UB-Logo Online MagazinUntergrund-Blättle

Glasfasernetz: Kleinkrämerische Schweiz, weitsichtiges Schweden | Untergrund-Blättle

4312

Initiative im Kanton Zürich Glasfasernetz: Kleinkrämerische Schweiz, weitsichtiges Schweden

Digital

Währenddem in der Schweiz gestritten wird, ob die Swisscom verpflichtet werden soll, sämtliche Internetzugänge auf mindestens 10 Mbit/s anzuheben, baut Schweden das Glasfasernetz in alle Ecken des riesigen Landes weiter aus. Eine kantonale Initiative fordert den flächendeckenden Glasfaserausbau nun für Zürich.

Glasfaserkabel in Svalbard, Norwegen.
Mehr Artikel
Mehr Artikel
Bild ansehen

Glasfaserkabel in Svalbard, Norwegen. Foto: Bjoertvedt (CC BY-SA 3.0 unported - cropped)

21. September 2017
1
0
3 min.
Drucken
Korrektur
Wer durch Schweden fährt, sieht sie an jeder Strassenecke, in jedem verstreuten Weiler und bis nach Lappland: Schilder, die auf den Glasfaserausbau hinweisen. Dabei hatte das Land bereits Mitte 2015 nach einer aktuellen Studie der Bertelsmann Stiftung eine Glasfaserabdeckung von 56.4% in der Gesamtbevölkerung erreicht:

«Das aktuelle Ziel der schwedischen Regierung im Hinblick auf die Breitbandversorgung sieht vor, dass 90 Prozent aller Haushalte und Unternehmen bis zum Jahr 2020 in der Lage sein sollen, einen 100 Mbit/s-Zugang zum Internet zu erhalten. Erstmals formuliert wurde dieses Ziel in der „Breitbandstrategie für Schweden“ von 2009, die bis heute Bestand hat (Government Offices of Sweden 2009). […] Wenn man berücksichtigt, dass die mittleren und nördlichen Teile Schwedens extrem dünn besiedelt sind – die Einwohnerdichte hat Subsahara-Dimensionen – ist die 90-Prozent-Verfügbarkeit von Glasfaser ein ambitioniertes Ziel.»

Zur gleichen Zeit beträgt die Glasfaser-Abdeckung in der Schweiz gerade 27%, in ländlichen Gebieten sogar nur 5.6%.

Fairerweise gilt zu berücksichtigen, dass derBreitbandausbau insgesamt in der Schweiz aktuell (noch) sehr gut ist. Dieser basiert jedoch auf veralteten Kupferleitungen (VDSL) und Kabelanschlüssen (DOCSIS). Beide Technologien stossen gegenwärtig an ihre physikalischen Grenzen. Die Konkurrenzsituation, die in der Vergangenheit zu verbreitet Anschlüssen von 100 Mbit/s geführt haben, wird wegfallen.

Im Gegensatz ermöglichen Glasfaseranschlüsse bereits heute Geschwindigkeiten bis in den Gigabit/s-Bereich, und sie erfüllen dabei wichtige Qualitätsanforderungen, wie die Up-/Download-Symmetrie und die Echtzeitfähigkeit. Dies hält auch die Studie der Bertelsmann Stiftung fest:

«Für viele künftige Internet-Anwendungen im privaten und geschäftlichen Umfeld werden diese Eigenschaften immer wichtiger, sodass die Versorgung mit Glasfaseranschlüssen als Indikator für die Zukunftsfähigkeit der Internet-Infrastruktur eines Landes angesehen wird.»

So, wie in Strassen und Autobahnen, Strom- und Telefonleitungen investiert worden ist (und wird), muss heute die Glasfaserinfrastruktur für die Wirtschaft und Gesellschaft von morgen geplant und gebaut werden. Wie es Schweden oder verschiedene Städte in der Schweiz vormachen, sollte die öffentliche Hand (wie Stadtwerke) für die flächendeckende Verbreitung sorgen und das Glasfasernetz anschliessend Privatanbietern zur Verfügung stellen. Diese können darauf aufbauend Internet-Anschlüsse, digitales Fernsehen, Video-Telefonie etc. als Dienste anbieten und über ihre Einnahmen die Kosten der Infrastruktur bezahlen.

Genau dies fordert nun eineInitiative im Kanton Zürich: Im Versorgungsgebiet der Elektrizitätswerke des Kantons Zürich sollen alle Wohn- und Geschäftsliegenschaften mit einem eigenen Glasfaser-Hausanschluss ausgerüstet werden. Interessant sind die Berechnungen zur Finanzierung:

«Die Wirtschaftlichkeit hängt einzig von der kalkulatorischen Abschreibedauer ab. Die geschätzten 600 Millionen Franken Investitionen für das FTTH-Glasfasernetz können über 30 Jahre amortisiert werden, die Amortisation beträgt also lediglich CHF 20 Mio pro Jahr (lineare Amortisation ist Vorschrift des Kantons). Ein Glasfasernetz ist praktisch unterhaltsfrei. Bei 30 Jahren Abschreibedauer ist die Wirtschaftlichkeit mit Sicherheit gegeben, müsste hingegen auf 5 oder 10 Jahre abgeschrieben werden, rentierte es nicht.»

