UB-Logo Online MagazinUntergrund-Blättle

Über die Schwierigkeiten der Gegenöffentlichkeit im digitalen Zeitalter

121

Arbeitsethos, Individualisierung & Vereinzelung Über die Schwierigkeiten der Gegenöffentlichkeit im digitalen Zeitalter

eraser-677583-70

Digital

Eingangs wäre zu bestimmen, was Gegenöffentlichkeit ist, was sie sein könnte, welche Perspektiven sie hätte, was ihr Ort und wo sie zu verorten wäre – wir würden damit in eine Diskussion um eine emanzipatorische Medienpraxis hineinstechen, die in dieser Form derzeit allerdings kaum mehr geführt wird.

Über die Schwierigkeiten der Gegenöffentlichkeit im digitalen Zeitalter.
Mehr Artikel
Mehr Artikel
Bild vergrössern

Über die Schwierigkeiten der Gegenöffentlichkeit im digitalen Zeitalter. Foto: Amadvr / CC BY-SA 3.0 unported - cropped

Datum 25. November 2013
0
0
Lesezeit23 min.
DruckenDrucken
KorrekturKorrektur
Kurz gesagt beinhaltet die Gegenöffentlichkeit, wie ich
sie nach wie vor für sinnvoll und nötig halte, die Produktion von
Diskursen und die Verbreitung von emanzipatorischen Inhalten, die
quer zum kapitalistischen Mainstream und seinen Paradigmen liegen.
Zu nennen wären Stichworte wie Arbeitsethos, Individualisierung
& Vereinzelung, Staatlichkeit als Organisationsprinzip & Nationalismus
als Identifikationsangebot, Zurichtung der Menschen auf
ihre Verwertbarkeit und Reduzierung auf ihre Kaufkraft, Fixierung
der Mitsprache- und Gestaltungsmöglichkeiten auf parlamentarischdemokratische
Rituale etc.

Gegenöffentlichkeit ist integraler Bestandteil einer umfassenderen
Gegenkultur, welche aus der Verschmelzung von Kommunikation,
Alltagsleben, Spontaneität, Kreativität, von Utopie, Verweigerung
und sozial-politischem Engagement etc. besteht. Um die Thematik
nicht allzu sehr ausufern zu lassen, möchte ich im folgenden die
Buch- und Verlagsbranche in den Vordergrund stellen. „Objektiv“
will dieser Text nicht sein – es werden auch einige der Umstände genannt,
die zur Beendigung des von mir mit initiierten Anares Buchvertriebes
führten, der „Blick zurück im Zorn“ ist sicher spürbar. Wir
begeben uns in diesem Text auch in die Niederungen des Kapitalismus und sehen, dass das Alltags- und Konsumverhalten stets ein Politisches
ist, und werden dabei auch eine Kritik der digitalen Medien
zur Diskussion stellen.

Das Buch der Zukunft?

„Das Schöne am E-Book ist ja, dass man da jetzt die ganzen alten
Bücher kostenlos bekommt, die man schon immer mal lesen wollte“,
äusserte Antje Schrupp im März 2012 in ihrem ansonsten von
mir sehr geschätzten Blog1. Doch
ist das Bekenntnis zum E-Book
eher ein Glaubensbekenntnis als
dass es einer näheren Überprüfung
standhielte.

Denn 1. wird
weiterhin nicht jedes in den vergangenen
Jahrzehnten erschienene
Buch als E-Book lieferbar
sein, 2. ist das E-Book keineswegs
generell kostenlos oder auch nur
günstig, 3. erleichtern die digitalen
Medien noch die Hegemonie
über die ganze Verwertungskette
(z. B. über die Abhängigkeit von
Lesegeräten und die vermeintliche
Entbehrlichkeit von Verlagen) und
vergrössern so die Dominanz von
weltweit bestenfalls einer Handvoll
grosser Konzerne wie Amazon
– und schliesslich hat, 4., das
Medium weitreichende Folgen für
die Produktion von Öffentlichkeit
(wir erinnern uns an McLuhans
Ausspruch „Das Medium ist die
Botschaft“).
Dabei soll es jetzt nicht um kulturpessimistisches
Herumjammern gehen – trotz Filmtechnik gibt es
noch Theater, trotz Fotografie noch Malerei, trotz Downloads noch
Schallplatten etc. So wird es auch künftig Bücher geben – womöglich
sogar schönere, da das Medium Buch mittels herausragender Gestaltung
seinen ästhetisch-haptischen Pluspunkt wunderbar herausstellen
kann. Nur wird das jeweilige„oldstyle“-Medium zum einen vom
Habitus her, zum anderen aus Kaufkraftgründen (Handwerk ist teurer,
kleinere Auflage auch etc.) zunehmend elitärer. Doch der Reihe
nach:

