UB-Logo Online MagazinUntergrund-Blättle

Armut bleibt das Thema | Untergrund-Blättle

4015

Gesellschaft

Die Differenzen in den USA sind grösser Armut bleibt das Thema

Gesellschaft

Nicht die Betroffenen, nicht die Verursacher: Niemand spricht gern über die Armut. Und doch muss es sein.

Obdachlose Person in New York.
Mehr Artikel
Mehr Artikel
Bild ansehen

Bild: Obdachlose Person in New York. / Vernon Pearson (PD)

30. März 2017
1
0
4 min.
Korrektur
Drucken
Wo immer über Armut diskutiert wird: Es geht fast immer vergessen oder bleibt zumindest unerwähnt, dass zwischen der absoluten Armut in den Entwicklungsländern und der relativen Armut in den Industriestaaten eine grosse Kluft besteht: In der absoluten Armut kämpfen die Menschen ums Überleben, gerade jetzt zum Beispiel in etlichen Ländern Afrikas, in der relativen Armut in der Schweiz oder in anderen europäischen Ländern geht es um den gesellschaftlichen Zusammenhalt, um Solidarität innerhalb einer mehr oder weniger geschlossenen Gesellschaft, um den sozialen Frieden. Diese Differenzierung gilt zumindest für die Länder West- und Mitteleuropas.

Die Differenzen in den USA sind grösser

Im Gegensatz zu Europa kennen die USA kein vergleichsweise starkes Sozialnetz für wirtschaftlich schwache Bevölkerungsschichten. Aber auch dort gibt es staatliche Programme zur Bekämpfung der bestehenden Armut und zur Vorbeugung gegen entstehende oder gar zunehmende Armut. Der dortige «War on Poverty» – der Krieg gegen die Armut – geht auf ein Gesetz zurück, das 1964 vom damaligen US-Präsidenten Lyndon B. Johnson in Kraft gesetzt wurde, gewissermassen als Fortsetzung des sogenannten New Deal, mit dem Präsident Franklin D. Roosevelt die schwere Wirtschaftskrise der 1930er Jahre zu überwinden suchte und dies weitestgehend auch schaffte, auch wenn die Neoliberalen das rückblickend nicht mehr wahrhaben wollen.

Jeder Europäer, der schon in den USA und dort nicht nur in Manhattan in New York City oder in San Francisco oder am Strand in Florida war, sondern sich mit eigenen Augen und Ohren auch in den Elendsquartieren der grossen Städte oder in den wirtschaftsschwachen Gegenden des Mittleren Westens umgeschaut hat, weiss, dass die sozialen Differenzen zwischen Reich und Arm in den USA deutlich grösser sind als hierzulande. Das war, von vielen politischen Beobachtern und Medien leider unterschätzt, auch mit ein Grund, warum Donald Trump entgegen fast allen Prognosen die Präsidentschaftswahlen gewinnen konnte. Donald Trump versprach grossmäulig Besserung – und die wirtschaftlich schwache Bevölkerung glaubte ihm und packte den Strohhalm – Berlusconi lässt grüssen.

«War on Poverty» wird zu «War on poor People»

Doch wie sieht jetzt das Programm des neuen Präsidenten in puncto Armutsbekämpfung aus? Neue Hilfsprogramme? Günstigere Krankenversicherungen?

Pustekuchen! Der von Trump vorgelegte Budget-Entwurf ist schlicht schockierend: Das Militärbudget soll um über 10 Prozent erhöht werden, andere Budgetpositionen, die dem sozialen Ausgleich dienen sollten, aber um 15 bis 30 Prozent gekürzt!

Schockierend ist dies nicht etwa nur in den Augen von uns Europäern. Auch US-Amerikaner sehen es so: «Die wichtigsten Budget-Beschneidungen der Hilfs-Programme für die Bedürftigen drehen den 'Krieg gegen die Armut in einen Krieg gegen die armen Leute', sagte Joel Berg, der Chef der Organisation Hunger Free America – Hungerfreies Amerika – , ein ehemaliger Beamter unter Präsident Clinton, zu diesem Budget-Vorschlag.