Derweil debattiert der Schweizer Nationalrat auf Antrag von CVP-Nationalrat Martin Candinas, ob die in der Konzession festgeschriebene Grundversorgungsgeschwindigkeit in der Schweiz von aktuell 2 auf 10 Mbit/s erhöht werden soll. Gemäss Bundespräsidentin Doris Leuthard würde jedoch die Swisscom bereits für die geplante Erhöhung auf 3 Mbit/s mit Gesamtkosten im «mittleren zweistelligen Millionenbereich» rechnen (bei einem Reingewinn von 1,6 Milliarden Franken).

Kire / dg

Dieser Artikel steht unter einer cc by-sa 4.0 Lizenz und ist zuerst im Blog der Digitalen Gesellschaft erschienen.

Mehr zum Thema...
120mm Minenwerfer «BIGHORN» von RUAG.
Der Verkauf von Kriegsgerät in alle WeltDer mörderische Export von Waffen

27.10.2012

- Fotos aus dem Kampfgebiet um die syrische Wirtschaftsmetropole Aleppo zeigen Kisten mit Schweizer Splitterhandgranaten HG85 aus der Produktion der staatlichen Rüstungsfirma Ruag.

mehr...
Roger Köppel, Journalist und Chefredakteur der «Weltwoche» in Zürich.
BaZ und WeltwocheDie Sprachrohre der Stromlobby

21.11.2013

- Vor wenigen Jahren machte die Strombranche Milliardengewinne, heute jammert sie um die Wette, assistiert von BaZ und Weltwoche.

mehr...
Moderatorin Jasmin Clamor im Gespräch mit Gastgeberin Gabriele Siegert an den Big Brother Awards Schweiz 2019.
RückschauBig Brother Awards Schweiz 2019

23.09.2019

- Ende August fand nach 10 Jahren Pause zum ersten Mal wieder eine Verleihung der Big Brother Awards in der Schweiz statt. Je ein Preis wurde in der Kategorie «Staat», «Public-Private-Partnership» und «Publikum» vergeben.

mehr...
Abschaffung der Pauschalbesteuerung? Steuersenkungen rückgängig machen?

13.09.2012 - 2010 beschloss der Kanton Bern Einkommens- und Vermögenssteuern zu senken. Die Linken hielten diese Steuersenkung nicht für verkraftbar und lancierten eine Volksinitiative, die die Steuersenkungen rückgängig macht und gleichzeitig die Pauschalbesteuerung aufhebt.

Vom Leben und Überleben mit der Nothilfe: 10 Franken pro Tag für abgewiesene Asylsuchende

15.04.2011 - Mit rund 10 Franken pro Tag müssen abgewiesene Asylsuchende in der Schweiz ihren Lebensunterhalt bestreiten: Für Essen, Seife, Kleider und Zigaretten. Damit müssen Asylbewerber, deren Gesuch abgelehnt wurde, in der Schweiz leben und überleben.

Dossier: Datenüberwachung
Neolexx
Propaganda
Anonymous wants you

Aktueller Termin in Oberhausen

Jan Off & Die Manfreds

Jan Off „Liebe, Glaube, Hohngelächter“ & Die Manfreds :::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::: 02.12.2022 Oberhausen – Druckluft 19:30 Uhr Einlass / 20:00 Uhr Beginn Preis: VVK: 8€ / AK: 10€ Tickets: ...

Freitag, 2. Dezember 2022 - 20:00 Uhr

Druckluft, Am Förderturm 27, 46049 Oberhausen

Event in Berlin

STICK TO YOUR GUNS + KNOCKED LOOSE + LANDMVRKS + SOUL BLIND

Freitag, 2. Dezember 2022
- 21:00 -

Huxleys Neue Welt

Hasenheide 107-113

10967 Berlin

Mehr auf UB online...

Vorheriger Artikel

Die neoliberale Agenda des Konzern-Kapitalismus

Wird „Der Markt“ von heute durch Angebot und Nachfrage oder durch egozentrisch handelnde Weltkonzerne reguliert?

Transparent im Hauptbahnhof Bern während der Klimademo am 28. September 2019.
Nächster Artikel

Überwindung des kapitalistischen Wachstumszwangs

Kein Wetter für Klimaproteste?

Untergrund-Blättle