1. Im bisherigen (Print-)Buchmarkt ist ja keineswegs „alles“ publiziert
worden. Auch diese Branche war immer auch kapitalistischen
Prinzipien unterworfen, doch wurden diese Bedingungen lange Zeit
abgefedert durch das kulturelle Ansehen der Bücher, eine relativ stabile
Leser*innenschaft, die Preisbindung etc. So wurden etliche Nischen
ermöglicht – ich will das hier nicht idyllisieren, einfach war
es trotz allem nie –, es gab immer wieder ambitionierte Verlage mit
anspruchsvollen Programmen und handwerklich gut gemachten wie gut lektorierten Büchern. Wenn nun „jede*r sein*ihr eigene*r
Autor*in“ wird, wird der Buchmarkt vorübergehend sehr unübersichtlich
und mehr denn je von schlechten Büchern geflutet. Eine
gewisse Qualitätskontrolle ist ja nicht grundsätzlich verkehrt. Selbst
wenn „Self-Publishing“ dem einen oder anderen inhaltlichen oder
stilistischen Experiment mal eine Chance gibt, ist immer noch die
Frage, wie die Information über das Experiment die potentiell Interessierten
erreicht. Doch ist dies nur eine mediale Zwischenetappe –
im anbrechenden E-Book-Zeitalter
ist absehbar, dass die verfügbaren
Inhalte mehr denn je auf die Verkäuflichkeit
zugerichtet werden.

2. Keine Frage, Kultur sollte bezahlbar
bleiben, und ein zu striktes
Copyright-System ist nicht mehr
zeitgemäss. Doch es ist geradezu
obszön, nur noch für Technik bezahlen
zu wollen, nicht mehr für
die Inhalte. Und, wenig beachtet:
Der Umstand, dass E-Books bekanntlich
nicht gekauft werden
können (es wird eine Lizenz für
die Nutzung enthoben) macht die
E-Books teils sogar teurer als gedruckte
Bücher – wenn sie z. B.
mehrmals heruntergeladen werden,
ebenso wie für institutionelle
NutzerInnen (z. B. Bibliotheken),
die von vornherein höhere
Grundgebühren zahlen müssen.
Gebühren, die dann die wiederum
zulasten des Etats für Printmedien
gehen (Etatkürzungen, die sich
auch für Anares – wir haben aufgrund
unseres sehr spezialisierten
Angebotes viel mit wissenschaftlichen Bibliotheken aus aller Welt zu
tun – bemerkbar machen). Kostenlos geht anders, bezahlt wird sehr
wohl, fragt sich nur wie viel, von wem, und für was.

3. Wenn die Marktmacht erst einmal vollends durchgesetzt ist, werden
die Lesegeräte teurer. Und nie war es so einfach, aussagekräftige
Daten über das Leseverhalten zu erheben – Daten, die verkauft werden
können, die aber auch ohne diese Zweitverwertung schon problematisch
sind, da dann in Zukunft noch mehr nur (digital) produziert
werden wird, was eben auch gewollt, sprich absetzbar ist.

Mehr denn je wird die prognostizierte Reichweite bestimmen, was wir zu
lesen bekommen. Um den Preis, dass die Leser*innen gläsern werden.
Wer das durch die eigene Mediennutzung noch mitträgt, muss sich
jedenfalls nicht mehr um das Agieren von US-Geheimdiensten o. Ä.
echauffieren.

4. Der klassische Sortimentsbuchladen wird ebenso tendenziell vom
Aussterben bedroht sein wie sein gesellschaftskritischer Ableger
in Form linker Buchläden – beide waren ja immer auch ein Stück
Kommunikationsort, ermöglichten also unmittelbaren Austausch, Inspirationen, Diskussionen. Das angebliche „social selling“, wie es
selbsternannte „Trendsetter“ wie Sascha Lobo gerne propagieren,
beschleunigt das Buchhandels- und Antiquariatssterben, es forciert
somit auch eine bedenkliche soziale Eruption. Die entstehende Lücke
- zumal E-Books vielfach über soziale Netzwerke beworben und verkauft
werden, also an den Läden vorbei – werden „E-Book-Stores“ nie
füllen. Und vormals halbwegs öffentliche Diskurse werden dann vollends
fragmentarisiert.
Sicher, einige Buchläden werden überleben,
und sei es in Reservaten wie den „Bücherdörfern“. Doch die Arbeit
im Buchhandel, die Stimmung in den Läden wird eine andere: „Wir
beantworten nicht mehr Fragen zum Inhalt von Büchern, sondern
zur Funktion von E-Readern“2.

