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The Next Free Project Was kommt nach Freier Software und Wikipedia?

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Der deutsche Mathematiker David Hilbert stellte auf dem Welt-Mathematikerkongress von 1900 zehn ungelöste Probleme der Mathematik vor, die er später auf 23 ausweitete.

Was kommt nach Freier Software und Wikipedia?.
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Was kommt nach Freier Software und Wikipedia?. Foto: Thomas Bresson / CC BY 3.0 unported - cropped

19. November 2005
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Sie beeinflussten die weitere Entwicklung der Mathematik erheblich. Auf dem Wikipedia-Kongress in Frankfurt/M. im August 2005 griff Wikipedia-Gründer Jimmy Wales diese Tradition auf und schlug in einem “Freien Kultur Manifest” vor, worauf die globale Community ihre Aufmerksamkeit richten möge: “Zehn Dinge, die frei sein müssen”1.

Die freie Enzyklopädie Wikipedia hält Wales für Englisch und Deutsch für erledigt, Französisch und Japanisch seien fast soweit. Viele Sprachen würden in den nächsten Jahren folgen, darunter auch solche, für die es noch nie eine Enzyklopädie gab.

Die Befreiung des Wörterbuchs sei wesentlich schwieriger, da erst ein weitgehend vollständiges Wörterbuch nützlich sei. Das freie Online-Wörterbuch Wictionary nehme aber zunehmend Fahrt auf.

Die Befreiung des Curriculums für alle Sprachen sei die Voraussetzung für eine freie Ausbildung – vom Kindergarten bis zur Universität. Mit Wikibooks gäbe es hier ein vielversprechendes Projekt.

Mit der Befreiung der Musik hat Wales nicht – wie man zunächst denken könnte – den freien Tausch von Musikdateien (Filesharing) im Auge, sondern ihm geht es auch hier um die Herstellung von freier Musik für alle. Viele klassische Werke stünden bereits als Werke der Public Domain zur Verfügung, aber für neuere Stücke gelte das noch nicht. Wales schlägt vor, dass gesponserte Orchester ihre Werke freigeben sollten.

Die Befreiung der darstellenden Kunst sieht Wales als Durchsetzung des Anspruches, Bilder und Gemälde, für die der Urheberrechtsschutz abgelaufen ist, frei abbilden zu können – zum Beispiel in der Wikipedia. Museen wollten mit der Begründung, die Bilder seien in ihrem Besitz, genau das jedoch verhindern.

Die Befreiung der Dateiformate ist für Wales Voraussetzung für die Durchsetzung Freier Software. Nur wenn die Dateiformate offen lägen und frei wären, könnten Nutzerinnen und Nutzer ihre Software frei wählen. Entscheidend sei hierbei die Verhinderung von Softwarepatenten.

Die Befreiung der Landkarten gewinnt mit den populär gewordenen Projekten von Google-Earth und World Wind eine wachsende Bedeutung. Schliesslich sei der Platz auf der Erde die “Public Domain” schlechthin.

Mit der Befreiung der Produktcodes will Wales die Abhängigkeit der Produktlogistik von einzelnen Unternehmen verhindern. Vorbild ist für Wales hier das ISBN-System.

Auf die USA bezogen ist die Forderung nach einer Befreiung der TV-Informationen. Da die Kabelnetzbetreiber in den USA bestimmen würden, was in den Programm-Zeitschriften erscheine, würden sie indirekt entscheiden, was im Fernsehen zu sehen sei und auf diese Weise die Öffentlichkeit beeinflussen.

Die zehnte Forderung nach Befreiung der Communities geht an die freie Bewegung selbst, sich nicht in die Abhängigkeit von Firmen zu begeben und auf freien Lizenzen zu bestehen.

Der Stand des Bewusstseins

Die zehn Befreiungsforderungen von Jimmy Wales spiegeln die Debatte in der sehr breiten und sehr heterogenen freien Community wider. Sehr wichtige Punkte stehen neben eher fragwürdigen – wie den freien TV-Informationen. Brennende Fragen sind komplett unerwähnt geblieben wie zum Beispiel freie Suchmaschinen. In etlichen Bereichen sieht die Lage eher schlecht aus. So hat die Firma Corbis, die Bill Gates gehört, die Rechte von etwa 70 Mio. Bildern aufgekauft und betreibt eine restriktive Lizensierungspraxis.

Sehr interessant ist die Forderung nach freien Produktcodes. Viele werden sich gefragt haben, was das soll, aber hierbei geht es um die wenig beachtete Frage nach der Organisation der Produktlogistik. Dieses Thema ist in Bezug auf eine mögliche gesellschaftliche Transformation absolut zentral. Soll die Allokation von Gütern nicht dem blinden Marktmechanismus überlassen bleiben, so ist die Möglichkeit der globalen Information über und der Steuerung von Güterströmen ein Dreh- und Angelpunkt. Doch weder Jimmy Wales noch die freie Community sind in der Lage, über den Status Quo der Warenform des Hier und Jetzt hinauszudenken.

Ökonomisch handelt es sich bei den “Zehn Dingen” um Entwertungsprojekte. Bislang proprietär unter exklusiver Privatverfügung gehaltene Informationen sollen nun allen zugänglich gemacht werden. Ist mit der Allgemeinverfügung einmal die Voraussetzung der Knappheit2 entfallen, bricht die Warenform und die Verwertung wird schwierig bis unmöglich. Es handelt sich um einen realen Befreiungsakt – sie wissen es nicht, aber sie tun es.

Mit der ökonomischen Entwertung von Teilbereichen bricht der Kapitalismus nicht zusammen. Im Gegenteil bedeutet die Entwertung bei einem Unternehmen eine Kostenentlastung und damit Überlebensverlängerung bei einem anderen Unternehmen. Damit unterstützt die freie Bewegung, was sich ökonomisch ohnehin vollzieht, nämlich den Abbau von Wertsubstanz. Während Unternehmen aufgrund des ökonomischen Zwangs, den Einsatz von lebendiger Arbeit stetig zu minimieren, immer weniger Wert erzeugen, entzieht die freie Bewegung vorhandene Sparten direkt der Verwertung. Der wesentliche Unterschied ist hierbei, dass der von Unternehmen mit immer weniger Arbeitseinsatz geschaffene immer grössere stoffliche Reichtum keineswegs den Menschen zur Verfügung steht, während die direkt entwerteten freien Produkte allen Menschen unmittelbar zugute kommen.

Wer die Freie Software bereits vor einigen Jahren totsagte, wer Wikipedia noch letztes Jahr belächelte, hat sich geirrt. Die Expansion der freien Entwertungsbewegung geht weiter, die Vernetzungen mit globalisierungskritischen Bewegungen werden intensiver. Einzelne Länder haben die Potenzen erkannt. Brasilien, Venezuela, Kuba, Indien – in vielen Ländern ist die Förderung Freier Software ein Mittel, um sich aus den Klauen der Software-Monopole zu befreien. Doch auch die Widersprüche und die Gegenwehr des Empires wachsen – mit Softwarepatenten, Digital Restriction Management und massiver Propaganda soll die Kontrolle bewahrt werden. Die nächsten Jahre werden spannend.

Stefan Meretz
streifzuege.org

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