(Major cuts to programs designed to help the needy «turn a War on Poverty into a war on poor people,» said Joel Berg, the chief executive officer of Hunger Free America and a former official under President Bill Clinton.)

Nachzulesen sind diese Informationen auf der Website des Finanz-InformationsdienstesBloomberg, der politisch wahrlich nicht links positioniert ist.

Ob ein solches Budget den Kongress so passieren wird, darf bezweifelt werden. Auch auf Seite der Republikaner dürften sich einige daran erinnern, wer Donald Trump in den Sattel des Präsidenten gehoben hat.

Das Gute an der Geschichte

Vielleicht haben diese Entwicklungen wenigstens einen guten Effekt: Dass das Thema Armut – in differenzierter Weise, wie oben ausgeführt – endlich wieder auf den politischen Tisch kommt. Denn die Migration, die die Welt bedroht, wie viele meinen und befürchten, lässt sich letztlich nicht mit Mauern eindämmen (wie es das Wort bildhaft sagt). Nur eine verminderte Kluft zwischen Reich und Arm kann die Situation nachhaltig ändern. Und dies nicht etwa nur innerhalb der nationalstaatlichen Gesellschaften, sondern vor allem auch zwischen den Ländern des reichen Nordens und des armen Südens.

Christian Müller /Infosperber

Mehr zum Thema...
Allen Grund zum Feiern.
Offizielle Statistik zeigt ein verzerrtes BildDie Superreichen sind noch reicher als angenommen

06.10.2016

- Topverdiener in Deutschland kassieren viel mehr als offizielle Zahlen angeben.

mehr...
Ein CannabisGrower in Denver, USA, erklärt Touristen den Anbau von Cannabis, Mai 2018.
Zeit für eine Neu-Beurteilung der Risiken183 Millionen Kiffer

22.06.2018

- Der Umgang mit Marihuana ist lockerer geworden.

mehr...
«Die Regierung ist keine Schwangerschaft.
Wer Wind sät, wird Sturm erntenSchwarze Regenschirme, weisse Kittel und die Abtreibungsfrage in Polen

12.10.2016

- In Polen ist es in den vergangenen Wochen zu einer bisher beispiellosen und erfolgreichen Mobilisierung von Frauen gegen eine radikale Verschärfung des ohnehin sehr restriktiven Abtreibungsrechtes gekommen.

mehr...
’In weiter Ferne - Das Ende der Armut’ (IZ3W)

10.05.2013 - Obwohl die Welt längst die Mittel zur Beseitigung der Armut bereithält und Armut angesichts der steigenden Kluft zwischen Arm und Reich als Skandal ...

Armgespeist - 20 Jahre Tafeln sind genug

26.04.2013 - Die Unterschiede zwischen arm und reich werden in Deutschland immer grösser. Fast 16% der Bevölkerung in Deutschland ist armutsgefährdet. Viele ...

Dossier: Klimawandel
Klimawandel
Propaganda
Helene Fischer: Von Kinderhand für mich gemacht

Aktueller Termin in Dortmund

Spendenannahme

Wir vom Rekorder und Grenzenlosen Wärme möchten eine dauerhafte Spendenannahme ermöglichen!Es ist uns wichtig, einerseits Menschen zu unterstützen, die sich aktuell auf der Flucht befinden, sowie lokale Initiativen zu supporten und ...

Sonntag, 5. Dezember 2021 - 15:00

Rekorder, Gneisenaustraße 55, 44147 Dortmund

Event in Berlin

Karaoke Night with KJ Der Käpt’n

Sonntag, 5. Dezember 2021
- 20:00 -

Schokoladen

Ackerstraße 169

10115 Berlin

Mehr auf UB online...

Untergrund-Blättle