Als Bildschirm-Medium wird dem E-Book auch dort, wo es Opulenz
zu vermitteln sucht, bestenfalls eine Infotainment-Architektur gelingen,
die mehr ablenkt als illustriert oder veranschaulicht. Auch wenn
einige Features bei besser gemachten E-Books durchaus mal ihren
Reiz haben mögen: Die Tendenz zur Zerstreuung ist dem E-Book immanent,
bringen es die neuen visuellen Medien doch mit sich, auch
den letzten Anschein von Inhaltlichkeit zu liquidieren. Der Polemik
von Hans Magnus Enzensberger gegen das „Nullmedium“ Fernsehen
ist hier zuzustimmen, wobei diese Kritik heute zu erweitern wäre.

Glücklicher bloggen?

Soweit zu den E-Books. Natürlich, es muss eben auch nicht „alles“
publiziert werden. Und so manche*r „bloggt“ denn ja auch gerne – es
muss nicht alles druckreif ausformuliert werden, es kann schnell auf
aktuelle Ereignisse reagiert werden (siehe z. B. „Arabellion“, wo via
Blog schnell Tausende zu Kundgebungen mobilisiert werden konnten).
Doch auch hier zeigt ein zweiter Blick, dass diese Entwicklung
nicht das ist, was wir, denen uns an Gegenöffentlichkeit liegt, wollen
können:

· der Druck zur Geschwindigkeit (erste*r sein) zwingt zu vorschnellen
Veröffentlichungen, es dominiert dabei oft eine Zuspitzung statt
differenzierter Argumentationen

· Falschinformationen werden rasant verbreitet, die Öffentlichkeit so
häufig eher desinformiert und hysterisiert als mit kritischen (Gegen-)
Informationen versorgt

· eine hohe Schlagwortdichte ist beabsichtigt, um im Suchmaschinenranking
möglichst weit oben aufzutauchen, was sich nicht immer
schön liest – und die Form bestimmt bzw. dominiert allzu häufig den
Inhalt

· ALLES wird geschrieben – doch wer soll es lesen? Und vor allem:
wann? Gerade im allgegenwärtigen Geplapper gehen die wichtigen,
grundlegenden Inhalte unter.
· Das Konzept Gegenöffentlichkeit wird so tatsächlich obsolet. Und
die „leisen“ Printmedien haben in der Aufmerksamkeitsökonomie
dabei den schwersten Stand. Zumal viele dem Irrglauben anhängen,
sie könnten die gesuchten Informationen ebenso gut im Netz finden.
Natürlich, der Blog kann eine sehr sinnvolle Ergänzung sein zum
Buch, zur Zeitschrift, zum Radio (wie eingangs schon „gestanden“,
lese ich einige wenige Blogs selbst hin & wieder) – aber eben auch
nicht mehr.

Wenig beachtet ist die Tatsache, dass auch dieses Medium,
wie das gesamte Internet, nicht so demokratisch ist, wie es zu
sein vorgibt – global betrachtet artikulieren sich hier die ökonomischen
wie Bildungseliten, existierende Machtverhältnisse (die auch
zur Meinungsmacht führen) werden daher letztlich tendenziell sogar
eher verstärkt3. Dass die vielzitierten „bildungsfernen Schichten“
sich eher dem E-Book als dem Papierbuch zuwenden, ist einer der
zahlreichen IT-Mythen.

Es braucht insofern keine hellseherischen Fähigkeiten: Wenn die
Printmedien in ihrer Verbreitung abnehmen, können sich populistische
Stimmungen und Meinungsmanipulationen besser durchsetzen
– die Ware Information wird immer mehr zur unmittelbaren
Werbung, wenn niemand mehr für Lektorate, Journalist*innen etc.
bezahlen will. Klar, „kostenlose Inhalte“, wie es Google & Co. suggerieren
und z. T. auch durchgesetzt haben, das klingt erst einmal
attraktiv.

Vergessen wird allerdings, dass es nicht zuletzt Sinn der
grossen IT-Firmen ist, Daten zu sammeln (sie sind deren Kapital, nur
so können sie diese Dienste anbieten) – und sie dabei vielfach mit
Geheimdiensten wie dem NSA zusammenarbeiten. Und am Ende dieser
Entwicklung werden Amazon (Gründer Jeff Bezos hat aus seinem
Privatvermögen schon mal die Washington Post gekauft), Facebook,
Google etc. die neuen Nachrichtenportale sein – und die einzigen.
Nicht schwer auszudenken, was sie gedruckt haben wollen. Auch
wenn Meinungsfreiheit schon immer ein Mythos war: Besser wird's
nicht.

Subversives Rascheln

Das Buch ist „gewissermassen der Anarchist unter den heutigen Massenmedien“,
sagten die Kolleg*innen von der – inzwischen leider auch
eingestellten – „Basis Buchhandlung“ in München angesichts dieser
Entwicklung einmal. Wild und unberechenbar. Lesen, verstanden im
Kontext von Gegenöffentlichkeit, ist insofern nicht zuletzt Widerstand,
ein Akt des Verweigerns – wir lesen nicht für etwas, sondern gegen,
sind „Ausreisser, die im Begriff sind, geboren zu werden“4.

