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Traceroute: Von Nerd zu Nerd | Untergrund-Blättle

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Dokumentation von Johannes Grenzfurthner Traceroute: Von Nerd zu Nerd

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Johannes Grenzfurthner hat einen neuen Film gemacht. Grenzfurthner ist Teil von monochrom, er lehrt Kommunikationsguerilla in Linz, hat eine Konferenz für Sex und Technologie erfunden und macht mit bei einer Messe für Cocktail-Robotik.

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28. Februar 2016
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Und das ist jetzt wirklich nur ein kleiner Ausschnitt von Dingen, die er so macht. Ein Typ also, den man landläufig als Tausendsassa bezeichnen würde.

Jetzt also Traceroute. Eine Dokumentation. Das Prinzip des Films ist schnell erzählt: Grenzfurthner reist mit Freund:innen einmal quer durch die USA und macht Zwischenstopps bei allen möglichen Nerds. Er besucht Orte, die Nerds lieben. Hackerspaces. Ein Kaufhaus für Nerds. Die Orte von Filmdrehs, wie den Tunnel aus “Zurück in die Zukunft”. Oder das Museum des Schöpfers von Terminator, in dem Grenzfurthner die Exponate immer wieder ableckt. Und damit für verwirrte Blicke sorgt.

Traceroute gibt Einblicke in die Welt von Nerds. Eine Frau, die Bakterienstämme von Schweissfüssen mit dem gut gereifter Käse vergleicht – und Ähnlichkeiten findet. Ein Mensch, der ein riesiges unabhängiges Netz von Geigerzählern installieren will. Oder in die Geschichte einer Sexworkerin, die sich selbst als Nerd bezeichnet. Die Vielgestaltigkeit der Themen und interviewten Menschen zeigt, dass Nerd sein nicht zwangsläufig mit Computern und Programmieren zu tun haben muss.

Spass machen auch die Exkurse des Road Movies, die sich ganz natürlich in die Handlung fügen. Man fährt mit Grenzfurthner an einem Containerhafen vorbei und bekommt nebenbei die Geschichte des Industriecontainers erzählt. Oder eben die des Logos des Logistikunternehmens FedEx.

Die Geschichte der Nerds in Traceroute folgt nicht dem gängigen Stereotyp, sie ist nicht auf Männer beschränkt. Überhaupt sind Genderaspekte immer wieder Thema, und das auf ziemlich unaufgeregte Weise. Klar darf nicht fehlen, dass die Zukunft und die Rebellion von Nerds kreiert werden wird, doch die Überhöhung wird immer wieder selbstironisch gebrochen.

Manchmal mit etwas zu viel Pixel-C64-Grafik und Lade-Bildflackern. Für meinen Geschmack ist Traceroute zu schnell. Der Zuschauer hastet von Stopp zu Stopp. Man wünscht sich, länger verweilen zu können.

Richtig zur Hochform läuft der Film übrigens schon am Anfang auf, wenn Grenzfurthner seine eigene Nerdwerdung anhand von Familienfotos und Anekdoten erzählt. Da sprühen dann so wunderbare Sätze aus ihm hervor wie:

«Everything in German sounds like an war crime, everything in austrian sounds like an war crime served with wipped cream»

Alte eigene Videoproduktionen aus dem österreichischen Vorgarten werden ausgekramt und im Schnelldurchlauf die eigene Biografie erzählt. Das ist richtig gut gemacht und führt auch Nicht-Nerds ans Thema und den Filmemacher heran.

Traceroute ist eine Liebeserklärung an den Nerd an sich – und an den Nerd Grenzfurthner selbst.

John F. Nebel
metronaut.de

Dieser Artikel steht unter einer Creative Commons (CC BY-NC 2.0) Lizenz.

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