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Alexander Brand: Medien – Diskurs – Weltpolitik | Untergrund-Blättle

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Alexander Brand: Medien – Diskurs – Weltpolitik Vom „CNN Effekt“ und der „Twitter Revolution“

Sachliteratur

Die Dissertation von Alexander Brand befasst sich mit dem viel diskutierten Einfluss von Massenmedien auf das internationale politische Geschehen.

6. Dezember 2016

06. 12. 2016

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Brands Werk ist ein wissenschaftliches Fachbuch, das einen wichtigen Beitrag zur Betrachtung des internationalen politischen Geschehens leistet und auch für linke Debatten durchaus von Interesse ist. Schliesslich blickt der Autor mittels eines konstruktivistischen Ansatzes auf das politische Geschehen, einer „theoretischen Brille“, die in Auseinandersetzungen mit internationaler Politik selten Verwendung findet.

Konstruktionen internationaler Politik

Brand stellt zunächst seine Vorannahmen einer zunehmenden Vergesellschaftung und Mediatisierung internationaler Politik vor. Ausgangspunkt dieser Annahme ist die Zunahme von Komplexität im globalen politischen Geschehen, die sich auch auf den Einfluss von Massenmedien auswirkt. In hegemonialen Auseinandersetzungen ist häufig vom „CNN Effekt“ oder der „Twitter Revolution“ die Rede, wenn Medien zu wirkmächtigen und interessengeleiteten Akteuren des internationalen politischen Geschehens gemacht werden.

Im ersten Teil diskutiert Brand die bisherigen wissenschaftlichen Auseinandersetzungen zum Einfluss von Medien auf die internationale Politik und kommt zu dem Schluss, dass bisher vor allem „bestimmte Aspekte medialen Handelns bzw. medialer Präsenz“ (S. 437) untersucht wurden. Medien werden in der Regel als randständige Einflussfaktoren behandelt, die allenfalls Träger spezifischer Interessen darstellen. Im zweiten Teil des Buchs stellt Brand seine „theoretische Brille“ – den Konstruktivismus – vor. Er orientiert sich dabei an Foucaults Auseinandersetzungen zum Diskursbegriff. Mittels dieser an Foucault orientierten theoretischen Grundannahmen sieht er Massenmedien als Infrastruktur diskursiver Auseinandersetzungen, wobei der Autor die Prozesshaftigkeit von Bedeutungskonstruktionen betont.

Er stellt fest, dass in wissenschaftlichen Debatten internationaler Politik konstruktivistische Ansätze zwar zunehmend diskutiert werden, sie jedoch einer Engführung unterliegen. Diese fokussiert sich in der Regel auf die Themen „Identität“ und „Argumentation/ Normen“. Sprache wird als konstruierendes Element nur selten in den Mittelpunkt der Auseinandersetzung gerückt. Brand ordnet die Bedeutung von Massenmedien in konstruktivistische Auseinandersetzungen ein. Er kommt zu dem Schluss, dass Medien eine „entscheidende Bedeutung hinsichtlich der Vermittlung von intersubjektiven Bedeutungsgehalten“ (S. 202) zukommt, wobei diese eingeordnet werden müssen in ein Ringen um die Vorherrschaft in diskursiven Auseinandersetzungen. Anhand von empirischen Fällen untersucht Brand im dritten Teil der Dissertation Prozesse diskursiver Konstruktionen in der internationalen Politik:

1. Der Zusammenhang von Medien und „internationalen gewalthaltigen Konflikten“ (S. 285) anhand des Irak-Kriegs und des War on Terror, 2. Die mediale Dimension internationaler Hegemonie (S. 359), vor allem die Frage einer vermeintlichen „Amerikanisierung“ internationaler Kommunikationsprozesse durch amerikanische Medienunternehmen. 3. „Medien und die gesellschaftliche Dimension internationaler Beziehungen“ – Entstehung von transnationalem „Dissens“ und „Konsens“ anhand der Beispiele der „transatlantische(n) Medienkluft“, die die „wahrnehmbare Abnahme gegenseitigen Verständnisses und Akzeptanz dies- und jenseits des Atlantiks “ (S. 393) am Beispiel eines wachsenden medieninduzierten Antiamerikanismus seit etwa 2002 beschreibt, sowie der Debatte um den „Karikaturenstreit“ in den Jahren 2005 und 2006, deren „diskursive() Konsequenzen“ (S.425) stark durch einen antimuslimischen Rassismus geprägt waren.