Lesen ist,
wo es als Leidenschaft begriffen wird, immer auch ein Akt von Befreiung,
von Freiheit. Das Lesen von Büchern lässt noch Raum für eigene
– nicht so umstandslos wie bei den digitalen Medien kontrollierbare
– Gedankengänge und Verknüpfungen. Das Buch will in dem Tempo
erkundet werden, dass die Leser*innen ihrer Lektüre geben – nicht im
Rhythmus der Maschinen und ihrer flimmernden, stetig wechselnden
Bilder, dem Rauschen ihrer pausenlos abgesonderten Töne.

Das Buch ist bei alledem ein*e sanfte*r Anarchist*in, vergleichsweise
unaufgeregt gegenüber dem Zwang der neueren Medien zu Aktualität,
aufsehenerregenden Hypes, Suchmaschinen-Rankings etc. Das Internet
hat diesen „anarchistischen Charakter“5 schon lange nicht mehr.
Und das gilt aus der Konsument*innen-Perspektive ebenso wie aus
jener der Herstellenden: Wer hilft Autor*innen und Verlagen künftig
über 2, 3 wirtschaftlich „schlechte“ Bücher hinweg? Bevor auch im
Verlagssektor der Renditedruck alles überrollte, war die sogenannte
Mischfinanzierung (besser laufende Titel ziehen mal ein im Verkauf
floppendes Werk mit sich) selbstverständlich.

Digitale Verstörung - Error

Der Medienphilosoph Vilém Flusser hat einmal betont, dass wir es
seit der Digitalisierung zugleich mit einer neuen Denkart zu tun haben,
die „keine prozessuelle, aufklärerische, kritische mehr ist“, so
dass „die Welt, der Mensch, die Gesellschaft nicht mehr als zu verändernde
Gegebenheiten erscheinen“6 – was natürlich auch eine sehr
fatalistisch klingende Betrachtung ist. Doch auffallend ist der Bankrott
jeglichen kritischen Denkens schon: Wozu braucht jemand 100
Paar Schuhe?

Bücher jedoch werden als „Ballast“ empfunden – so
wurde es uns oft gesagt, wenn man uns gebrauchte Bücher zum Kauf
anbot (hat sich aber, man lebt im „Land der Dichter und Denker“,
gescheut, sie „einfach wegzuwerfen“, denn „das bringe ich nicht über
das Herz“). Als Anstrengung wird das Lesen eines Buches häufig begriffen
– nicht das stundenlange „surfen“ im Netz. Ein Buch lesen?

Innehalten, reflektieren, resümieren? Keine Zeit! So wird es wohl
kaum etwas mit dem „Ausgang aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit“,
als die Immanuel Kant den Prozess der Aufklärung einmal
bezeichnete. Und so ist die Beratung im Buchhandel vielerorts nicht
mehr gewollt – sie wird, ebenso wie die von den Buchhändler*innen
getroffene Vorauswahl („Zensur“!) der angebotenen Bücher, eher als
„bevormundend“ denn als inspirierend und hilfreich empfunden.

So hatten wir auch im Buchladen viele Kunden, die „das eine“ Buch
wollten, sich auf keine Hinweise links und rechts des Regals einlassen
wollten. Dabei finden wir im Netz nur, was wir suchen (die
„Kunden, die dieses Produkt gekauft haben...“-Funktion hilft nicht
wirklich weiter) – im Buchladen können sich dagegen ganz neue Türen
öffnen. Jedenfalls für die, die bereit sind, ausgelatschte Pfade zu
verlassen. Doch das sind nur wenige, zu wenige. Die innere Konditionierung
hin auf die mystisch verklärten neuen Medien ist eben schon
weit vorangeschritten.

Friedliche Koexistenz?

Dieser Text ist mit dem Feuer der Wut und einem kopfschüttelnden
Unverständnis denen gegenüber geschrieben, die mit einer gehörigen
Portion Dummheit und Naivität die neuen Medien verklären. Doch
soll hier nicht der Eindruck entstehen, ich würde diese Entwicklung
verteufeln und die darin steckenden Möglichkeiten ignorieren. Um
ein Beispiel zu nennen: Das Neuartige des am 1. Januar 1994 begonnenen
zapatistischen Aufstandes im südmexikanischen Chiapas als
im Grunde „erster Revolution des 21. Jahrhunderts“ liegt nicht zuletzt
darin, dass hier erstmals die Bedeutung des Internet für die internationale
Kommunikation sehr klar erkannt und aufgegriffen wurde.

