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Bitcoin: „Virtuelles Geld“ | Untergrund-Blättle

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Ist Bitcoin Geld? Bitcoin: „Virtuelles Geld“

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Inzwischen sind alle Medien voll von Nachrichten über Bitcoin, seine Kurse, Diebstähle von Bitcoin, Verbote von Bitcoin, und der Spam-Filter geht über mit Bitcoin-Werbung: „Kaufen Sie jetzt, und machen Sie das grosse Geld!“

Bezahlen mit Bitcoins, DelftHolland, April 2013.
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Bild: Bezahlen mit Bitcoins, Delft - Holland, April 2013. / Targaryen (CC BY-SA 4.0 cropped)

22. Januar 2018

22. 01. 2018

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„Die erste Funktion des Goldes besteht darin, der Warenwelt das Material ihres Wertausdrucks zu liefern oder die Warenwerte als gleichnamige Grössen, qualitativ gleiche und quantitativ vergleichbare, darzustellen. So funktioniert es als allgemeines Mass der Werte, und nur durch diese Funktion wird Gold, die spezifische Äquivalentware, zunächst Geld.“ (Karl Marx, Das Kapital, Band I, I. Abschnitt, 3. Das Geld oder die Warenzirkulation, 1. Mass der Werte, S. 109)

Geld, Ware, Zahlungsmittel

Ist Bitcoin ein „Mass der Werte“? Inwiefern wird es überhaupt als Zahlungsmittel anerkannt? Enthält es Wert, kann es deshalb überhaupt Wertmass sein?

Bitcoin wird „geschöpft“, „erzeugt“ durch eine Art mathematisch-elektronischen Kettenbrief, eine unendliche und sich immer weiter (re)produzierende Kette von mathematischen Operationen, für die man vor allem potente Grosscomputer braucht, die sehr viel Energie verbrauchen. Ist das „Erzeugung“, wird hier „Wert geschaffen“?

Ist Bitcoin „Ware“?

Wenn Bitcoin keinen Wert hat und nicht Mass der Werte ist, kann es dann Zirkulationsmittel sein?

„Am 4. März 2013 eröffnete der Online-Markt bitcoinstore.com mit einem Angebot von 500.000 Computer- und Elektronikartikeln aus dem Warenbestand des IT-Grosshändlers Ingram Micro. … Seit Juli 2014 akzeptiert das international tätige Computerunternehmen Dell Bitcoin-Zahlungen. … Seit dem 23. September 2014 bietet PayPal Händlern die Möglichkeit, Zahlungen per Bitcoin entgegenzunehmen. … Ab Juli 2016 erlaubt die Schweizer Stadt Zug versuchsweise bis Ende 2016 das Bezahlen von Beträgen bis umgerechnet 200 Schweizer Franken am Schalter der Einwohnerkontrolle. … Seit 10. Juli 2017 können Bitcoins und andere digitale Währungen in jeder der 1.800 österreichischen Post-Filialen gekauft werden.“ (Wikipedia, Bitcoin, Verbreitung)

Es gibt also immer mehr, hmm, Unternehmen bzw. sonstige „Marktteilnehmer“, die Bitcoin als Zahlungsmittel akzeptieren.

Hoheitsmittel

Herkömmliche Währungen, und erst recht Weltwährungen, die überall auf der Welt, also auch ausserhalb des Hoheitsgebietes des Ausstellers gelten, beruhen auf dem Gewaltmonopol eines Staates. Sie reichen also bestenfalls so weit, wie dieses Gewaltmonopol reicht. Zusätzlich kommen noch die wirtschaftlichen Tätigkeiten, die auf diesem Staatsgebiet stattfinden, für die Wertbestimmung ins Spiel.

Festzuhalten ist jedoch: normale, Vor-Bitcoin-Währungen haben einen Aussteller, und der hat eine Identität. Sie werden von einer Notenbank ausgegeben und beglaubigt, von der bekannt ist, wo sie steht. Gewöhnliche Währungen sind also mit einer Adresse versehen, wo sie herkommen, und dieser Umstand macht ihre Gültigkeit aus. Die Aussteller vergleichen sich untereinander bzw. werden von der Finanzwelt miteinander verglichen, was die Substanz der Wechselkurse ausmacht.

Weltgeld

Dasjenige Geld bzw. diejenige Währung, die international anerkannt ist, ist das, wo beides zusammenkommt: ein Aussteller, der für die Gültigkeit seines Geldes bürgt, und eine Menge von Individuen, die sich dieses Geldes für ihre Transaktionen bedient. So eine Art von Währung wird dadurch auch zu einer Art von Ware, die ge- und verkauft wird und dadurch an Wert gegenüber ihresgleichen gewinnt oder verliert.

Bitcoin

Für Bitcoin gilt der Ausgangspunkt der Währungen nicht. Es hat keinen oder viele Aussteller, und ist nirgends zu Hause. Niemand bürgt für seine Gültigkeit. Für Bitcoin gilt: Es erhält seinen Wert lediglich im Vergleich mit anderen, realen Währungen.

„Die Leinwand“ (= Bitcoin) „drückt ihren Wert aus im Rock“ (= $ oder €), „der Rock dient zum Material dieses Wertausdrucks. Die erste Ware spielt eine aktive, die zweite eine passive Rolle. Der Wert der ersten Ware ist als relativer Wert dargestellt, oder sie befindet sich in relativer Wertform.“ (Karl Marx, Das Kapital, Band I, I. Abschnitt, 1. Die Ware, 3. Die Wertform oder der Tauschwert, S. 63)

Solange es Waren oder Währungen gibt, die sich gegen Bitcoin austauschen, so lange hat dieses Krypto-Geld Wert. Sobald das Vertrauen in dieses Austauschmittel schwindet, ist es wertlos.

Das macht, ähnlich wie bei Pyramidenspielen, mit denen Bitcoin auch verglichen wird, seine Faszination aus. Da sein Wert an gar nichts gebunden ist ausser ein paar potente Rechengeräte, so ist er auch unbegrenzt steigerbar.

Zu seiner Anziehungskraft trägt auch der Umstand bei, dass die realen Weltwährungen immer mehr nur auf Schulden beruhen, also sich lediglich selbst beglaubigen.

Amelie Lanier

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