dem Heiligen Boom auch im Kreis 4 nichts mehr im Weg.
Die unerträglichen
Zustände an der Ecke Stauffacherstr. / HermannGreulichstr. gehören bald
der Vergangenheit an. Über 70 Leute widersetzten sich an diesem Schandfleck
während drei Monaten auf unsägliche Weise dem Heiligen Boom: Der Ort
wurde zum Treffpunkt unterschiedlichster Randfiguren, die dort einfach so machten,
was sie wollte. Doch das
Schlimmste: Bei all diesen Aktivitäten wurde kaum Geld umgesetzt!
Wie hätte so jemals der heilige Boom zustande kommen sollen? Doch jetzt ist's aus
mit dem munteren Treiben. Bald wird uns die saubere Fassade eines stylishen
Designerhotels tagtäglich anlachen und bestätigen, dass sich
der heilige Boom nicht mehr aufhalten lässt. Dem Gesindel hingegen, das
die besagten Räumlichkeiten ''besetzte'' - wird in Zukunft ein rauherer Wind um die
Ohren wehen. Die akute Wohnungsnot sowie die bald eintretenden winterlichen
Temperaturen geben uns allen Anlass zu hoffen dass ES bald verschwindet. Kritische
Stimmen mahnen aber, diese Hoffnung sei noch verfrüht.
"Endlich wieder höhere Mieten!" Das meinen die Quartierbewohner zum Heiligen
Boom:

Ich habe
selbst dort gelebt! Es war schrecklich!
"Den ganzen Tag konnte ich dort kreativ tätig sein, ohne unter finanziellem
Druck zu stehen. Dadurch verlor ich völlig den Bezug zur Realität.
Der Abriss der Häuser gibt mir die einzigartige Möglichkeit, mich
wieder im freien Markt zu integrieren und dadurch meine Mitmenschen wieder
besser zu verstehen. Gerade wir künstlerisch tätigen Menschen sollen das kreative
Potential des Heiligen Booms zu schätzen wissen. Erst der alltägliche Stress
wie Wohnungssuche Temporärjob etc, gibt uns die Möglichkeit, uns richtig
zu entfalten."

"Ich wohne seit rund drei Monaten im Kreis 4. Die exotische Atmosphäre
rund um die Langstrasse gefällt mir echt, der einzige Nachteil war die
ärmlich-schmutzige Erscheinung gewisser Häuser und Gestalten.
Dies musste ich mir natürlich immer wieder von meinen Kollegen vorhalten lassen.
Darum unterstütze ich das Hotelprojekt vorbehaltlos. So steigen dann endlich
die Mieten und das Quartier wird hoffentlich freundlicher. Ein Designerhotel
an dieser Stelle zieht nationales Publikum an und trägt so zur multikulturellen Vielfalt
der Umgebung bei."

"Als langjähriger Autofahrer ist mir die solidarische Gemeinschaft
des Feierabendverkehrs sehr ans Herz gewachsen. Heute reden plötzlich alle
von Wohnungsnot, dabei vergisst man leicht, dass gerade Wohnquartiere den Verkehrsfluss
und damit zwangsläufig auch den Heiligen Boom ins Stocken bringen. Ich
denke da an all die Kinder, Velofahrer, Fussgängerstreifen etc. Ich bin
froh, dass der Schandfleck vor der Rosengartenstr. endlich verschwindet, ich
hab nämlich schon mit eigenen Augen gesehen, wie dort wehrlose Autofahrer
mit Wasserballonen beworfen wurden.''

"Die Stadtpolizei muss härter durchgreifen, um den Boden für
Elmar Ledergerbers Politik des Heiligen Booms fruchtbar zu machen Sie muss eingreifen,
wo Regeln nicht eingehalten werden.
Zu der Bewohnerschaft der besetzten Liegenschaften
zählen ja nicht nur Drogendealer (vgl: 2OMinuten), sondern amen Moslems,
sogar Schwule und Neger sollen dort hausen. Um zu sehen was geschehen kann,
wenn man ein solches
Pulverfass sein lässt, genügt wohl ein Blick in die USA. Als Verantwortlicher
des Projektes 'Langstasse Plus'' stehe ich in engem Kontakt zur
Anwohnerschaft und Quartiervereinen wie den "Hells Angels" - die Sorgen
und Ängste der Bürger liegen mir sehr am Herzen.
Übrigens möchte
ich das von den Hausbesetzern verbreitete Gerücht, meine Mutter habe einen
Bart, entschieden dementieren.'
Fachleute
der ETH Zürich haben bewiesen, dass Wohnungsnot etwas natürliches
und daher ganz normales ist. Stolz präsentierte gestern S. Wright die spektakulären
Ergebnisse langjähriger Forschung seines Teams. "Wir mussten hart
gegen die Vorurteile über Ursachen der Wohnungsnot wie z.B. "Spekulantentum"
oder "Versagen der Stadtregierung" kämpfen, die Wahrheit hat
es nicht immer leicht, wir kennen das ja aus der Geschichte." Zwei Faktoren
sind laut Wright aber ausschlaggebend für die zunehmende Wohnungsnot: "Immer
grössere Menschen und immer mehr Haustiere lassen den Wohnraum zunehmend
knapp werden."
GurkanSengun / PD
100 Jahren wurden die Menschen grösser und grösser, so auch in Zürich.
Das dadurch der Wohnraum halt allmählich knapp wird, dürfte ja wohl
einleuchtend sein. Immer mehr Haustiere wie Hunde und Katzen nehmen uns den
sowieso schon knappen Lebensraum weg, zerkratzen unsere Sofas und scheissen
auf das Trottoir.
Elmar Ledergerber, designierter Stadtpräsident von Zürich (abschliessende
Worte):
"Der heilige Boom hält, was er verspricht. Nur mehr Büros fördern
den Durchgangsverkehr! Wählt mich zum Stadtpräsidenten, denn eure Stadt ist mein Sandkasten."