Und natürlich bietet die Tatsache, dass die vorliegende Zeitung auch
in digitaler Form erscheint, die Chance, Menschen zu erreichen, die
sie ansonsten nicht gelesen hätten. Aber die Zapatist*innen wissen
sehr wohl um die Bedeutung der direkten Kommunikation (und laden
daher z. B. immer wieder zu „intergalaktischen“ Treffen ein), und
diese Zeitung erscheint eben AUCH digital, während vielerorts heute
der Eindruck erweckt wird, der unmittelbare Austausch und die traditionellen
Medien seien überholt und überflüssig.

Insofern habe ich hier versucht, eine meines Erachtens zu wenig
beachtete Problematik aufzuzeigen, die darin liegt, dass wir einer
Illusionsmaschine erliegen (die die neuen Medien darstellen, wenn
wir zu unreflektiert mit ihnen umgehen), mittels derer wir unserer
Bewusstsein in Teilbereiche zerlegen – analog etwa der Zerlegung
der Arbeit in häufig nicht mehr miteinander vermittelte Einzelschritte
im Zuge der Industrialisierung. Das „Natürliche“ im Umgang des
sozialen Wesens Mensch und die Sinnlichkeit drohen dabei verloren
zu gehen, wir machen uns zu Techno-Androiden, die sich in der gegenwärtigen
Informationsgesellschaft permanent selbst überfordern.

Wir entfernen uns damit von den Möglichkeiten, die die Technik bietet
– vielleicht mangelt es uns einfach an der Medienkompetenz? –,
rücken von den eigentlichen Anliegen ab (jedenfalls, wenn es uns mit
der emanzipatorischen Gesellschaftsveränderung ernst ist) und begeben
uns in eine gefährliche Abhängigkeit von Informationsriesen,
die unser Denken und unsere Arbeitswelt auf den Kopf stellen. Damit
feilen wir selbst an unserer eigenen Entmündigung. Diese Entmündigung
ist keineswegs auf den Medienbereich beschränkt, lässt sich
aber anhand der Entwicklung von Journalismus und Buchbranche
besonders deutlich nachvollziehen.

Insekten & Grosskatzen

Der US-Multi ist eine Hegemonialmacht, die in allen Bereichen des
Buchmarktes dominante Positionen zu erobern versucht (die aggressive
militärische Begrifflichkeit ist hier angebracht). Ist diese Position
erreicht, werden die Preise – siehe derzeit die Amazon-Buchpreise in
den USA – dann kräftig nach oben gedrückt. Davon, wie der Konzern
Steuern umgeht, will ich hier gar nicht reden – schliesslich haben
Staaten diese Möglichkeiten mit ihrer Steuerpolitik selbst geschaffen,
ebenso wie die Grundlagen für die umfassende Leih- und Zeitarbeit.

Dass der Konzern jedes Jahr wieder Tausende von Arbeitslosen
„probeweise“ unbezahlt im Weihnachtsgeschäft malochen lässt - geschenkt.
Problematisch und doch vielen Kund*innen unbekannt ist:

1. dass viele Anbieter*innen schlicht ökonomisch abhängig sind von
den Umsätzen, die auf den Amazon-Plattformen (hierzu zählen u. a.
auch Abebooks und ZVAB) sind;

2. dass Amazon aufgrund seiner Vorgaben (Bestellungen sind innerhalb
24 Stunden zu bearbeiten) den Anbieter*innen dann eine 7-Tage-
Woche aufnötigt; 3. dass Amazon sämtliche rechtliche Risiken den Anbieter*innen aufdrückt
und diese so u. a. teuren Abmahnungen aussetzt;

4. dass Amazon sehr hohe Gebühren hat, die einerseits die Preise eher
steigen liessen – andererseits aber durch einen hohen Konkurrenzdruck
und die (jüngst gefallene) sog. Preisparität den Anbieter*innen
ein ruinöses Preislevel aufnötigt, mit dem schlicht keine akzeptablen
Löhne mehr gezahlt werden können;

5. dass Amazon auch den Verlagen wesentlich höhere Rabatte als
diese den Buchläden einräumen können, regelrecht aufdiktiert (es
ist schwierig bis unmöglich für die meisten Verlage, auf diesen Verkaufskanal
zu verzichten);

6. dass Amazon die profitablen und unkomplizierten Umsätze macht
– und BuchhändlerInnen vor Ort nur noch die aufwendigen Kleinbestellungen
ausführen können, z. B. wenn ein Titel nicht bei Amazon
lieferbar ist.

Wie heisst das afrikanische Sprichwort: „Der Floh macht Löwen mehr
zu schaffen als Löwen dem Floh“. Ergo: Mehr Flöhe braucht es. Und
mehr Stiche.

