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Zureich: Big Boom | Untergrund-Blättle

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Gesellschaft

Aufschwung im Zentrum von Zureich Big Boom

Gesellschaft

ZÜRICH - Eine Stadt atmet auf: Der rechtsfreie Raum "Hotel GarNie" wird am 1.Oktober 2001 endlich dem Erdboden gleichgemacht.

Zürich West.
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Bild: Zürich West. / MadGeographer(CC BY-SA 3.0 unported - cropped)

25. Mai 2001
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Jetzt steht dem Heiligen Boom auch im Kreis 4 nichts mehr im Weg.

Die unerträglichen Zustände an der Ecke Stauffacherstr. / HermannGreulichstr. gehören bald der Vergangenheit an. Über 70 Leute widersetzten sich an diesem Schandfleck während drei Monaten auf unsägliche Weise dem Heiligen Boom: Der Ort wurde zum Treffpunkt unterschiedlichster Randfiguren, die dort einfach so machten, was sie wollte. Doch das Schlimmste: Bei all diesen Aktivitäten wurde kaum Geld umgesetzt!

Wie hätte so jemals der heilige Boom zustande kommen sollen? Doch jetzt ist's aus mit dem munteren Treiben. Bald wird uns die saubere Fassade eines stylishen Designerhotels tagtäglich anlachen und bestätigen, dass sich der heilige Boom nicht mehr aufhalten lässt. Dem Gesindel hingegen, das die besagten Räumlichkeiten ''besetzte'' - wird in Zukunft ein rauherer Wind um die Ohren wehen.

Die akute Wohnungsnot sowie die bald eintretenden winterlichen Temperaturen geben uns allen Anlass zu hoffen dass ES bald verschwindet. Kritische Stimmen mahnen aber, diese Hoffnung sei noch verfrüht.

"Endlich wieder höhere Mieten!" Das meinen die Quartierbewohner zum Heiligen Boom:

Andrea Aquarell (24) Künstlerin:
Ich habe selbst dort gelebt! Es war schrecklich!
"Den ganzen Tag konnte ich dort kreativ tätig sein, ohne unter finanziellem Druck zu stehen. Dadurch verlor ich völlig den Bezug zur Realität. Der Abriss der Häuser gibt mir die einzigartige Möglichkeit, mich wieder im freien Markt zu integrieren und dadurch meine Mitmenschen wieder besser zu verstehen. Gerade wir künstlerisch tätigen Menschen sollen das kreative Potential des Heiligen Booms zu schätzen wissen. Erst der alltägliche Stress wie Wohnungssuche Temporärjob etc, gibt uns die Möglichkeit, uns richtig zu entfalten."




Lydia Zaster (33) Therapeutin:
"Ich wohne seit rund drei Monaten im Kreis 4. Die exotische Atmosphäre rund um die Langstrasse gefällt mir echt, der einzige Nachteil war die ärmlich-schmutzige Erscheinung gewisser Häuser und Gestalten.

Dies musste ich mir natürlich immer wieder von meinen Kollegen vorhalten lassen. Darum unterstütze ich das Hotelprojekt vorbehaltlos. So steigen dann endlich die Mieten und das Quartier wird hoffentlich freundlicher. Ein Designerhotel an dieser Stelle zieht nationales Publikum an und trägt so zur multikulturellen Vielfalt der Umgebung bei."





Roland Raser (52) Versicherungsberater:
"Als langjähriger Autofahrer ist mir die solidarische Gemeinschaft des Feierabendverkehrs sehr ans Herz gewachsen. Heute reden plötzlich alle von Wohnungsnot, dabei vergisst man leicht, dass gerade Wohnquartiere den Verkehrsfluss und damit zwangsläufig auch den Heiligen Boom ins Stocken bringen. Ich denke da an all die Kinder, Velofahrer, Fussgängerstreifen etc. Ich bin froh, dass der Schandfleck vor der Rosengartenstr. endlich verschwindet, ich hab nämlich schon mit eigenen Augen gesehen, wie dort wehrlose Autofahrer mit Wasserballonen beworfen wurden.''






Rolf "Saubermann" Vieli (?) Langstrasse PLUS / Stapo Urania

"Die Stadtpolizei muss härter durchgreifen, um den Boden für Elmar Ledergerbers Politik des Heiligen Booms fruchtbar zu machen Sie muss eingreifen, wo Regeln nicht eingehalten werden. Zu der Bewohnerschaft der besetzten Liegenschaften zählen ja nicht nur Drogendealer (vgl: 2OMinuten), sondern amen Moslems, sogar Schwule und Neger sollen dort hausen. Um zu sehen was geschehen kann, wenn man ein solches Pulverfass sein lässt, genügt wohl ein Blick in die USA. Als Verantwortlicher des Projektes 'Langstasse Plus'' stehe ich in engem Kontakt zur Anwohnerschaft und Quartiervereinen wie den "Hells Angels" - die Sorgen und Ängste der Bürger liegen mir sehr am Herzen.

Übrigens möchte ich das von den Hausbesetzern verbreitete Gerücht, meine Mutter habe einen Bart, entschieden dementieren.'

Fachleute der ETH Zürich haben bewiesen, dass Wohnungsnot etwas natürliches und daher ganz normales ist. Stolz präsentierte gestern S. Wright die spektakulären Ergebnisse langjähriger Forschung seines Teams. "Wir mussten hart gegen die Vorurteile über Ursachen der Wohnungsnot wie z.B. "Spekulantentum" oder "Versagen der Stadtregierung" kämpfen, die Wahrheit hat es nicht immer leicht, wir kennen das ja aus der Geschichte." Zwei Faktoren sind laut Wright aber ausschlaggebend für die zunehmende Wohnungsnot: "Immer grössere Menschen und immer mehr Haustiere lassen den Wohnraum zunehmend knapp werden."

Bild: GurkanSengun / PD

Wright's Thesen: In den letzten 100 Jahren wurden die Menschen grösser und grösser, so auch in Zürich. Das dadurch der Wohnraum halt allmählich knapp wird, dürfte ja wohl einleuchtend sein. Immer mehr Haustiere wie Hunde und Katzen nehmen uns den sowieso schon knappen Lebensraum weg, zerkratzen unsere Sofas und scheissen auf das Trottoir.

Elmar Ledergerber, designierter Stadtpräsident von Zürich (abschliessende Worte):

"Der heilige Boom hält, was er verspricht. Nur mehr Büros fördern den Durchgangsverkehr! Wählt mich zum Stadtpräsidenten, denn eure Stadt ist mein Sandkasten."
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