”

Berthold Beimler

Alle Zitate aus dem Artikel der SZ:

http://www.sueddeutsche.de/karriere/hochstapler-syndrom-quaelende-angst-vor-dem-auffliegen-1.2030960

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