Buch und Handlung

Der Anspruch von linken Buchläden war stets, Bücher anzubieten,
die es anderswo – zumindest in diesem Umfang – nicht gibt. Die
meisten dieser Läden wollten über den Buchverkauf hinaus auch
Funktionen eines kleinen sozialen Zentrums wahrnehmen: Buskarten
zu Demos verkaufen, Plakate und Flyer zum Mitnehmen auslegen,
eben Treffpunkt sein, Kommunikation und Diskussion anregen.
Damit sind diese Läden (deren Hoch-Zeit ohnehin schon rund 30
Jahre zurück liegt, als ein gemeinsamer „Verband linker Buchläden“
einmal über 100 Mitglieder hatte)7 neben der hier ansatzweise skizzierten
ohnehin schwierigen Entwicklung auch noch von ihrem ideellen
Umfeld abhängig.

Wo es schon als Erfolg gilt, wenn die Zahl der Buchhandlungen halbwegs
konstant bleibt, ist die Situation für Buchläden aus dem linken
Milieu erheblich schwieriger, weil das Umfeld
a) seit Jahren – vorsichtig gesagt – zahlenmässig stagniert,

b) besonders medienaffin ist und insofern sich auch viel über das Internet
informiert,

c) auch entsprechend viel über das Internet kauft (politisches Kaufbewusstsein
wie vor ein paar Jahrzehnten, wo man auch einen Umweg
zu „seiner“ Buchhandlung in Kauf nahm, existiert nicht mehr) und

d) vielfach auch ökonomisch besonders prekär und von den sozialpolitischen
„Reformen“ der letzten Jahre überproportional betroffen ist.

In dieser Situation gibt es, von den USA ausgehend, eine zunehmende
„localism“-Bewegung (hierzulande „buy local“), mit der den
Kund*innen die Vorteile des unmittelbaren Kaufens in Fachgeschäften
vor Ort nahegebracht werden soll. In manchen Appellen, etwa
wenn „wir verantwortlich für unsere Stadt“ sein sollen, schwingt
zwar auch ziemlicher Unsinn mit, doch ansonsten ist es schliesslich
eine feine Sache, wenn Menschen wieder miteinander in eine direkte
Beziehung treten – und beinhaltet in jedem Fall Möglichkeiten.

„Think global, act local“ war gar mal eine bekannte linke Parole (und
Aufforderung!). In Ländern wo die Preisbindung existiert, ist nicht
einmal der Preis ein Argument, die grossen Ketten (deren Wettrennen
um immer mehr und immer grössere Buchkaufhäuser in den Städten
allerdings auch erstmal beendet scheint) immer weiter zu bereichern.
Die – glauben wir den Medienberichten – verbreitete „diffuse Wut“
gegen „den Kapitalismus“ etc. führt bisher nämlich kaum zu praktischen
Konsequenzen.

„Tauchen auch noch so viele eso-faschistische oder rechtsradikale
Publikationen im Programm von Vertrieben wie Amazon auf, bestellt
der linke Historiker oder die junge Antifafrau dort doch ungebrochen,
hält aber die Erhebung eines Eintrittspreises für Veranstaltungen
in einer linken Buchhandlung für kapitalistisches Teufelswerk“,
monierte desillusioniert eine linke Buchhändlerin8. „Buy local“ ist
insofern eine Erinnerung: Manchmal muss mensch sich eben nur
mal wieder ein bisschen physisch bewegen. Mal vom Bildschirm weg
gehen und vor die Tür treten. Ab und zu ist das schon eine ganze
Menge: Als wir unseren Buchladen hatten, haben viele Kund*innen
via Internet bei uns bestellt, die 1 oder 2 Strassen weiter wohnten. Sie
hatten gar nicht realisiert, bei wem sie kauften. Wenn die ganze Welt
nur wenige Klicks entfernt ist, wird das Agieren manchmal reichlich
kopflos.

Einige Gründe, warum die Zukunft ohne Anares stattfindet
Angesichts des Geschriebenen wird es nicht erstaunen, dass die Luft
bei Anares heraus ist (wenn hier von Anares die Rede ist, ist nicht die
ehemalige Föderation gemeint, sondern Anares in Bremen). Weder
finanziell noch motivatorisch macht es für uns derzeit Sinn, das Projekt weiterzubetreiben. Kann sein, dass Jüngere dies anders sehen,
sie mehr Elan und ein paar frische Ideen haben und auch mal wieder
einen neuen libertären Medienvertrieb starten. Sie sollten sich aber
in keinem Fall Illusionen über die schwierigen Rahmenbedingungen
machen. Einige gehen aus diesem Text schon hervor (z. B. der Druck,
mit Firmen wie Amazon zusammenarbeiten zu müssen, auch das geänderte
Mediennutzungsverhalten), andere möchte ich hier nochmal
kurz stichpunktartig zusammenfassen:

Der Preisverfall schreitet stetig voran. Das mag vordergründig für die
KäuferInnen angenehm sein. Welchen Ankaufspreis sollen wir aber
jemandem zahlen, wenn zu befürchten ist, dass das Buch womöglich
3, 4 oder auch 5 Jahre am Lager liegt und dann andere Anbieter*innen
es für ein Fünftel des ursprünglich angesetzten Preises anbieten (was
kein Einzelfall ist)? „Sie haben kein Bücherangebot, sondern ein Entsorgungsproblem“,
heisst es dann oft unter Kolleg*innen. Doch wie
sollen wir uns selbst angesichts dieser Entwicklung noch halbwegs
akzeptable Löhne zahlen? So ist es kurzsichtig, sich über den Preisverfall
zu freuen – sichtbar ist, dass als erstes gerade die engagierten
Buchläden und Antiquariate schliessen. Die Orte, an denen sich
Menschen über widerständige Inhalte und Praxen informieren und
verständigen können, schwinden damit dahin.