Differenzierte Blicke

Dank seines theoretischen Zugangs zum Feld gelingt es Brand ein differenziertes Bild der Einflussnahme von Massenmedien auf das weltpolitische Geschehen zu geben. Zunächst verdeutlicht der Autor die Relevanz von Massenmedien auf die Gestaltung des internationalen politischen Geschehens. So erweist sich beispielsweise die Betrachtung medialer Debatten um Kriege als fruchtbar, um auswärtige Politiken und militärisches Vorgehen zu erklären. Beispielhaft kann hier auf die Untersuchung von Susanne Kassel (2002) verwiesen werden, die am Beispiel Afghanistans und des Kosovo-Kriegs nachzeichnete, wie die Entrechtung von Frauen in Medien zur Legitimation von Kriegseinsätzen genutzt wurde.

Nach Brand wäre es dabei jedoch verkürzt von staatlichen oder unternehmenszentrierten Interessen auf mediale Bedeutungskonstruktionen zu schliessen. Die Idee einer „Amerikanisierung“ von Kommunikationsinhalten wird entsprechend entmystifiziert, schliesslich erweisen sich Inhalte als weitaus pluraler als oft berichtet wird. Von einer US-amerikanischen Hegemonieabsicherung kann, so der Autor, somit nicht gesprochen werden. Dabei geht Brand beispielhaft mehrfach auf den Sender „Al-Jazeera“ ein und stellt sich gegen die Rede vom „CNN Effekt“, der Massenmedien zu eigenständigen Akteuren im internationalen politischen Geschehen macht.

Er begeht jedoch nicht den Fehler, den Einfluss von der Vielzahl unterschiedlicher Kommunikationsplattformen wie zum Beispiel „Twitter“ generell zu überschätzen. Auch die Beleuchtung diskursiver Transnationalisierung erweist sich als fruchtbar für linke Debatten. Am Beispiel des Karikaturenstreits macht der Autor zum einen die grenzüberschreitende Schaffung von Diskursformationen und zum anderen den Beitrag von Massenmedien für antimuslimischen Rassismus deutlich. Aufgrund des theoretischen Zugangs des Autors bleiben bestimmte Aspekte der Debatte jedoch weniger betrachtet. So zum Beispiel die Bedingungen internationaler Kriegsberichterstattung. Spätestens seit dem Irak-Krieg ist beispielsweise „embedded journalism“, also die Zuweisung von Kriegsberichterstattern zu einer bestimmten militärischen Einheit, zu einem Mittel medialer Zensur geworden.

Auch wenn das Buch aufgrund seines Dissertationsformats an manchen Stellen mühselig zu lesen ist, lassen sich Brands Erkenntnisse als wichtig für Debatten internationaler Politik bewerten. Der Autor schliesst eine Lücke in der Betrachtung des internationalen politischen Geschehens. Das Buch ist verständlich geschrieben, setzt nicht übermässig viele Kenntnisse in den Feldern internationaler Beziehungen voraus und lässt sich somit durchaus empfehlen.

Sara Madjlessi-Roudi
kritisch-lesen.de

Alexander Brand: Medien – Diskurs – Weltpolitik. Wie Massenmedien die internationale Politik beeinflussen. Transcript, Bielefeld 2011. 530 Seiten, ca. 47.00 SFr. ISBN 978-3-8376-1831-0

Dieser Artikel steht unter einer Creative Commons (CC BY-NC-ND 3.0) Lizenz.

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