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Ramor Ryan - Clandestinos | Untergrund-Blättle

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Buchrezensionen

Eine Reise durch verschiedene Orten und Formen des Widerstandes Ramor Ryan - Clandestinos

Sachliteratur

Ryan präsentiert hier eine Reise durch verschiedene Orten und Formen des Widerstandes. Eingeteilt in zwei Teile, Alte Welt und Neue Welt, fängt es bei in der Berliner BesetzerInnenszene an und hört mit den Hühnerbus-Tagebüchern auf.

Kongress der Frente Sandinista (FSLN) in Nicaragua.
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Bild: Kongress der Frente Sandinista (FSLN) in Nicaragua. / Titovdv140987 (CC BY-SA 3.0 unported - cropped)

17. Juni 2009

17. 06. 2009

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Der erste Schauplatz Berlin handelt von der wilden HausbesetzerInnenzeit vor und nach dem Mauerfall. Der traditionelle Berliner 1. Mai darf natürlich nicht fehlen.

Ihm werden spannende 14 Seiten gewidmet. Vollgespickt mit den "typischen" Ereignissen wie Bullenagression, Riots und Verfolgungsjagd. Jedoch ohne den Hintergrund des ArbeiterInnenfeiertags zu verschweigen. Den Abschluss der Berliner Ereignisse bildet das Porträt vom "letzten Autonomen".

Die zweite Reise in "Die alte Welt" landet im besetzten Kurdistan.

Als Internationalesolidaritäts-Gruppe ist der Autor mit Landsleuten unterwegs um ein "vermeintliches Konzentrationslager" der Türkischen Armee zu finden.

Mit einem sehr kritischen Blick wird die PKK ins Auge gefasst. Eine, vielmals übliche, blinde Bewunderung und unkritische Solidarität findet die/der LeserIn nicht. Dies bedeutet jedoch nicht, dass der Autor die skrupellosen Machenschaften der türkischen Regierung bzw. Armee verheimlicht. Sehr interessant, nicht nur aus aktuellem Anlass, beschreibt der Autor die Rolle der Natostreitmächte, welche eine mehr als zwielichtige Rolle spielen.

Im nächsten Kapitel findet sich der/die LeserIn in Kroatien an einem Rainbow treffen wieder. Das Treffen findet kurz nach den G8-Demos in Genau statt. Doch dem Autor ist diese Ansammlung von EsoterikerInnen und HardcorepazifistInnen nicht wirklich angenehm. Das kurze Kapitel endet mit folgenden Sätzen: "Nun, ich glaube nicht – Yuppies und Liebe passen nicht zusammen.

Und das ist der Knackpunkt. Die Illusion von Frieden und Liebe, von Gemeinschaften auf Wunsch, von utopischen Räumen ausserhalb der Gesellschaft – das kann nur in einem Massaker à la Jim Jones oder im Zerfall enden. Und das ist nicht genug, es ist nie genug. Rainbowtreffen mögen als Urlaub in Ordnung sein, aber um Revolutionäre zu werden, fehlt euch Idealisten die Tatkraft."

Das letzte Kapitel der "Alten Welt" spielt sich in Belfast ab. Der Autor wird Zeuge des "Friedhofsmassakers von 1988. Wo die britische Armee mit einer erstaunlichen Zurückhaltung gegen den Angreifer vorgeht und sich, wie so üblich, nicht um die Verletzten kümmert.



Bild: Clandestinos

Als einer von hunderten Belfasterkids beteiligt sich Ryan an den nächtlichen Riots in West Belfast. Das Kapitel trägt nicht nur deshalb den aussagekräftigen Namen: "Wie man Rebellen erschafft."

Bevor es in die "Neue Welt" geht folgt ein Intermezzo auf hoher See. Hier wird Ryan mit der harten Arbeit auf See konfrontiert und erstaunt sich über Gleichgültigkeit der Arbeiter gegenüber den täglichen Schikanen. Er ist schlussendlich froh wieder auf festem Land Fuss zu fassen. Sein Traum auf Piraten zu treffen ging jedoch nicht in Erfüllung.

Da wir euch nicht das ganze Buch erzählen möchten erwähnen wir hier nur noch Kapitelnamen der "Neuen Welt": Vampiros Auferstehung (Caracas, Venezuela 1992), Ein Rückblick auf die Sandinistische Revolution (Eine Geschichte von zwei Seiten – die Kraft der Menschen von unten; der Terror von oben), Drei Kuba Geschichten (Havanna 2000), Geschichten vom zerfallenen Pier, Ein Karneval der Träume (Die Leidenschaft der brasilianischen Linken), Diez de Abril (Geschichten aus den Autonomen Gebieten der Zapatistas), Hühnerbus-Tagebücher (Mara Salvatrucha, Sozialkrieg und der Niedergang revolutionären Bewegungen der 1980er. Eine Reise durch die zentralamerikanischen Überweisungsrepubliken und den Neuen Sozialkrieg, Dezember 2004).

Diese Kapitel sind genauso lesenswert wie der 1. Teil des Buches. Nebenbei geniessen sie mehr Aktualität als der 1. Teil. Da der Autor zeitweise in Chiapas lebt, kennt er die Verhältnisse dort sehr gut. Dieses Kapitel ist somit wohl das Interessanteste. Jedoch bietet auch der Rückblick der Sandinistischen Revolution interessante und lehrreiche Aspekte.

Ramor Ryan: Clandestinos. Unrast, 2007, 256 Seiten, 16.90 SFr, ISBN 978-3897710306

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