Die Preisgestaltung ist völlig entkoppelt von einer inhaltlichen
Wertigkeit: Das gute aufklärerische Werk oder die schön gemachte
Erstausgabe eines*einer Exilautor*in bringt kaum mehr Geld rein, so
manches fürchterliche esoterische Buch könnte (und müsste eigentlich
auch, ökonomisch betrachtet) man dagegen für viel Geld anbieten
– solange es nicht doch jemand einen Cent billiger (automatische
Preisanpassungstools sind zunehmend verbreitet) anbietet. Forciert
wird die Preisentwicklung von Privatanbieter*innen („wir entrümpeln
Omas Dachboden“) aber auch von „sozialen Betrieben“, die mit
1-Euro-Jobs etc. arbeiten – finanziell nur überleben zu können, wenn
man letzteres auch mitmacht, kann es nicht sein.

Die Tendenz geht somit zu entweder a) automatisiertes Einscannen
der Bücher (Massenware & Fliessbandarbeit) z. B. von Gefangenen im
Knast (machen Kolleg*innen!) o. Ä. im Billigbereich oder b) nur noch
seltene, d. h. höherwertige und teure Ware anbieten. Ersteres ist indiskutabel,
und an die teuren Sachen kommt man eben auch nicht
mal eben so heran – zudem wäre eine Entwicklung Richtung Edel-
Antiquariat nicht das, wofür Anares stand, wollten wir doch immer
primär Literatur vermitteln, die „ein Werkzeug zu Aufklärung und
Veränderung“ sein sollte, wie wir es 2004 mal formulierten.

Man arbeitet bald rund um die Uhr, um das Projekt aufrechterhalten
zu können - „Das ist nur auszuhalten, wenn es einem Spass macht“,
zitierte die gewiss nicht müssiggängerische Frankfurter Allgemeine
mal einen Kollegen9. Dabei haben wir mal das „Recht auf Faulheit“
gedruckt und wollten gegen die Arbeit kämpfen... Und: was heisst
schon Spass? „Wir sind alle Sklaven des Internet“, äussert im selben
Artikel ein Kollege – was auch bedeutet: Die Kund*innen werden
immer fordernder, erpressen einen mit „sonst gehe ich zu Amazon“,
Ungeduld und Unhöflichkeit sind alltäglich und wenig erquicklich.

Bewusst haben wir im Jahr 2000 einen Buchladen gegründet, der
jedoch nicht wie gewünscht (und ökonomisch nötig) angenommen
wurde – aber es gab natürlich hier und da persönlichen Austausch,
wir organisierten Veranstaltungen etc., Dinge, die heute fast völlig
fehlen: Uum einen, weil wir es nie geschafft haben, das stabile
Netzwerk zu bilden, das Anares eben auch regelmässig nutzt und
entwickelt, Veranstaltungen mit konzipiert und durchführt etc., und
so viele uns an sich wichtige Pläne nie realisiert wurden, was auch
schon mal unbefriedigend ist. Zum anderen findet die Arbeit beinahe
ausschliesslich am Computer statt – schon von der Arbeitsform her
eine starke Entfremdung, ein täglicher Widerspruch zu den eigenen
Hoffnungen und Bedürfnissen, der zunehmend weniger auszuhalten
war.

Anares sollte und wollte immer mehr sein als eine Buchverkaufsstelle.
Wir wollten „Sand im Getriebe der herrschenden Macht und
ihrer Anmassungen“ sein, wie wir es 2004 auf die damalige Homepage
schrieben. Anares verstand sich als Scharnier libertärer Infrastruktur,
der Vertrieb sollte nicht primär ein ökonomisch, sondern
vor allem ein politisches/ kulturelles Projekt sein, dass in gesellschaftliche
Entwicklungen intervenieren sollte, und sei es durch Bereitstellung
von Informationsmaterial, die Erstellung von Literaturlisten
zu wichtigen Themen, die Durchführung von Büchertischen
etc.

