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Sandro Gaycken und Constanze Kurz - 1984.exe | Untergrund-Blättle

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Buchrezensionen

Buchkritik Sandro Gaycken und Constanze Kurz - 1984.exe

Sachliteratur

Die Herausgeber des Buchs 1984.exe, das im Transcript-Verlag erschienen ist, sind der Technikphilosoph Sandro Gaycken und die Informatikerin Constanze Kurz, beide Mitglieder im Chaos Computer Club. Das Buch ist nach einer Einführung in 4 Abschnitte aufgeteilt: Technik, Praxis, Phänomen und Werte der Überwachung.

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Bild: Minolta Makro-Aufsatz für 55 mm Filtergewinde. / MBdortmund (Licence Art Libre)

17. März 2008

17. 03. 2008

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2 min.

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Der erste Abschnitt Technik der Überwachung liefert einen guten Überblick über die wichtigsten Aspekte der technisierten Überwachung: Videoüberwachung, Biometrie und Telekommunikationsüberwachung werden für Nicht-Fachleute gut dargestellt, für bereits in der Materie erfahrene Leser gibt es ebenfalls neue Entwicklungen und Aspekte zu entdecken.

Im zweiten Abschnitt zur Praxis der Überwachung kommt die Umsetzung der Technik zur Sprache. Der Artikel des Vorsitzenden der Gewerkschaft der Polizei, Polizeihauptkommissar Rainer Wendt, sticht heraus, da er der einzige in der Sammlung ist, der sich positiv zur Überwachung äussert. Dies liegt nach Angaben des Herausgebers Gaycken daran, dass sich andere Befürworter nicht im Rahmen dieses Buches äussern wollten.

Wendt behandelt die Praxis der Videoüberwachung und deren sinnvollen Einsatz. Er spricht sich für eine offene Diskussion über die Installation von CCTV-Anlagen aus. Überträgt man diese Forderung auf andere Überwachungstechniken, so kritisiert Wendt auch implizit die Art und Weise, wie derzeit neue Überwachungsmassnahmen eingeführt werden. Auch fordert er, dass Polizeistreifen vorgehalten werden müssen, die sofort bei verdächtigem Verhalten eingreifen können, somit fällt auch das Argument der Einsparung durch Videoüberwachung.

Während Wendt davon ausgeht, dass Polizisten verantwortungsvoll mit Überwachungstechnik umgehen, zeigt der Beitrag des Strafanwalts Martin Lemke einen anderen Eindruck: So wurde in einem Fall aus Verdächtigungen, die sich nicht erhärteten, geschlossen, dass die beobachtete Person bereits über die Observation Bescheid wusste, und eine Telefonüberwachung beantragt und auch genehmigt. Polemisch formuliert, verwundert die hohe Anzahl an Telefonabhörmassnahmen nicht.

Im dritten Abschnitt zum Phänomen der Überwachung kommen soziologische, philosophische und historische Betrachtungen zum Zug. Insbesondere der Artikel zur Geschichte des Passwesens ist sehr aufschlussreich: Dort wird von Peter Purgathofer sehr schön geschildert, wie aus einem positiv bewerteten Passagierdokument und negativ konnotiertes Überwachungsinstrument wurde, und Biometrie entwickelt wurde. Ein weiterer faszinierender Aspekt ist die Konstruktion neuer Straftatbestände durch die Einführung von Überwachungsmassnahmen, wie er exemplarisch anhand Passfälschung ausführt.

Jessica Heesen liefert in ihrem Beitrag gute Argumente, dass Freiheit ohne Privatsphäre nicht denkbar ist, da private Autonomie zur freien Entfaltung der Persönlichkeit eine notwendige Voraussetzung sei.

Im letzten Teil des Buches zu den Werten der Überwachung kommen ethische Betrachungen zum Zuge. Es wird die Bedeutung des Datenschutzes im Rahmen des Rechtsgefüges einer freiheitlichen Gesellschaft betrachtet, ebenso Konstruktion des Begriffs "privacy".

Insgesamt ist das Buch durchaus empfehlenswert, sowohl für Fachleute als auch für interessierte Laien. Es liefert gute Argumente für eine sachliche Diskussion zum Thema, was es nicht darstellt, sind Hilfsmittel zum Selbstschutz, das möchte der Band nicht liefern.

Thomas Mayer

Sandro Gaycken, Constanze Kurz: 1984.exe. Transcript-Verlag, Januar 2008, 310 S., kart., 29.80 SFr, ISBN 978-3899427660

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