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Gabriel Kuhn: Straight Edge | Untergrund-Blättle

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Buchrezensionen

Gabriel Kuhn: Straight Edge Straight Edge-Bewegung - Persönlich oder politisch?

Sachliteratur

Das Buch liefert einen Einstieg in das Thema Straight Edge, die Geschichte der Bewegung und deren vielseitige Anknüpfungspunkte.

Die Straight Edge Band Earth Crisis in Atlanta, 1998.
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Bild: Die Straight Edge Band Earth Crisis in Atlanta, 1998. / veganstraightedge (CC BY 2.0 cropped)

23. Januar 2020

23. 01. 2020

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Gabriel Kuhn brachte bereits zwei Bücher zum Thema Straight Edge heraus. Sober living for the revolution - Hardcore Punk, Straight Edge and radical politics, erschien in englischer Sprache und befasst sich sehr detailliert mit dem Thema. Das in deutscher Sprache beim Unrast Verlag in der Reihe Unrast Transparent erschienene Bändchen Straight Edge. Geschichte und Politik einer Bewegung gibt den Leser_innen eine knappe Einführung in das Themenfeld Straight Edge.

Die Lebensweise Straight Edge entstand mit dem Aufkommen der Hardcore/Punk-Bewegung, als eine junge Generation von Punks begann, den selbstzerstörerischen Drogenkonsum in der eigenen Szene abzulehnen und eigene Bands gründeten mit Texten über eine positive Lebensweise, wie Freundschaft und Unity und gegen Alkohol und Drogen. Der Name dieser Bewegung kommt von dem gleichnamigen Lied der Band Minor Threat, dessen Text Ian MacKaye 1981 verfasste.

Das Buch ist in zwei Themenfelder gegliedert. Im ersten Teil geht Gabriel Kuhn auf die Geschichte mit den verschiedensten Gruppierungen der Bewegung ein. Es wird die Entwicklung des Straight Edge von den Anfängen in Washington DC um Ian MacKaye und Minor Threat über die so genannten Youth Crew-Bands, die speziell in New York Ende der 1980er Jahre stark vertreten waren und für die Bands wie Youth of Today, Side by Side und Gorilla Biscuits stehen, sowie die Vegan-Straight Edge-Bewegung der 1990er Jahre (Earth Crisis, Chokehold) bis hin zu den vielfältigen Straight Edge-Bewegungen der Gegenwart dargestellt.

Im zweiten Teil erläutert Gabriel Kuhn die politischen Themen, mit denen sich die Bewegung auseinandergesetzt hat. Neben Religion, Moralismus, Kapitalismus- und Konsumkritik, Gender, Sexualität und Tierrechten wird sich beispielsweise mit der linken und rechten Adaption des Themas auseinandergesetzt und eine klare Position für eine linke Straight Edge-Kultur bezogen. Diese vielschichtigen und durchaus diskussionswürdigen Themenkomplexe werden teilweise jedoch vereinfacht und verknappt beschrieben und haben nicht den Stellenwert, den der Buchtitel suggeriert. Allerdings scheint dies in insgesamt 71 Seiten auch schwer möglich zu sein. Das Bändchen soll lediglich eine Einführung in das Thema liefern.

Des Weiteren gibt es am Ende noch Materialien. Neben weiterführender Literatur und einer Auflistung von ca. 50 Straight Edge-Alben von den Anfängen bis hin zur Gegenwart finden sich Webadressen von Labels und Organisationen der Hardcore/Punk-Szene. Diese Materialliste ist durchaus sinnvoll für Menschen, die sich nach dieser Einführung vertiefend mit dem Thema Straight Edge beschäftigen wollen.

Das Buch ist inhaltlich interessant und verständlich geschrieben. Viele ausführliche und gut gewählte, teilweise in die deutsche Sprache übersetzte Zitate lockern den Text positiv auf und liefern Einblicke in die Szene. Diese Einblicke dürften gerade für Menschen, die sich noch nicht mit dem Thema auseinandergesetzt haben, wertvoll sein. Insofern ist dieses Buch als das, was es darstellen soll - eine Einleitung - empfehlenswert.

Eine Frage, die im Buch nur angedeutet behandelt wird ist, inwieweit bei der Straight Edge-Bewegung von einer politischen Bewegung gesprochen werden kann. Bei einer Buchvorstellung mit Gabriel Kuhn im Berliner Kastanienkeller im November 2010 wurde diese Frage kontrovers diskutiert. Wenn Straight Edge lediglich als persönliche Einstellung gesehen wird, die jede_r für sich ergreift, ist es schwer nachvollziehbar von einer Bewegung oder Szene auszugehen. Zwar sind Begriffe wie Bewegung oder Szene problematisch, da nie von einer eindeutig definierbaren und homogenen Masse ausgegangen werden kann, doch sollen diese Begriffe Individuen definieren, die auf ähnliche Positionen, Einstellungen und Deutungen zurückgreifen – und sie gemeinsam entwickeln. Ich denke eher, dass die Lebenseinstellung Straight Edge aus einem kritischen Denken heraus entsteht und nicht andersrum. Ob aber nun bei der Straight-Edge-Bewegung von einer politischen Bewegung ausgegangen werden kann oder nicht, kann und will ich nicht erläutern. Kuhn meint dazu am Ende des Buches: „Linke Straight-Edge-Kultur ist weder individualistisch noch ideologisch, sondern persönlich und sozial.“ (S. 64)

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Gabriel Kuhn: Straight Edge. Geschichte und Politik einer Bewegung. Unrast Verlag, Münster 2010. 80 Seiten. ca. 11.00 SFr., ISBN: 978-3-89771-108-2

Dieser Artikel steht unter einer Creative Commons (CC BY-NC-ND 3.0) Lizenz.

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