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Alfred Hilsberg – Ein Leben für den Underground. | Untergrund-Blättle

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Buchrezensionen

Rezension zum Buch von Christof Meueler Alfred Hilsberg – Ein Leben für den Underground.

Sachliteratur

Biografie über Alfred Hilsberg, Labelgründer und Doyen des musikalischen Underground in der Bundesrepublik erschienen.

Alfred Hilsberg im Mai 2006.
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Bild: Alfred Hilsberg im Mai 2006. / Barbara Mürdter (CC BY-SA 3.0 unported - cropped)

2. Juni 2016
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Ohne ihn hätte die deutsche Popmusik seit den 1980er Jahren vermutlich völlig anders ausgesehen. Alfred Hilsberg, Begründer der legendären Plattenlabel „ZickZack“ und „What‘s so funny about“, war einer der ersten, die Tonträger der frühen britischen Punkbands nach Deutschland brachten. Er veranstaltete Anfang der 1980er zickzackcoverJahre Konzerte, auf denen ambitionierte, aber dilettantische Bands auftraten, die – zumindest nach bundesrepublikanischen Massstäben – völlig neue Ideen hatten.

Einige Jahre später erwuchs aus diesen Anfängen die Neue Deutsche Welle, mit denen einige dieser genialen Dilettanten kommerzielle Erfolge feierten. Hilsberg selbst produzierte kaum Hits. Doch er entdeckte und förderte Bands wie FSK, Einstürzende Neubauten oder Blumfeld, deren Einfluss auf die bundesdeutsche Independentmusik unbestritten ist.

Das Buch ist eine faszinierende Reise durch mehrere Jahrzehnte Politik, Kunst, Alltags- und Sozialgeschichte der BRD. Aus der tristen Jugend in Wolfsburg und Umgebung gelingt Hilsberg irgendwann der Ausbruch – wenn auch zunächst nur geistig. Musik, Filme und politische Ideen dringen trotz aller zeitbedingten Schwierigkeiten zu dem jugendlichen Hilsberg vor und legen den Keim für ein Leben, das bald die Tristesse des bundesdeutschen kleinstädtischen Nachkriegsmief weit hinter sich lässt.

In den 70er Jahren ist Film das Mittel der Wahl, um die Welt aus den Angeln zu heben und die Arbeiterklasse über ihre Lage aufzuklären. Beides klappt nicht zu hundert Prozent. Und nach dem „Deutschen Herbst“ war sowieso alles anders und nicht mehr so einfach und unbeschwert wie vorher. Während die Linke, insbesondere deren „neue“ Teile, nicht mehr so recht wissen, wie es nun weitergehen soll, kommt für andere die lang ersehnte Rettung in Gestalt von etwas ganz Neuem aus England.

Punk war da. Und Hilsberg und andere fuhren hin, um sich selbst ein Bild zu machen. Zurück kamen sie mit Kofferraumladungen voller Platten, die die Grundlage für alles weitere waren. Denn vom Plattenverkaufen über das Eröffnen eines Plattenladens bis zur Gründung eines Plattenlabels sind es nur ein paar Schritte.

Der Rest ist Musikgeschichte. Auf Hilsbergs 1980 gegründetem Label ZickZack passierte das, was damals in der Bundesrepublik sonst kaum noch passierte – musikalisch wie handwerklich. Vom Plattenmachen hatten Hilsberg und Klaus Maeck, sein Gefährte in diesen Tagen, zunächst genauso wenig Ahnung wie vom Betreiben eines Geschäfts – die beiden hatten zuvor den Rip-Off-Laden betrieben, Ausgangsbasis der Hamburger Punkszene. Sie hatten eigentlich „nur die vage Vorstellung, dass man Bänder mit Musik brauchte, aus denen dann Platten wurden“ (S. 138). Und so starteten sie einfach, denn: „Das Schallplattenmachen ähnelte dem Drogennehmen in den späten Sechzigern: Es gab kaum Erfahrungswerte, man musste alles selber ausprobieren.“ (ebd.)

Die ersten Platten waren die Singles von Geisterfahrer und Abwärts – Punk, der für die meisten Punks schon wieder viel zu Punk war. Bald folgten die Debüts von FSK, Palais Schaumburg oder Andreas Dorau. In dem Tonfall ging es weiter. In den folgenden Jahren kamen zickzackabwärtsetwa die Einstürzenden Neubauten, die Krupps oder Die Tödliche Doris zum Labelkatalog.

ZickZack war für die Kehrseite dessen zuständig, was in den massentauglichen Popvarianten der Neuen Deutschen Welle in diesen Jahren die Charts stürmte. Und ZickZack setzte auch die Grundlagen für die zweite grosse Welle deutschsprachiger Popmusik in den 1990er Jahren. Blumfeld, die Initialband der „Hamburger Schule“, hatte ihre ersten Releases ebenfalls auf ZickZack.

Dazwischen, davor und danach liefen Hilsberg so ziemlich alle Menschen irgendwann mal über den Weg, die in den Achtzigern und Neunzigern eine grosse oder kleine Rolle im internationalen Musik-Underground spielten. Das Buch ist somit auch eine Schatzkiste an Anekdoten und Geschichten über bekannte und auch weniger bekannte Figuren aus Punk und dem, was dann irgendwann Independent-Musik genannt wurde.

Der Autor der vorliegenden Biographie führte viele Interviews und Gespräche, aus denen ausführlich zitiert wird. Also noch ein Namedropping: zu Wort kommen in dem Buch unter vielen vielen anderen Rocko Schamoni, Felix Kubin, Diederich Diederichsen, Knarf Rellöm, Rummelsnuff, Peter Hein, Jochen Diestelmeyer, Bernadette La Hengst, Ted Gaier, Thomas Meinecke, Blixa Bargeld undsoweiterundsofort.

René Dupé / lcm

Christof Meueler: Das ZickZackPrinzip. Alfred Hilsberg – Ein Leben für den Underground. Wilhelm Heyne Verlag München 2016. 384 Seiten, ca. 24.00 SFr ISBN: 978-3453168039

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