Dies gelang eigentlich nie im erhofften Umfang – seit sich Anfang
der 2000er Jahre auf breiter Ebene durchsetzte verschärfte sich diese
Kluft zum Anspruch. Denn seither wurden wir wie oben beschrieben
zu Sklav*innen, denen es in der aufgenötigten Rastlosigkeit nicht
mehr gelang eigene Akzente zu setzen. So gab es keine Möglichkeiten
mehr, inhaltliche Positionen und unseren Widerspruch vehementer
und öffentlich wahrnehmbarer deutlich zu machen.

Abschliessend sei nochmal aus dem Jahr 2004 zitiert, wobei es bitter
ist, die letzten Jahre trotz aller Kämpfe von dieser Vision nur immer
weiter entrückt zu sein: „Denn das Spektakel ist das Gefängnis unserer
wahren Bedürfnisse & Wünsche. Das gesellschaftliche Leben
befindet sich im Geiselgriff der Warengesellschaft, die das Leben enteignet
und eine leere, seelenlose Hülle zurücklässt... Werfen wir die
Fernseher aus dem Fenster raus & schlagen wir die Bücher wieder
auf!“

Wenn Frust über die Lust dominiert, und das über Jahre, heisst es
einen Schlussstrich zu ziehen. Und letztlich waren es einfach zu viele
Kröten, die wir schlucken mussten. Widerspruchsfrei ist das „richtige
Leben im Falschen“ nie, vermutlich auch nicht richtig. Höchstens
richtiger. Und mit den Jahren wurden die Widersprüche mehr statt
weniger.

Doch mit den dargestellten Problemen stehen wir nicht alleine
da. Umso bedauerlicher ist es, dass offensichtlich auch in linken/
libertären Kreisen das Denken schon so weit individualisiert ist,
dass kollektive Organisationsmodelle gegen die um sich greifenden
Zumutungen gar nicht mehr gedacht – geschweige denn umgesetzt –
werden. Ob es dann anders gekommen wäre? Wer weiss. So hatten wir
das Gefühl, immer isolierter gegen die Windmühlen der Barbarei,
der Missachtung, des Desinteresses und der Ignoranz anzukämpfen.
Doch auch Don Quijote wird einmal müde.

Was bleibt

Wichtiger werden sowohl für die Autor*innen (um sich wahrnehmbarer zu machen und so – mangels Buchläden – die Verkäufe anzuheben)
wie für die Buchläden (der Bindung von Kund*innen wegen,
und weil es eben auch Spass macht & Sinn gibt) Veranstaltungen rund
ums Buch. Literatur live, das ermöglicht wieder Unmittelbarkeit,
kollektive Prozesse, die Interaktion mit den Lesenden. Kurzum: Das,
was wir mit unserem Bremer Buchladen seinerzeit (2000-2006) auch
anstossen wollten – hier & da vielleicht auch getan haben. So hat das
Download-Zeitalter wie in der Musik (es gibt in etlichen Gegenden
seit ein paar Jahren eine sehr agile Live-Szene) auch im literarischen
Feld seine positiven Nebeneffekte.

Wenigstens solange es die Orte
dafür gibt – ein Grund mehr, sich für gute Buchläden ebenso einzusetzen
wie für selbstbestimmte Kulturzentren etc. Was hier und da -
z. B. wenn etwa ein Buchladen durch stark steigende Mieten bedroht
ist und es Demos für seinen Erhalt gibt – tatsächlich auch schon geschieht.
Tropfen auf den heissen Stein bisher, sicher. Aber mehr als
nichts. Und wenn das Wasser lange genug den Stein höhlt, kommt er
zum Vorschein, der Strand, der unter dem Pflaster liegt.
Zum Schluss bleibt noch der – wenn auch schwache - Trost: die Retro-
Bewegung z. B. bei Tonträgern – zurück zum Vinyl – „zeigt, dass
nicht jede Medienrevolution unumkehrbar ist“10.
Gerald Grüneklee / Gǎi Dào
Fussnoten:

1. http://antjeschrupp.com/2012/03/05/louise-ottos-roman-%E2%80%9Eschloss-undfabrik/

2. so die Buchhändlerin Milena Pantelouris im Magazin „jetzt“, No. 03/12, S.6

3. http://www.hagalil.com/archiv/2011/06/10/internet-10/

4. vgl. Daniel Pennac: Wie ein Roman – Von der Lust zu lesen, München 1998, S. 90f.

5. der damalige Geschäftsführer der Piratenpartei, Christopher Lauer 2010 in der taz

6. zitiert nach einem Flyer der projektgruppe neue musik bremen, September 2000

7. Uwe Sonnenberg: Geburt aus dem Geist der Mensa-Verkaufstische, taz, 1.6.2013

8. Antje Westermann, in: Contraste, Oktober ´09, Heidelberg 2009, S. 5

9. FAZ, Ausgabe Rhein-Main, 23.8.2013

10. Michael Roseler-Graichen: Digitales Publizieren – Stand und Perspektiven, in: Aus Politik und Zeitgeschichte, Nr.41-42/2012